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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mariano - Mariazell.

Mariāno, Dorf in der österreich. Grafschaft Görz, Bezirkshauptmannschaft Gradisca, mit einer Fachschule für Holzindustrie und (1880) 1074 Einw., welche starke Hausindustrie (Sesselfabrikation) betreiben.

Mariāno, Raffaele, ital. Philosoph und Schriftsteller, geb. 5. Sept. 1840 zu Capua, studierte zuerst die Rechte in Neapel, warf sich aber dann auf die Philosophie und bildete sich ebendort in der Schule Veras zu einem der eifrigsten Anhänger des Hegelschen Systems in Italien aus. Als Ergebnisse dieser Studien veröffentlichte er: "Lassalle ed il suo Eraclito, saggio di filosofia Egheliana" (1865); "Il risorgimento italiano secondo i principii della filosofia della storia" (1866); "La philosophie contemporaine en Italie, essai de philosophie Éghélienne" (Par. 1868). Andre Schriften sind: "Il problema religioso in Italia" (1872); "Strauß e Vera, saggio critico" (1874); "La libertà di coscienza" (1875); "L'individuo e lo Stato nel rapporto economico sociale" (1876); "Il nuovo parlamento" (1877); "Cristianesimo, cattolicismo e civiltà" (1879; deutsch, Leipz. 1881); "Giordano Bruno. La vita e l'uomo" (Rom 1882) u. a. Deutsch schrieb er "Das jetzige Papsttum und der Sozialismus" (Berl. 1882); auch übersetzte er Jherings "Kampf ums Recht" (1875) und einiges von Gregorovius: "Lucrezia Borgia", die "Wanderungen in Apulien" u. a. M. lebt in Rom.

Maria-Saal, Dorf in Kärnten, Bezirkshauptmannschaft Klagenfurt, an der Bahnlinie Glandorf-Klagenfurt, berühmter Wallfahrtsort mit schöner Kirche aus dem 15. Jahrh. und (1880) 465 Einw. In der Nähe der aus behauenen Steinen bestehende Herzogstuhl, auf welchem die Herzöge von Kärnten die Lehen erteilten, und das Zollfeld, ein klassischer Boden, wo ehemals das römische Flavium solvense, das keltische Virunum und später Carenta standen. Die ganze Umgegend ist reich an römischen Altertümern.

Mariaschein, Dorf in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Aussig, an der Aussig-Teplitzer Bahn, hat eine schöne Pfarrkirche mit Marienbild, zu dem stark gewallfahrtet wird, ein Jesuitenkollegium mit Privatgymnasium, eine eisenhaltige Mineralquelle und (1880) 2446 Einw. In der Umgebung Siderolithwarenfabriken, Wirkwaren- und Zementfabrikation, Bierbrauerei und starker Braunkohlenbergbau.

Maria Stuart, s. Maria 16).

Maria-Taferl, berühmter Wallfahrtsort in der niederösterreich. Bezirkshauptmannschaft Amstetten, auf einem 443 m hohen Berg (mit prachtvoller Aussicht) oberhalb Marbach an der Donau gelegen, hat eine 1661 erbaute Wallfahrtskirche (jährlich etwa 100,000 Wallfahrer) und (1880) 185 Einw.

Maria Theresia, s. Maria 1), S. 234.

Maria-Theresia-Orden, österreich. Militärorden für hervorragende Verdienste im Krieg, "besondere herzhafte That", wurde 18. Juni 1757, dem Tag der Schlacht bei Kolin, gestiftet und hatte zuerst nur Großkreuze und Ritter, denen 15. Okt. 1765 Joseph II. noch Kommandeure und Ritter zweiter Klasse hinzufügte. Das Ordenszeichen ist ein achteckiges Kreuz, dessen vorderer runder Mittelschild das österreichische Wappen darstellt mit der Umschrift: "Fortitudini"; die Rückseite trägt die Buchstaben M. T. F. (Maria Theresia Franciscus), umgeben von einem Lorbeerkranz. Das Band ist rot-weiß-rot gestreift. Bei der Verteilung dieses Ordens soll weder auf Rang, noch Religion, noch Abkunft, sondern allein auf militärisches Verdienst gesehen werden. Das Ordenskapitel prüft die Thaten des Kandidaten. Die Erteilung geschieht sehr sparsam. Ordensmeister ist der jedesmalige Chef des österreichischen Kaiserhauses. Von den Inländern erhalten die 20 ältesten Großkreuze je 1500 Gulden, die Kommandeure je 600 Guld., von den Rittern die 100 ältesten je 600 Guld., die 100 zweitältesten je 400 Guld. jährliche Pension. Die Witwen erhalten lebenslänglich die Hälfte. Das Ordensfest ist 15. Okt. Alle Ritter sind hoffähig und können das Diplom als österreichischer Baron beanspruchen. S. Tafel "Orden", Fig. 22. Vgl. Hirtenfeld, Der Militär-M. (Wien 1857).

