Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Marattiaceen; Maravēdi; Marbach; Marbeau; Marbella; Marblehead; Marbles; Marbod

218

Marattiaceen - Marbod.

Individualisierung zu Schöpfungen von dauerndem Wert. Er hat auch eine Anzahl guter Radierungen gefertigt. - Seine Tochter Faustina M. machte sich als Dichterin und Malerin bekannt; sie war mit dem Dichter Zappi vermählt.

Marattiaceen, Familie der Farne (s. d., S. 55).

Maravēdi, im frühen Mittelalter die Bezeichnung für das Gewicht, nach welchem die den Mauren abgenommene Beute (Morobotin) unter die Soldaten verteilt wurde. Als Münze wurde der M. durch die Mauren in Spanien eingeführt, durch das Münzgesetz von 1848 aber abgeschafft und durch den Real ersetzt. Die Maravedis waren zuerst Gold- und Silbermünzen, seit 1474 Kupfermünzen. Der Kupferreal (Real de vellon), im Wert von 21,5 Pf., hielt 34 Maravedis, wonach der M. 0,63 Pf. wert war.

Marbach, Oberamtsstadt im württemberg. Neckarkreis, am Neckar, der unterhalb der Stadt die Murr aufnimmt, und an der Linie Bietigheim-Backnang der Württembergischen Staatsbahn, in 200 m Meereshöhe, hat 2 evang. Kirchen (darunter die schöne, im frühgotischen Stil 1451-80 erbaute Alexanderkirche, nördlich von der Stadt, mit vielen Grabmälern), ein Amtsgericht, ein Schlachthaus, Zichorienfabrikation, Furniersägerei, Gerberei, Obst- und Weinbau und (1885) 2407 meist evang. Einwohner. M. ist der Geburtsort Schillers und des Astronomen Tobias Mayer. In dem Geburtshaus des erstern ist die Büste des Dichters von Thorwaldsen aufgestellt; eine nahe Anhöhe schmückt seit 1876 sein Standbild (von Rau in Stuttgart gefertigt). Die vielen hier und in der Umgegend aufgefundenen Römerdenkmäler lassen vermuten, daß M. von den Römern gegründet worden; schon 950 war es Festung. Hier wurde 14. Sept. 1405 zwischen einigen rheinischen Fürsten und 17 schwäbischen Städten ein Bündnis (Marbacher Bund) geschlossen. M. war seit den ältesten Zeiten württembergisch, wurde aber 1462 pfälzisches Lehen und kam erst 1504 wieder an Württemberg. 1693 wurde die Stadt von den Franzosen niedergebrannt. Das königliche Hauptgestüt M. liegt im Donaukreis, Oberamt Münsingen.

Marbach, 1) Gotthard Oswald, Dichter und Schriftsteller, geb. 13. April 1810 zu Jauer in Schlesien, studierte zu Breslau und Halle Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften, ward dann Lehrer am Gymnasium zu Liegnitz, 1833 Privatdozent zu Leipzig und 1845 Professor der Philosophie daselbst, neben welcher Stellung er 1852-85 dem Direktorium der von ihm mitbegründeten Lebensversicherungsgesellschaft "Teutonia" angehörte. Von vielseitiger Bildung, trat M. auch als Schriftsteller in den verschiedensten Richtungen auf. Von seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: "Populäres physikalisches Lexikon" (Leipz. 1833-37, 5 Bde.; 2. Aufl., das. 1858-60, 6 Bde.); "Über moderne Litteratur", Briefe (das. 1836-38, 3 Bde.); "Lehrbuch der Geschichte der Philosophie" (das. 1838-41, 2 Bde.); ferner "Gedichte" (unter dem Namen Silesius Minor, das. 1836, 2. Aufl. 1838); "Buch der Liebe", Gedichte (das. 1839); "Die Dioskuren" Novelle (das. 1840); "Unsterblichkeit", Sonettenkranz (das. 1843); "Liebesgeschichten" (das. 1846); die Trauerspiele: "Antigone" (1839), "Papst und König" (1843), "Hippolyt" (1858), "Medeia" (1858), "Brutus und Cassius" (1860), "Ein Weltuntergang" (Trilogie, 1861) und "Coriolanus"; ferner das Lustspiel "Herodes" (1867); das Satyrspiel "Proteus" (1868); "Johannes", ethische und religiöse Gedichte (Leipz. 1856); die Zeitgedichte: "Das Halljahr Deutschlands" (Berl. 1870) und "Deutschlands Wiedergeburt" (das. 1871); "Shakespeare-Prometheus. Phantastisch-satirisches Zauberspiel vor dem Höllenrachen" (Leipz. 1874); die Gedichtsammlungen: "Lenz und Liebe" (das. 1877) und "Licht und Leben" (das. 1883). M. redigierte auch die Vierteljahrsschrift "Jahreszeiten" (Leipz. 1839-40, 5 Bde.), von 1848 bis Oktober 1852 die "Leipziger Zeitung" und gab die "Altdeutschen Volksbücher" (das. 1838-47, 44 Bdchn.) sowie Übertragungen des "Nibelungenlieds" (das. 1840, 4. Aufl. 1872), des Sophokles in fünffüßigen Iamben (das. 1867) und der "Oresteia" des Äschylos (das. 1873), endlich einige Trauerspiele Shakespeares ("Julius Cäsar", "Othello", "Romeo und Julia" u. a.) in zum Teil kühner Umarbeitung und "Goethes Faust 1. und 2. Teil erklärt" (Stuttg. 1881) heraus.

