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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mantilla; Mantineia; Mantiqueira; Mantis; Mantisse; Manto; Mantovāno; Mantra; Mantŭa

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Mantilla - Mantua.

cher die Welt nicht eigentlich von einer Gottheit willkürlich regiert werden, sondern in ihrem Gang einer unabänderlichen und gesetzmäßigen Vorherbestimmung folgen sollte. Da nun alle Dinge der Welt untereinander und insbesondere mit dem Menschen in unmittelbarster Harmonie und Wechselwirkung stehen sollten, so durfte man mit Umgehung der Gottheit aus dem Stand und Wechsel der Naturdinge unmittelbar zu ersehen hoffen, welchen Gang das Welt- und Menschenschicksal nehmen würde. Die meisten der vom Altertum bis auf die Neuzeit gekommenen Methoden der M. waren bereits im alten Chaldäa völlig ausgebildet, und wie die neuern Keilschriftforschungen erwiesen haben, hatten die Griechen und Römer vollkommen recht, diese trügerische Wissenschaft als eine spezifisch chaldäische zu betrachten. Vgl. Fr. Lenormant, La divination chez les Chaldéens (Par. 1875); Boucher-Leclercq, Histoire de la divination dans l'antiquité (das. 1879-81, 4 Bde.). Allerdings berühren sich die hierher gehörigen Methoden ziemlich unmittelbar mit der Deutung des Vogelflugs, der Blitze, der Eingeweide geschlachteter Opfertiere (s. Augurn und Hieroskopie), in welchen man göttliche Fingerzeige voraussetzte, sowie mit der Traumdeutung, die noch unmittelbarer auf der Annahme göttlicher Eingebung fußte. Über die verschiedenen Gattungen der M. hat am eingehendsten Kaspar Peucer, der Schwiegersohn Melanchthons, geschrieben (Wittenb. 1553 u. öfter). Von den unzähligen Methoden der M. sind heute fast nur noch Punktierkunst, Chiromantie (s. d.), vor allem aber Karten- und Kaffeesatz-Wahrsagung im Schwange. Vgl. Weissagung und Orakel.

Mantilla (span., spr. -illja), im Mittelalter ein Schleiertuch der spanischen Frauen, welches den Kopf, einen Teil des Gesichts und den Hals bis auf die Schultern verhüllte; später überhaupt ein Rückenmantel von leichtem Seidenzeug, der bis an die Kniee reicht.

Mantineia, eine der bedeutendsten Städte des alten Arkadien, an der Grenze von Argolis und der Straße von Argos und Korinth nach dem fruchtbaren Westen der Halbinsel gelegen, erst nach den Perserkriegen erbaut, 385 v. Chr. von den Spartanern wieder zerstört, nach der Schlacht von Leuktra wieder aufgebaut, ward besonders berühmt durch den Sieg der Spartaner über die Argeier 418 und durch die 362 vor seinen Mauern gelieferte Schlacht, in welcher Epameinondas siegreich im Kampf gegen die Spartaner fiel. Die spartanisch gesinnte Stadt wurde 222 von den Makedonien erobert, ihre Bewohner wurden in die Sklaverei verkauft. Von da an führte sie, von Achäern neu bevölkert, eine Zeitlang den Namen Antigoneia; erst Kaiser Hadrian gab der schon halb verfallenen Stadt ihren alten Namen wieder. Die Reste der Mauern und eines Theaters heißen jetzt Paleopoli.

Mantiqueira (Serra da M., spr. -kéira), Gebirgskette auf der Grenze der brasil. Provinzen Minas Geraës und São Paulo, im Pico do Itatiaya 2994 m hoch; Quelle des Parana.

Mantis (griech.), Wahrsager, Weissager.

Mantis, s. Gottesanbeterin; Mantodea (Fangheuschrecken), Familie der Geradflügler (s. d.).

Mantisse (lat.), Zugabe, Anhängsel; der zu einem Logarithmus (s. d.) gehörige Dezimalbruch.

Manto, Tochter des theban. Sehers Teiresias und selbst Seherin, wurde nach der Einnahme von Theben durch die Epigonen dem delphischen Apollon als Teil der Beute geweiht, aber von diesem mit andern Gefangenen nach Kleinasien gesandt, um das Heiligtum des klarischen Apollon bei Kolophon zu gründen. Hier vermählte sie sich mit dem Kreter Rhakios, dem sie den Seher Mopsos gebar.

