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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Manika; Manīla; Manīla-Drachenrohr; Manīlahanf; Manīlapapier; Manilĭus; Manille; Manilva; Manin

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Manika - Manin.

Manika, Landschaft in Ostafrika, im nördlichen Gasaland, Ende 1884 von Portugal besetzt, nachdem eine Expedition unter Paiva d'Andrada den Goldreichtum der Kolonie festgestellt hatte. Sitz des Gouverneurs ist Gorongoza, welches den Namen Villa Gueveia erhielt, am Inhandue, der durch den Sange in den Sambesi abfließt.

Manīla, Hauptstadt der Insel Luzon und zugleich des ganzen spanischen Archipels der Philippinen, am Ostufer der nach ihr benannten prächtigen Bai (s. Karte "Hinterindien"), in welche der Pasig mündet, besteht aus dem alten, von moosbewachsenen Ringmauern und versumpften Wallgräben umgebenen Stadtkern und acht um denselben gelagerten Vorstädten, mit einer Gesamtbevölkerung von (1879) 115,670 Einw. (Tagalen, Mestizen, Chinesen, Spanier und andre Europäer). Die innere Stadt (17,950 Einw.), am linken Ufer des Pasig, hat schnurgerade Straßen, deren hervorragendste Gebäude der Palast des Erzbischofs, das Rathaus, 10 reichgeschmückte Kirchen, viele Klöster, Hospitäler, Kasernen, das Observatorium (von den Jesuiten geleitet), die Universität, mehrere höhere Schulen geistlicher Orden u. a. sind. Auf einem Platz in der Mitte erhebt sich das Standbild Karls IV. Diese innere Stadt wird durch das Fort Santiago, den Pasig und das Meer gesichert. Die Besatzung beträgt 1500 Mann. Die Vorstädte Binondo, Santa Cruz und Tondo am rechten Pasigufer sind Sitze des europäischen, amerikanischen, chinesischen Handelsverkehrs; in der ersten residieren die auswärtigen Konsuln, darunter ein deutscher Berufskonsul. Die meisten Häuser sind mit Rücksicht auf die häufigen Erdbeben (zuletzt 1880) aus Holz gebaut (nur das Erdgeschoß ist aus Stein), haben aber deshalb wieder sehr von Taifunen zu leiden; der letzte (1882) verwüstete in einer Stunde die halbe Stadt. Die Hauptindustrie der Stadt ist die Zigarrenfabrikation, die mehrere tausend Menschen beschäftigt; nennenswert sind auch die Goldschmiedearbeiten. M. ist der Haupthafen der Philippinen; mehrere Dampferlinien verbinden es mit Europa, China und Hinterindien. 1882 liefen 542 Schiffe mit 412,000 Ton. ein und aus. Große Schiffe müssen bei Cavite (3 km von der Stadt) ankern. Der überseeische Handel befindet sich fast ganz in den Händen fremder (auch deutscher) Häuser. Ausgeführt werden: Zucker, Manilahanf, Tabak, Kaffee; eingeführt: Weine, Spirituosen, Geld, Konserven, Manufakte. Ein Telegraphenkabel verbindet M. seit 1881 mit Hongkong.

Manīla-Drachenrohr, s. Calamus.

Manīlahanf (Abaca, Bananenfaser, Plantain-fibre, Siam-hemp, Menado-hemp, White rope), die Faser aus den Stämmen von Musa paradisiaca, M. sapientium, M. Ensete, M. Cavendishi, besonders aber von M. textilis, wird aus letzterer Pflanze in größter Menge auf den Philippinen, außerdem in Indien, auf den Antillen, in Neukaledonien, auf Réunion, in Angola und Neusüdwales dargestellt. Man läßt die Stämme kurze Zeit rösten und zieht sie dann durch Eisenkämme, wobei die 1-2 m langen Fasern rein gewonnen werden. Die Faser von M. textilis ist weiß oder bräunlichgelb und enthält lufttrocken 12-13 Proz. Wasser und 0,7-1,2 Proz. Asche. Der M. ist ungemein zäh und dauerhaft, dabei sehr leicht und liefert vortreffliches Tauwerk für die Schiffe; den feinern benutzt man zu Klingelzügen, Gürteln und allerlei andern geflochtenen Arbeiten.

Manīlapapier, aus der Bastfaser von Musa-Arten gewonnenes Papier.