2) Hans, Schriftsteller und Dichter, Sohn des vorigen, geb. 21. Jan. 1841 zu Leipzig, studierte in Berlin und Tübingen Philosophie und Geschichte und ließ sich nach zeitweiligem Aufenthalt in Dresden, Genf, Paris, Berlin 1872 dauernd in seiner Vaterstadt nieder, wo er 1880 die Redaktion der "Wissenschaftlichen Beilage" zur offiziellen "Leipziger Zeitung" übernahm. Außer einer Sammlung formschöner und meist origineller "Gedichte" (Berl. 1869) und den Novellen "Auf Irrwegen" (Leipz. 1880) bethätigte M. ein wirklich gestaltendes und entwickelungsfähiges, aber, wie es scheint, nicht ausgiebig produktives Talent in den Dramen: "Timoleon" (Berl. 1869), "Lorenzino von Medici" (Leipz. 1873), "Marius in Minturnä" (das. 1875) und "Ein Liebling der Götter" (das. 1877).

Marbeau (spr. -boh), Firmin, franz. Philanthrop, geb. 1798 zu Brives (Corrèze), lebte als Sachwalter in Paris und starb 10. Okt. 1875 in St.-Cloud. Er ist der Begründer der unter dem Namen "Krippen" (crèches) bekannten Kleinkinderbewahranstalten (s. d.), deren erste er 1844 eröffnete. Für seine darauf bezügliche Schrift "Des crèches" (1845, 7. Aufl. 1873) erhielt er den Montyonschen Preis der Akademie. Außerdem schrieb er: "Politique des intérêts" (1834); "Études sur l'économie sociale" (2. Aufl. 1873); "Du paupérisme en France" (1847) u. a.

Marbella, Bezirksstadt in der span. Provinz Malaga, am Fuß der Sierra de Mijas und am Mittelländischen Meer, Sitz eines Bischofs und eines deutschen Konsuls, mit Hafen, Fort, (1878) 7947 Einw., welche Weinbau und Handel (Ausfuhr von Feigen, Zucker, Eisenerz und Roheisen aus den in der Nähe befindlichen Eisenbergwerken und Hütten) betreiben.

Marblehead (spr. márbl-hedd), Gemeinde im nordamerikan. Staat Massachusetts, dicht bei Salem auf felsigem Vorgebirge, hat einen vorzüglichen Hafen, Schuhfabrikation, Fischerei und (1880) 7467 Einw.

Marbles (engl., spr. marbls), Bildwerke aus Marmor.

Marbod (richtiger Maroboduus), König der Markomannen (s. d.), aus edlem Geschlecht, hatte als Jüngling in Rom sich mit dem Kriegswesen und der Staatskunst der Römer vertraut gemacht und durch seine edle Gestalt und seinen Mut die Gunst des Augustus gewonnen. In sein Vaterland zurückgekehrt, führte er sein Volk aus dessen bisherigen Wohnsitzen zwischen Main und Neckar in das heutige Böhmen. Da er ein großes stehendes Heer bildete und sich mit den benachbarten Völkern verbündete, wurden die Römer mißtrauisch gegen ihn, und 6 n. Chr. unternahm Tiberius von der Donau aus den Feldzug gegen ihn. Ein Aufstand der Völker Pannoniens und Dalmatiens zwang aber Tiberius, mit M. einen diesem vorteilhaften Frieden zu schließen. Nach der