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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Martin

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Martin.

selben Jahr folgte er einem Ruf nach Heidelberg als Professor und Vorsitzender des Spruchkollegiums, 1815 ging er als ordentlicher Professor und Oberappellationsgerichtsrat nach Jena. Später zum Geheimen Justizrat ernannt, nahm er 1842 seine Entlassung und lebte hierauf erst zu Mügeln in Sachsen, von dessen Landständen er zum Mitglied des Staatsgerichtshofs für 1846-48 erwählt wurde, sodann zu Gotha, wo er 13. Aug. 1857 starb. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Lehrbuch des deutschen gemeinen bürgerlichen Prozesses" (Götting. 1800; 13. Aufl. von seinem Sohn, dem Justizamtmann Theodor M., Leipz. 1862); "Rechtsgutachten und Entscheidungen des Heidelberger Spruchkollegiums" (Heidelb. 1808); "Anleitung zu dem Referieren über Rechtssachen" (Götting. 1809, 3. Aufl. 1829); "Lehrbuch des deutschen gemeinen Kriminalprozesses" (5. Aufl. von Temme, Leipz. 1857); "Lehrbuch des deutschen gemeinen Kriminalrechts" (2. Aufl., Heidelb. 1829). Unter Mitwirkung seines Sohns veröffentlichte er seine "Vorlesungen über die Theorie des deutschen gemeinen bürgerlichen Prozesses" (Leipz. 1855-57, 2 Bde.).

3) Eduard, Mediziner, Sohn des vorigen, geb. 22. April 1809 zu Heidelberg, studierte in Jena, Heidelberg, Göttingen und Berlin, habilitierte sich 1835 in Jena als Privatdozent für Gynäkologie und ward 1837 außerordentlicher, 1846 ordentlicher Professor der Geburtshilfe und der Frauenkrankheiten und Direktor der Entbindungsanstalt daselbst. 1858 ging er in gleicher Eigenschaft nach Berlin und ward hier auch Mitglied der wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen und dirigierender Arzt in der Charitee. Er starb 5. Dez. 1875 in Berlin. Auf dem Gebiet der physiologischen und pathologischen Lagen- und Gestaltverhältnisse des Uterus, der Beckenlehre, des Geburtsverlaufs, der künstlichen Frühgeburt, der Erkrankungen im Wochenbett, der Transfusion etc. waren seine Arbeiten grundlegend. Er war einer der ersten Operateure bei Krankheiten des Eierstocks. Er schrieb: "Lehrbuch der Geburtshilfe für Hebammen" (Erlang. 1854; 4. Aufl., Stuttg. 1880); "Handatlas der Gynäkologie und Geburtshilfe" (Berl. 1862; 2. Aufl., hrsg. von August Martin, 1878); "Die Neigungen und Beugungen der Gebärmutter" (das. 1866, 2. Aufl. 1870).