Mantovāno, Pseudonym, s. Cicogna.

Mantra (ind.), in den Weden Name der Gebete, Opferformeln und Zaubersprüche.

Mantŭa (ital. Mantova), ital. Provinz in der Lombardei, hat ein Areal von 2490 qkm (nach Strelbitsky 2359 qkm oder 42,9 QM.) größtenteils ebenen Landes, (1881) 295,728 Einw. und ist sehr reich an natürlichen Gewässern, als Po, Oglio, Mincio, Secchia, sowie an Kanälen, welche zur Fruchtbarkeit des Landes viel beitragen, von denen aber die Flüsse auch häufige Überschwemmungen veranlassen. Der Haupterwerbszweig der Provinz ist die Kultur von Reis, Wiesen, Getreide und Wein. Außerdem werden Bienen- und Seidenzucht, Fabrikation von Öl, Leder und Seilerwaren betrieben. Die Provinz zerfällt in die elf Kreise: Asola, Bozzolo, Canneto, Castiglione, Gonzaga, M., Ostiglia, Revere, Sermide, Viadana und Volta. Die Stadt M. liegt 27 m ü. M., an der Oberitalienischen Eisenbahn auf einer vom Mincio gebildeten Insel. Der Fluß verbreitert sich an der Nordseite der Stadt zu einem See und umgibt an der Südseite die Stadt mit einem von Sümpfen begleiteten Arm, welcher bei Belagerungen noch durch Stauungen vergrößert werden kann. M. ist eine der stärksten Festungen Europas. Die Werke der eigentlichen Stadt, schon von Natur durch das Wasser gesichert, bestehen in einer bastionierten Umfassungsmauer. In den westlichen Sümpfen liegt das vorgeschobene Hornwerk Pradella, an der Südseite ein verschanztes Lager und das starke Außenfort Pietole. Jenseit des Sees liegen an der Nord- und an der Ostseite je ein starkes Fort, welche durch befestigte Dämme (Ponte dei Molini und Ponte San Giorgio) mit der Stadt verbunden sind. Ein Nachteil der starken Festung ist, daß ebenso wie die Belagerer auch die Belagerten im Sommer durch Malaria furchtbar zu leiden haben. Im Innern ist die Stadt geräumig, voll großer Paläste, aber ohne Leben und wegen ihrer tiefen, sumpfigen Lage kein angenehmer Aufenthalt. Unter den öffentlichen Plätzen zeichnen sich aus: die mit Bäumen bepflanzte Piazza Virgiliana, dem Andenken des Dichters Vergil geweiht, welcher in der Vorstadt Pietole (früher Andes) geboren sein soll; die Piazza Sordello, von dem Dom und dem Herzogspalast eingeschlossen, mit dem Denkmal der Märtyrer von 1851; die Piazza d'Erbe mit der Statue Dantes. Bemerkenswerte Gebäude sind: der umfangreiche herzogliche Palast (Corte reale), 1302 erbaut, im 16. Jahrh. von Giulio Romano im Innern ausgeschmückt, mit schönen Sälen, prächtigen Decken, Fresken etc.; das Castello di Corte, der älteste Teil des herzoglichen Palastes mit Türmen, die eigentliche Burg der Gonzaga, im Innern bemerkenswerte Bildnisse aus dem Leben Ludwig Gonzagas von Mantegna enthaltend; der vor dem südlichen Thor (Porta Pusterla) gelegene Palazzo del Te, nach dem Plan Giulio Romanos erbaut, mit berühmten Fresken dieses Meisters; die Kirche Sant' Andrea, eins der bedeutendsten Gebäude der Renaissance (1472 nach Albertis Entwürfen begonnen), mit gotischem Backsteinturm und dem Grabmal des Malers Andrea Mantegna; die fünfschiffige Kathedrale San Pietro, ein gotischer Bau, von Giulio Romano erneuert; die Kirche San Barnaba (mit dem Grab Giulio Romanos) und 16 andre Kirchen; die alte und neue Synagoge, der Barockpalast Colloredo (jetzt Gerichtsgebäude), das Wohnhaus des Giulio Romano, zwei Theater etc. M. zählt (1881) 28,048 Einw. (darunter