Mariatheresienthaler (Levantiner Thaler), von Österreich geprägte, für den Handel in Afrika bestimmte Speziesthaler des Konventionsfußes, = 2 Konventionsgulden = 4,2 Mk. Dieselben tragen das Bildnis der Kaiserin Maria Theresia und die Jahreszahl 1780, werden aber auch jetzt noch, jedoch nur auf Bestellung (1868-85: 21,434,056 Stück), geprägt und an österreichischen Staatskassen nicht angenommen. Dieser Thaler ist in ganz Nordostafrika, einem Teil Innerafrikas und in großen Strecken des Sudân verbreitet. Er folgt den von Tripolis nach dem Süden führenden Karawanenstraßen, gilt in Kano 2500 Kauris und ist in Bornu (Vogelthaler, Buter) und Abessinien die einzige gangbare Münze. Im Nilgebiet reicht er bis zu den südlich von Chartum wohnenden Hassanie-Arabern. In Keffi abd es Senga, im Herzen Afrikas, trifft er mit dem englischen Schilling zusammen. Auch von Sansibar aus dringt er in das Innere, herrscht auf den nahen Inseln, geht im ganzen über etwa 180,000 QM. und gilt vielleicht 70 Mill. Afrikanern als Münze.

Maria-Theresiopel (ungar. Szabadka), königliche Freistadt im ungar. Komitat Bács-Bodrog, in reicher Getreidegegend zwischen Donau und Theiß, Knotenpunkt der Bahnlinien Großwardein-Essek, Budapest-Semlin und M.-Baja, mit mehreren Kirchen (darunter die Hauptkirche St. Theresia und eine schöne griechische Kirche), großer Kaserne, katholischem Obergymnasium, Lehrerinnen-Präparandie, städtischer Industrie-, Handels- und Musikschule, hat (1881) 61,367 Einw. (viele Serben), ausgedehnten Acker-, Wein-, Obst- und Tabaksbau, bedeutende Viehzucht auf den zur Stadt gehörigen Pußten (1980 qkm), Handel mit Vieh, Häuten, Wolle etc. und ist Sitz eines Gerichtshofs. In der Nähe (7 km) das Bad Palics (s. d.).

Maria-Viktoria-Orden, span. Verdienstorden, von König Amadeus 1871 zur Belohnung ausgezeichneter Verdienste um Wissenschaft, Kunst und Industrie in drei Klassen gestiftet. Die Dekoration des Großkreuzes ist ein roter, von azurblauem Ring umgebener Schild mit der Inschrift: "Ciencias, Letras, Artes, Industria"; darauf liegt das savoyische Kreuz mit den Wappen Kastiliens, Leons, Navarras und Kataloniens in den Flügeln. Von dem Schild gehen goldene Strahlen aus. Die beiden Klassen tragen ein Kreuz mit dreieckigen Flügeln und Goldstrahlen zwischen denselben, auf den roten, weiß besäumten Flügeln die Wappen, im violetten Mittelavers die Chiffer der Königin "M. V." mit Krone, im goldenen Revers: "Premio al merito". Der Orden wird seit Aufhören der Dynastie (1873) nicht mehr verliehen.

Mariazell, Marktflecken in Steiermark, Bezirkshauptmannschaft Bruck a. d. Mur, der berühmteste Wallfahrtsort der österreichischen Monarchie, an der Salza, 850 m ü. M., sehr malerisch gelegen, Sitz eines Bezirksgerichts, mit (1880) 1065 Einw., deren Haupterwerbszweig die Beherbergung der Fremden bildet; welche jährlich zu vielen Tausenden teils um des