4) Bon Louis Henri, franz. Geschichtschreiber, geb. 20. Febr. 1810 zu St.-Quentin, widmete sich zuerst dem Rechtsstudium, wandte sich aber 1830 der Litteratur zu und schrieb eine Reihe historischer Romane aus der Zeit der Fronde. 1833 begann er in Gemeinschaft mit Lacroix eine "Histoire de France par les principaux historiens" (Tours 1833 ff.) und sodann sein Hauptwerk, die "Histoire de France", die zuerst in 15 Bänden erschien und erst vom 10. Band ab unter dem Namen des Verfassers (Par. 1833-36). Nachdem sie rasch einen zweiten Abdruck erlebt, begann M. eine völlige Umarbeitung und Erweiterung in der 3. Auflage, welche 1837-54 in 19 Bänden erschien, und von der Band 10 und 11 (die Religionskriege) 1844, Band 14-16 (Zeitalter Ludwigs XIV.) 1856 den Preis Gobert erhielten. Für die 4. Auflage (1855-60, 17 Bde.), der eine populäre illustrierte Ausgabe: "Histoire de France populaire" (1867-85, 7 Bde.), folgte, erteilte das Institut 1869 M. den großen Preis von 20,000 Frank. Das Werk reicht bis zur Revolution; eine Fortsetzung dazu bildet die "Histoire de France moderne, depuis 1789 jusqu'à nos jours" (2. Aufl. 1878-85, 5 Bde.), ein Sonderabdruck aus letzterm Werk ist die "Histoire de la Révolution française de 1789 à 1799" (1882, 2 Bde). 1848 lehrte M. die Geschichte an der Sorbonne; die Reaktion entfernte jedoch den republikanisch gesinnten Geschichtschreiber vom Lehrstuhl, und in die Öffentlichkeit trat dieser erst 1870 wieder als Maire des 16. Arrondissements in Paris während der Belagerung und 1871 durch seine Wahl in die Nationalversammlung. 1876 wurde er im Departement Aisne zum Senator erwählt. Auch gehörte er seit 1871 der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften, seit 1878 dem Institut an. Ein eifriger Republikaner und fanatischer Chauvinist, starb er 14. Dez. 1883 in Paris. Von sonstigen Schriften sind außer zahlreichen Aufsätzen in Zeitschriften zu erwähnen: "Histoire de la ville de Soissons" (in Gemeinschaft mit Lacroix, Par. 1837, 2 Bde.); "De la France, de son génie et de ses destinées" (das. 1843); "Daniel Manin" (das. 1859, 2. Aufl. 1861); "Jean Reynaud" (das. 1863); "Pologne et Moscovie" (1863); "Vercingétorix" (ein Drama, 1865); "La Russie et l'Europe" (1866); "Études d'archéologie celtique" (1871); "Jeanne d'Arc" (1872); "Les Napoléons et les frontières de France" (1874) u. a. Vgl. Hanotaux, Henri M. (Par. 1885); Mulot, H. M., souvenirs intimes (das. 1885).

5) Konrad, Bischof von Paderborn, geb. 18. Mai 1812 zu Geismar im Eichsfeld, studierte in Halle orientalische Sprachen, in München und Würzburg katholische Theologie und ward 27. Febr. 1836 in Köln zum Priester geweiht. Er ward darauf Rektor des Progymnasiums in Wipperfürth, dann Religionslehrer am katholischen Gymnasium in Köln und 1844 Professor der Theologie und Inspektor des Konvikts in Bonn. 1856 zum Bischof von Paderborn erwählt, entwickelte er eine unermüdliche Thätigkeit, um den kirchlichen Geist namentlich in der Diaspora in Sachsen und Thüringen, die seiner Diözese zugeteilt waren, zu heben; er errichtete in Paderborn ein Konvikt, in Heiligenstadt ein Knabenseminar und bewirkte die Stiftung zahlreicher neuer Pfarreien und den Bau vieler katholischer Kirchen in protestantischen Orten. In seinen Schriften: "Ein bischöfliches Wort an die Protestanten Deutschlands" (1864) und "Zweites Wort etc." (1866) behandelte er die Protestanten seiner Diözese als seine Untergebenen, und die Bekehrung von Protestanten zum Katholizismus sowie die katholische Taufe aller Kinder gemischter Ehen wurde von ihm nicht ohne Erfolg betrieben; ja, er knüpfte auch mit orthodoxen lutherischen Pastoren Verhandlungen über ihre "Rückkehr" zur katholischen Kirche an. Die Ansiedelung von Jesuiten wurde von ihm besonders begünstigt. 1869 wurde er nach Rom berufen, um an den Vorarbeiten für das vatikanische Konzil teilzunehmen. Auf demselben war er Mitglied der dogmatischen Kongregation und eifriger Vorkämpfer für die Infallibilität, welche er auch schriftstellerisch verteidigte ("Die Arbeiten des vatikanischen Konzils", 3. Aufl., Paderborn 1873; "Vaticani concilii documentorum collectio"). Als in Preußen der Kulturkampf ausbrach, den M. mit der Diokletianischen Verfolgung verglich, gehörte er natürlich zu den schärfsten Gegnern der Regierung und bot derselben durch Ungehorsam und dreiste Verletzung der Gesetze Trotz. Wiederholt zu hohen Geldstrafen, endlich 1874 zu Festungshaft verurteilt und im Januar 1875 abgesetzt, ward er in Wesel interniert, von wo er jedoch im Sommer 1875 nach Belgien entfloh. Hier starb er 16. Juli 1879 und ward in Paderborn beigesetzt. Er schrieb ferner: "Lehrbuch der katholi-^[folgende Seite]