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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Manukaption - Manytsch.

Manufakturindustrie genannt, engl. manufactory) im Gegensatz zu Urproduktion und Handel. Früher unterschied man zwischen fabrica (Fabrik), nämlich der Werkstätte, in welcher mit Hilfe von Feuer, Hau- und Schneidewerkzeugen harte Stoffe (Metall, Steine etc.) verarbeitet wurden, und zwischen der Manufaktur als einer gewerblichen Anstalt, in welcher vornehmlich Rohstoffe des Tier- und Pflanzenreichs unmittelbar mit der Hand veredelt wurden (daher Tuch-, Seiden-, ebenso Spiegel-, Porzellanmanufaktur etc.), eine Unterscheidung, welche mit ausgedehnterer Anwendung der Maschine gefallen ist. Heute ist das Wort in der deutschen Sprache nur noch wenig und dann vorwiegend nur zur Bezeichnung der Textilindustrie in Gebrauch. Daher versteht man unter Manufakturwaren vorzüglich die Gewebe, unter Manufaktur ist (im Deutschen selten noch gebraucht) den Manufakturwarenhändler wie auch den Fabrikanten oder Leiter einer Manufaktur.

Manukaption (lat.), handschriftliche Bürgschaft; Manukaptor, Bürge durch Handschrift.

Manukauhafen (Onehungahafen), große Bucht an der Westküste der Nordinsel von Neuseeland, die aber wegen ihrer vielen seichten Stellen, zwischen denen sich tiefe Kanäle hinziehen, nur mit Vorsicht zu befahren ist. In die schmale Einfahrt führen drei Kanäle; nach Onehunga, dem ansehnlichsten Hafen, führt der Parakaukanal.

Manuléktor (lat.), Apparat zu spiritistischen Wahrsagungen, s. Spiritismus.

Manum de tabŭla (lat.), "die Hand vom Bild!" oder allgemeiner: Hand weg! Der Ausdruck soll nach dem ältern Plinius ("Naturalis historia", 35, 36) vom griechischen Maler Apelles herrühren.

Manumissio (lat.), bei den Römern die Freilassung eines Sklaven, daher in Nordamerika Vereine, welche auf Beseitigung der Sklaverei hinarbeiteten, Manumissionsvereine, -Gesellschaften genannt wurden.

Manu proprĭa (lat., abgekürzt m. p.), mit eigner Hand, eigenhändig.

Manus (lat., "Hand"), im alten Rom s. v. w. persönliche Gewalt, namentlich diejenige, welche der Hausvater über seine Familienglieder ausübte; im engern Sinn die Gewalt des Mannes über seine Frau.

Manus injectio (lat., "Handanlegung"), das älteste römische Exekutionsmittel gegen säumige Schuldner, welches darin bestand, daß 30 Tage nach erfolgter Verurteilung der Kläger den Beklagten vor den Prätor brachte. Bezahlte der Beklagte nicht sofort, oder fand er keinen, der die Sache für ihn übernahm (vindex), so wurde er von dem Prätor dem Kläger zugesprochen (addictus) und konnte von diesem nach 60 Tagen in fremde Sklaverei verkauft oder getötet werden.

Manuskript (lat.), Handschrift (s. d.); in den Buchdruckereien Bezeichnung aller für den Druck bestimmten Vorlagen, mögen dieselben geschrieben sein oder aus Drucken früherer Auflagen u. dgl. bestehen, in welchem Fall man sie auch als "gedrucktes M." bezeichnet. Der Ausdruck "als M. gedruckt" bedeutet, daß das betreffende Druckerzeugnis nur im Interesse des Verfassers hergestellt ist und nicht allgemein dem Publikum zugänglich wird, so bei Widmungsschriften, Theaterstücken etc., wobei die Bemerkung zugleich den Vorbehalt aller Eigentumsrechte ausdrückt. Bei dramatischen, musikalischen oder dramatisch-musikalischen Werken bedeutet der Zusatz "den Bühnen gegenüber als M. gedruckt" einen ausdrücklichen Vorbehalt des Rechts der öffentlichen Aufführung. Unbefugter Abdruck eines Manuskripts wird als Nachdruck bestraft (s. Urheberrecht).

