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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mantianus; Mantik

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Mantianus - Mantik.

5) Edwin Hans Karl, Freiherr von, preuß. Generalfeldmarschall, geb. 24. Febr. 1809 zu Dresden als Sohn des sächsischen Oberamtsregierungspräsidenten der Niederlausitz, spätern preußischen Oberlandesgerichtspräsidenten Hans Karl Erdmann v. M. (Bruders von M. 1 und 2, gest. 1844), wurde im elterlichen Haus mit seinen Vettern Otto und Karl v. M. (s. M. 3 und 4) erzogen, trat 1827 in das preußische Gardedragonerregiment ein, wurde 1828 Leutnant, besuchte 1834-36 die Kriegsschule, ward 1837 Regimentsadjutant, 1838 Adjutant des Gouverneurs von Berlin, Generals v. Müffling, 1839 des Prinzen Albrecht, 1842 Premierleutnant, 1843 Rittmeister und 1848 Flügeladjutant des Königs, der ihn zu vielen diplomatischen Sendungen verwendete, in denen M. seine Vertrautheit mit der hohen Politik und den Verhältnissen der Höfe und seine Geschicklichkeit bewährte. Im Oktober 1848 wurde er Major, 1853 Oberstleutnant und Kommandeur des 5. Ulanenregiments in Düsseldorf und 1854 Oberst. 1855 wurde er vom König, der ihn hoch schätzte, zur Vertretung des Generals v. Gerlach in den politischen Vorträgen, 1856 zu der des Generals v. Schöler im Militärkabinett und 1857 zum Chef desselben ernannt. In dieser einflußreichen Stellung erwarb er sich um die Reorganisation der Armee große Verdienste, indem er das Offizierkorps zu verjüngen strebte und frischen, fähigen Kräften die Bahn zu den hohen Stellen schon im Frieden eröffnete. Im Publikum überschätzte man seine politische Thätigkeit und schrieb ihm vielfach einen sehr nachteiligen reaktionären Einfluß zu, und so nannte ihn 1861 Twesten in seiner Broschüre "Was uns noch retten kann" einen unheilvollen Mann in unheilvoller Stellung. Diesen Angriff auf seine amtliche Wirksamkeit beantwortete M. mit einer Herausforderung zum Zweikampf, welcher Twesten eine Verwundung, M. einen kurzen Arrest in Magdeburg eintrug. Nach wie vor blieb M. indes der Leiter des Militärkabinetts, nachdem er 1858 zum Generalmajor, 1861 zum Generalleutnant und Generaladjutanten ernannt worden war. Auf seinen Wunsch schied er 29. Juni 1865 aus dem Militärkabinett und erhielt das Kommando über die preußischen Truppen in Schleswig-Holstein, 22. Aug. auch das Gouvernement von Schleswig. Seine Aufgabe war äußerst schwierig, denn er mußte in vielen Dingen den Neigungen der Bevölkerung entgegentreten und namentlich dem Prinzen Friedrich gegenüber eine schroffe Haltung beobachten. In seinen Handlungen bewährte zwar M. die echt preußische Straffheit und Strenge; in seinen Worten affektierte er aber, nach Popularität strebend, den Ton soldatischer Biederkeit, der ihm freilich wenig gelang. Die "sieben Fuß schleswigschen Bodens, die er mit seinem Leib decken wollte", und "das heidenmäßig viele Geld, das Preußen habe", waren seine ersten geflügelten Worte. Nach Ausbruch des Konflikts mit Österreich überschritt er 7. Juni 1866 die Eider, nötigte Gablenz zur Räumung Holsteins und begann damit den Krieg. Am 15. Juni rückte er mit seiner Division in Harburg ein, nahm am 18. Stade durch Überrumpelung und stieß dann zur Mainarmee unter dem Befehl des Generals Vogel v. Falckenstein. Doch blieb er mit dem Kabinett des Königs in unmittelbarer Verbindung, schloß auch 29. Juni zu Langensalza die Kapitulation mit den Hannoveranern ab und ward 19. Juli an Falckensteins Stelle zum Oberbefehlshaber der Mainarmee ernannt. Durch den Marsch auf Würzburg und die