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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Markal - Marketender.

scheren, bis er Egmonds und Hoorns Tod gerächt. Nach dem unglücklichen Ausgang der ersten Unternehmung des Prinzen begab er sich nach England und stellte sich mit dem Titel Admiral an die Spitze der Wassergeusen, mit deren Flotte er 1. April 1572 Briel eroberte. Er wurde nun vom Prinzen zum Gouverneur von Holland ernannt, eroberte Schoonhoven, gewann Rotterdam, Delft und andre Städte, belagerte aber Amsterdam vergeblich und schändete seine tapfern Thaten durch rohe Grausamkeit. Er ward daher 1573 als Gouverneur abgesetzt und nach Gouda ins Gefängnis gebracht, aber 1574 wieder freigelassen. Er setzte darauf von Lüttich aus den Kampf gegen die Spanier auf eigne Faust fort und starb an Gift 1. Mai 1578.

2) Robert II. von der M., Marschall von Bouillon, Fürst von Sedan, Sohn Roberts I. (gest. 1489), Neffe des vorigen, trat unter Ludwig XII. in die französische Armee und machte 1513 die Schlacht von Novara mit. Nachher trat er zu Karl V. über, söhnte sich aber später wieder mit Frankreich aus und fiel 1524 in Luxemburg ein, wurde jedoch nach der Schlacht bei Pavia von den Kaiserlichen vertrieben und erhielt erst 1526 seine Lande wieder. Er starb 1535. Sein Bruder Eberhard, von Karl V. zum Erzbischof von Valencia ernannt, hieß der Kardinal von Bouillon. Sein Sohn Robert III., geboren um 1490 zu Sedan, nahm 1513 an der Schlacht bei Novara teil, in der ihm sein Vater das Leben rettete, ward bei Pavia 1525 gefangen genommen, dann Marschall von Frankreich und starb 1537. Er schrieb wertvolle Memoiren über die Zeit von 1419 bis 1521, die 1753 veröffentlicht wurden.

Markal, Getreidemaß in Ponditscherri, à 2 Packas zu 2 Maß, = 35,895 Lit.

Markánt (franz.), sich hervorhebend.

Markantōn, Kupferstecher, s. Raimondi 1).

Markantōn, Triumvir, s. Antonius 3).

Markasīt (Binarkies, Blätterkies, Kammkies, Leberkies, Speerkies, Strahlkies, Wasserkies, Graueisenkies), Mineral aus der Ordnung der einfachen Sulfuride, kristallisiert rhombisch in tafelartigen, schmal säulenförmigen oder pyramidalen Kristallen, findet sich in kugeligen, traubigen, stalaktitischen Gruppen, in radialstängeligen, faserigen oder dichten Aggregaten, oft derb und eingesprengt oder als Vererzungsmittel in organischen Formen. Er ist grau, speißgelb bis fast grünlichgrau, oft angelaufen, metallisch glänzend, Härte 6-6,5, spez. Gew. 4,65-4,88, besteht, wie der Schwefelkies, aus Schwefeleisen FeS2 ^[FeS_{2}] mit 46,7 Proz. Eisen und 53,3 Proz. Schwefel, verwittert leicht unter Bildung von Eisenvitriol und etwas freier Schwefelsäure und findet sich auf Erzlagerstätten und in Braunkohlen am Harz, bei Freiberg, Schemnitz, auf Wollin, in Derbyshire. Man benutzt ihn in der Schwefelsäurefabrikation und zur Darstellung von Eisenvitriol. Der hierher gehörige Kausimkies (Lonchidit) ist zinnweiß, zuweilen bunt angelaufen und enthält 4 Proz. Arsen.

Mark Aurēl, s. Antoninus 2).

Markbinse, s. Juncus.

Markbrief, s. v. w. Kaperbrief, s. Kaperei.

Markdorf, Stadt und Luftkurort im bad. Kreis Konstanz, am Bodensee, hat eine gotische Kirche, ein ehemaliges Frauenkloster mit schöner Kirche (jetzt Spital), ein Schloß, eine Heilanstalt, eine Bezirksforstei, eine Aussichtswarte auf dem nahen Gehrenberg mit großartiger Fernsicht über den Bodensee und nach den Alpen, Weinbau, besuchte Viehmärkte und (1885) 1794 meist kath. Einwohner.