Manus manum lavat, lat. Sprichwort: "eine Hand wäscht die andre".

Manus mortŭa (lat.), s. Tote Hand.

Manustupratio (Masturbatio, lat.), s. Onanie.

Manutenénz (Manutention, lat.), Beschützung, namentlich im Besitz.

Manutĭus (ital. Manuzio, Manuzzi und Manucci), Aldus, der ältere, geb. 1450 zu Bassano, studierte in Ferrara und in Rom (daher sein Beiname Romanus), wirkte dann als Erzieher in fürstlichen Häusern, erlernte in Verona unter Guarinis Leitung noch das Griechische und legte 1488 zur Hebung der humanistischen Studien in Venedig eine Druckerei an. Er selbst machte sich durch mehrere gelehrte Schriften über Gegenstände der hebräischen, griechischen und lateinischen Linguistik und Grammatik, die er in Latein verfaßte, einen Namen und unterhielt in seinem Haus eine gelehrte Gesellschaft, welche die Textrevision der alten Autoren besorgte, die bei ihm zum Drucke gelangten. In 28 sogen. Editiones principes erschienen bei ihm die ersten Drucke in griechischen Lettern (die ersten 1494). Die in den damaligen Offizinen noch gebräuchliche, aus den mittelalterlichen Handschriften stammende sogen. gotische oder Mönchsschrift ersetzte er durch die Antiqua- und die von ihm erfundene und auf seine Veranlassung geschnittene Kursivschrift. Seine unter dem Namen Aldinen geschätzten Ausgaben zählen zu den schönsten Produkten der Buchdruckerkunst. M. starb 6. Febr. 1515 an den Folgen eines auf ihn gemachten Attentats. Vgl. Schück, Aldus M. und seine Zeitgenossen (Berl. 1862); Didot, Alde Manuce et l'Hellénisme à Venise (Par. 1875).

2) Paulus, Sohn des vorigen, geb. 12. Juni 1512, leitete den Druck der Kirchenväter in Rom, übernahm 1533 in Venedig die inzwischen von Andrea d'Asola geleitete Druckerei seines Vaters, zeichnete sich als Gelehrter aus und starb 6. April 1574. Besonders geschätzt ist seine Ausgabe des Cicero.

3) Aldus, der jüngere, Sohn des vorigen, geb. 13. Febr. 1547, war im Lehrfach der alten Sprachen an mehreren Orten Italiens und als Schriftsteller schon in frühster Jugend thätig, übernahm dann die väterliche Offizin in Venedig, die aber unter ihm, der mehr Gelehrter als Buchdrucker war, in Verfall geriet und bald einging, nachdem während eines Zeitraums von 100 Jahren über 900 meist vorzügliche Ausgaben griechischer, römischer und italienischer Klassiker aus ihren Pressen hervorgegangen waren. Er starb 28. Okt. 1597 in Rom als Leiter der Typographia Vaticana. Vgl. Renouard, Annales de l'imprimerie des Aldes (3. Aufl., Par. 1834).

Manx, die Bewohner der Insel Man (s. d.) sowie die alte keltische Sprache derselben (s. Keltische Sprachen).

Manyema, afrikan. Volk, s. Manjuema.

Manytsch, eine Niederung, Thal und Flußbett in Südrußland, welches den größten Teil des Jahrs teilweise trocken liegt, teilweise aus einer langen Reihe von meist bittersalzigen Seen besteht und sich vom Don an, gegen 530 km weit, bis zum See Geke-Usun im Gouvernement Astrachan (84 km vom Kaspischen Meer) verfolgen läßt. Der höchste Punkt in dieser Niederung ist der bei Hochwasser 52 km lange und 2-3 km breite See Schara-Chulussun (Sargamyschtsch), welcher von S. den Kalaus und von N. den Ilan-Saucha und den Chara-Saucha aufnimmt. Im Frühling, wenn die Flüsse anschwellen, setzt sich