Gefechte von Tauberbischofsheim, Helmstädt ^[richtig: Helmstadt] u. Roßbrunn führte er den Mainfeldzug glücklich zu Ende. Hierauf wurde er im August 1866 nach Petersburg gesandt, um den Kaiser von Rußland von der Notwendigkeit der Neugestaltung Deutschlands zu überzeugen. Am 20. Sept. wurde er zum General der Kavallerie und Kommandeur des 9. Armeekorps ernannt. Da er sich aber dem Zivilgouverneur Scheel-Plessen nicht als gleichgestellt anerkennen wollte, wurde er im Januar 1867 beurlaubt und zog sich nach Merseburg zurück, wo er seit 1862 Domherr war. 1868 an Falckensteins Stelle zum Kommandeur des 1. Korps ernannt, führte er dasselbe im Krieg von 1870 in den Schlachten von Colombey-Nouilly (14. Aug.) und Noisseville mit Auszeichnung und erhielt 27. Okt. den Oberbefehl über die erste Armee, an deren Spitze er im November und Dezember 1870 unter den schwierigsten Verhältnissen gegen die französische Nordarmee kämpfte und die Schlachten bei Amiens (27. Nov.) und an der Hallue (23. Dez.) schlug. Am 9. Jan. 1871 wurde er abberufen und übernahm 12. Jan. das Kommando der Südarmee (2., 7. und 14. Korps) gegen Bourbaki. Sofort wagte er mit dem 7. und 2. Korps den kühnen Zug über die Côte d'Or in den Rücken des bei Belfort kämpfenden Feindes, drängte ihn an die Schweizer Grenze und zwang 1. Febr. 80,000 Mann zum Übertritt über dieselbe. Zur Belohnung erhielt M. 22. März das Großkreuz des Eisernen Kreuzes, 16. Juni den Schwarzen Adlerorden sowie eine Dotation, 20. Juni den Oberbefehl über die in Frankreich bleibende Okkupationsarmee. Auch diese Aufgabe führte er mit Klugheit, Energie und Geschick durch. Nach Beendigung derselben im September 1873 ward M. 19. Sept. zum Generalfeldmarschall ernannt und erhielt 1879 nach der Neuorganisation der Reichslande den wichtigen Posten eines kaiserlichen Statthalters derselben, den er 1. Okt. antrat. Die Versöhnung der widerwilligen höhern Kreise der elsaß-lothringischen Bevölkerung erstrebte er mit Ungeduld und machte dem Klerus und den Notabeln bedenkliche Zugeständnisse, welche die deutschen Beamten verletzten, ohne doch ihren Zweck zu erreichen. Im Gegenteil waren die Zustände im Reichsland ungünstiger als vorher und die Elsaß-Lothringer nur noch anspruchsvoller geworden, als M. 17. Juni 1885 in Karlsbad starb. M. ist eine der einflußreichsten Persönlichkeiten in der neuesten Geschichte Preußens und Deutschlands und ein durch entschlossenen Mut, Charakterfestigkeit, treue, unermüdliche Thätigkeit, klare Einsicht und Geschicklichkeit hervorragender und hochverdienter Feldherr und Diplomat, dem nur die Popularität versagt war, obwohl er sich sehr darum bemühte. Vgl. "Aus dem Leben des Generalfeldmarschalls Edwin, Freiherrn von M." (Berl. 1874).

Mantianus, s. Matianus Lacus.

Mantik (Mantie), bei den Griechen die Wahrsagekunst im allgemeinen; im heutigen Sprachgebrauch nur noch die durch künstliche Mittel angestrebte Entschleierung der Zukunft, im Gegensatz zu der durch inneres Schauen (Prophetie) und göttliche Eingebung bewirkten Weissagung. Zu jenen künstlichen Mitteln gehört sowohl das diesem Zwecke gewidmete Studium der Naturerscheinungen (s. Geomantie, Hippomantie, Hydromantie, Pyromantie, Astrologie etc.) als die Deutung der geworfenen Lose, Würfel, Karten und die Befragung der Toten (s. Los und Nekromantie) und Dämonen. Diese mehr der Zauberei sich nähernden, nicht eine freiwillige Offenbarung der höhern Wesen (Divination), sondern eine gewaltsame Aufdeckung des Schicksals anstrebenden Methoden gründen sich auf die Weltanschauung der alten Babylonier, nach wel-^[folgende Seite]