Manilĭus, 1) Gajus, röm. Volkstribun 66 v. Chr., setzte gleich nach seinem Amtsantritt eine Lex de libertinorum suffragiis durch (wonach die Freigelassenen über alle Tribus verteilt werden sollten), welche jedoch von den Konsuln wieder aufgehoben ward, brachte dann die Lex de bello Mithridatico (Lex Manilia) in Vorschlag, wodurch Pompejus zur Beendigung des Kriegs gegen Mithridates mit unumschränkter Vollmacht über Verwendung des Heers und der Flotte im Osten ausgestattet werden sollte. Das Gesetz, welches Cicero in der noch vorhandenen Rede "De imperio Cn. Pompeji" befürwortete, wurde zwar trotz des Widerstandes der Nobilität angenommen, M. selbst aber nach Niederlegung seines Tribunats angeklagt und trotz Ciceros Verteidigung verurteilt.

2) Röm. Dichter unter Augustus und Tiberius, Verfasser eines Gedichts über Astronomie und Astrologie ("Astronomica") in 5 Büchern, das durch Ernst und Gedankengehalt wie durch die Schwerfälligkeit der Darstellung an Lucretius erinnert. Herausgegeben wurde es von Scaliger (Par. 1579, Leiden 1600), Bentley (Lond. 1739) und Jacob (Berl. 1846), teilweise übersetzt von Merkel (2. Aufl., Aschaffenb. 1857). Vgl. Jacob, De Manilio poeta (Lübeck 1832 bis 1836, 5 Tle.).

Manille (span., spr. -illje), Armring; im L'hombre die höchste Trumpfkarte nach der Spadille (entweder eine schwarze Zwei oder eine rote Sieben).

Manilva, Flecken in der span. Provinz Malaga, mit einer Schwefelquelle, einem Fort an der Meeresküste, einer Rohrzuckerfabrik und (1878) 2871 Einw.

Manin, Daniele, Diktator von Venedig, geb. 13. Mai 1804 zu Venedig als Enkel eines Advokaten jüdischer Abkunft, der bei seinem Übertritt zum Christentum 1759 seinen ursprünglichen Namen Medina mit dem seines Taufzeugen M., eines Bruders des letzten Dogen von Venedig, Ludovico M. (1789 bis 1797), vertauschte, studierte in Padua die Rechte, wurde bereits mit 17 Jahren Doktor derselben und ließ sich in seiner Vaterstadt als Advokat nieder. Er wirkte eifrig für die politische Bildung seines Volkes und die Verschmelzung Lombardo-Venetiens zunächst durch materielle Interessen und gründete zu diesem Zweck die Società Italiana. Bei Beginn der Reformbewegung in Italien überreichte er 21. Dez. 1847 der lombardischen Generalkongregation eine Petition, worin der österreichischen Regierung vorgeschlagen wurde, dem Lombardisch-Venezianischen Königreich eine unabhängige Stellung zu geben. Er wurde deshalb 18. Jan. 1848 verhaftet, aber 17. März auf die Nachricht von dem Aufstand in Mailand freigegeben. Bei der Revolution in Venedig 22. März bemächtigte er sich an der Spitze weniger Getreuen des Arsenals und ward in der am folgenden Tag proklamierten Republik zum Ministerpräsidenten und Minister des Äußern ernannt, mußte aber 3. Juli Castelli weichen. Am 11. Aug. von seiner Partei zum Diktator ernannt, hielt er im Innern die Ordnung aufrecht, begeisterte das Volk zu Tapferkeit und Opfermut und behauptete die Stadt gegen die Österreicher bis zum August 1849. Bei der Übergabe derselben 24. Aug. mit 39 andern Führern der Revolution von der österreichischen Amnestie ausgeschlossen, begab sich M. nach Frankreich, wo er sich in Paris als italienischer Sprachlehrer und Journalist niederließ, und von wo er in Zeitschriften seine Landsleute zur Mäßigung und zum Anschluß an Sardinien ermahnte. Er starb 22. Sept. 1857 daselbst. Der Ruhm, die Tugenden der Ehrenhaftigkeit, der Vaterlandsliebe, selbstverleugnender Bescheidenheit und hingebenden Pflichtgefühls im höchsten Grad besessen zu haben, erhob ihn zum Ideal eines italienischen Patrioten, dessen