Marke, Zeichen, Erkennungszeichen, Alterserkennungszeichen bei Pferden (s. Kern); Fabrikzeichen (s. d.); Rechenpfennig.

Marken (ital. Marche, spr. marke), Landschaft im Königreich Italien, grenzt im N. an die Landschaft Emilia, im O. an das Adriatische Meer, im S. an die Abruzzen, im W. an Umbrien und Toscana und umfaßt die vier Provinzen Ancona, Ascoli Piceno, Macerata und Pesaro e Urbino, sonach im allgemeinen das Gebiet der mittelalterlichen Marken Ancona und Fermo. Die Landschaft hat einen Flächenraum von 9704 qkm (nach Strelbitsky 9836 qkm = 178,7 QM.) und eine Bevölkerung von (1881) 939,279 Seelen. (Näheres s. unter den einzelnen Provinzen.)

Markenkonsumvereine, s. Genossenschaften.

Markenschutz, s. Fabrik- und Handelszeichen.

Markensystem, s. Gefängniswesen, S. 1000.

Markēsas (Mendañainseln), franz. Inselgruppe im Stillen Ozean, nördlich von den Tuamotu- oder Niedrigen Inseln, zwischen 8-11° südl. Br. und 138-141° westl. L., bestehend aus zwölf Inseln: Nukahiwa (s. d.), Hiva-Oa (Dominica), Futahiva, Taouata, Uapou, Uauka (Washington) u. a., zusammen 1274 qkm (23 QM.) mit (1885) 5216 Einw., darunter 97 Franzosen, wovon 25 Soldaten, und 179 Fremde. Die Inseln haben keine Korallenriffe, sind vulkanisch, mit schmalen, schluchtenartigen Thälern, die allein bewohnt sind; mehrere haben gute Ankerplätze. Die Eingebornen zeichnen sich körperlich vor fast allen Polynesiern aus, sind aber wild, grausam und ausgesprochene Kannibalen. Sie zerfallen in eine große Zahl von Stämmen unter selbständigen Häuptlingen und stehen seit 1842 unter französischer Herrschaft. Ein französischer Resident wohnt in Taiohae ^[Taiohaë?]. Als Arbeiter eingeführte Chinesen treiben jetzt selbständig etwas Baumwollbau. Auf die Kultur der Eingebornen haben weder die Ansiedler noch die Missionäre irgend einen nennenswerten Einfluß ausgeübt. - Die Gruppe wurde 1595 von Alvaro Mendaña entdeckt und von ihm Marquesas de Mendoza genannt; 1797 fand der Amerikaner Ingraham die nördlich gelegenen, welchen er den Namen Washingtoninseln gab. Aber weder dieser Name noch der von Krusenstern für die ganze Gruppe vorgeschlagene "Mendaña-Archipel" ist jetzt noch im Gebrauch. S. Tafel "Ozeanische Völker", Fig. 25.

Marketénder (v. ital. mercatánte, Kaufmann), Personen, welche den Truppen bei den Übungen und ins Feld folgen, um namentlich die Herbeischaffung solcher Gegenstände zu übernehmen, welche die Militärverwaltung nicht liefert, und die auf Märschen und in den Biwaks sonst nicht zu bekommen sind. Bei den Römern gehörten die M. zu den Impedimenta oder der Bagage. Bei den deutschen Landsknechten bildeten sie einen wesentlichen Teil des Trosses, fungierten unter verschiedenen Namen und standen unter Aufsicht des Rumormeisters. In neuerer Zeit hat man fast in allen Armeen (zuerst in Frankreich während der Revolution 1792) die Zahl der M. soviel wie möglich verringert. Im deutschen Heer sollen die M. und ihre Gehilfen nach dem Reglement über das Marketenderwesen vom 7. Mai 1875 Leute des Beurlaubtenstandes (Landwehr) derselben Waffe sein wie die Truppe, der sie folgen, durch ihre Friedensthätigkeit die Garantie guter Geschäftsführung geben und deshalb für diese Stellung schon im Frieden erwählt sein. Im Feld erhalten sie Sold, Verpflegung und Rationen und sind den Militärstrafgesetzen und der Disziplinargewalt der Truppenbefehlshaber unterstellt; sie dürfen ihre Frauen als Gehilfen einstellen.