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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Martin von Tours; Martin von Troppau

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Martin von Tours - Martin von Troppau.

schen Religion für höhere Lehranstalten" (15. Aufl., Mainz 1873, 2 Bde.); "Lehrbuch der katholischen Moral" (5. Aufl., das. 1865), dessen erste Auflage teilweise aus Kollegienheften des Professors Dieckhoff abgeschrieben war; "Die Wissenschaft von den göttlichen Dingen" (5. Aufl., das. 1866); "Die christliche und die Zivilehe" (das. 1874); "Drei Gewissensfragen über die Maigesetze" (das. 1874), dessen erste Auflage wegen einer der Kurie anstößigen Stelle auf den Index gesetzt wurde; "Katechismus des römisch-katholischen Kirchenrechts" (Münst. 1875); "Drei Jahre aus meinem Leben" (Mainz 1877, 3. Aufl. 1878); "Unsre gegenwärtige Pflicht" (Münst. 1877); "Blicke ins Jenseits" (das. 1878) u. a. Seine "Kanzelvorträge" erschienen gesammelt in 6 Bänden (Paderb. 1882-86). Vgl. die Biographien von A. Schreiber (Würzb. 1879) und Rebbert (Paderb. 1879).

6) Nicolas, franz. Dichter und Übersetzer, geb. 7. Juli 1814 zu Bonn, ein Neffe Karl Simrocks, wurde in Belgien erzogen, fungierte eine Zeitlang als Zollbeamter zu Dünkirchen und ging 1838 nach Paris, wo er Chef des Zentralzollbüreaus wurde. Im Auftrag des Unterrichtsministers Salvandy unternahm er 1850 eine wissenschaftliche Reise nach Deutschland zur Erforschung der deutschen Sagenkreise, deren Ergebnisse er in dem Werk "France et Allemagne" (1852) veröffentlichte. Zu seinen poetischen Werken gehören: "Les harmonies de la famille" (Lille 1837); "Louise" (1842); "Les cordes graves" (Lille 1845); "Une gerbe" (1849); "Le presbytère", epische Dichtung (1856); "Marisca" (1861); "Gazette en vers, Julien l'Apostat, poésies nouvelles" (1863), welche (4. Aufl. 1867) gesammelt erschienen. Außerdem schrieb M. das kritisch-biographische Werk "Poètes contemporains de l'Allemagne" (1846-60, 2 Serien) und gab eine Übertragung der Grimmschen Hausmärchen (1846) sowie "Contes allemands" (nach Hebel und Simrock, 1866) heraus. Er starb im August 1877 in Auteuil.

7) Sir Theodore, engl. Schriftsteller, geb. 1816 zu Edinburg, siedelte 1846 nach London über, wo er als schottischer Anwalt eine ausgedehnte Praxis hat. Er machte sich zuerst unter dem Namen Bon Gaultier durch Beiträge zu Zeitschriften bekannt, gab dann mit Aytoun (s. d.) das "Book of ballads" (14. Aufl. 1884) und einen Band Übersetzungen von Goethes Liedern und Balladen (1858) heraus. Ebenso übersetzte er aus dem Dänischen das Drama "König Renés Tochter" von H. Hertz sowie Öhlenschlägers "Correggio" (1854) und "Aladdin" (1857). Später folgten metrische Übersetzungen der Oden des Horaz (1860), des Catull (1861), der "Vita nuova" von Dante (1861), von Heines Gedichten (1878), von Goethes "Faust" (1. Teil 1862, 2. Teil 1886). Ein Band "Poems, original and translated" erschien 1863. Sein Hauptwerk ist das im Auftrag der Königin Viktoria verfaßte "Life of his royal highness the Prince Consort" (1874-80, 5 Bde.; deutsch, Gotha 1876-81). Auch gab er die "Memoirs of W. E. Aytoun" (1867) u. "Life of Lord Lyndhurst" (1883) heraus.

8) Ernst, Germanist und Romanist, Sohn von M. 3), geb. 5. Mai 1841 zu Jena, war 1863 Gymnasiallehrer in Berlin, habilitierte sich 1866 als Privatdozent in Heidelberg, wurde 1868 außerordentlicher Professor an der Universität Freiburg i. Br., 1872 zum ordentlichen Professor ernannt, 1874 nach Prag, 1877 nach Straßburg berufen. Er veröffentlichte: "Mittelhochdeutsche Grammatik" (Berl. 1865, 10. Aufl. 1882); "Alpharts Tod, Dietrichs Flucht, Rabenschlacht" (das. 1866); "Examen critique des manuscrits du roman de Renard" (Basel 1872); "Kudrun, herausgegeben und erklärt" (Halle 1872); "Reinaert" (Paderb. 1874); "Das Volksbuch Reynaert de Vos" (das. 1877); "Hermann von Sachsenheim" (1879); "Zur Gralssage" (Straßb. 1880); "Le roman de Renart" (das. 1882-87, mit Suppl.). M. ist auch Herausgeber der "Bibliothek der mittelhochdeutschen Litteratur in Böhmen" (Prag 1876-80), der "Elsässischen Litteraturdenkmäler" (Straßb. 1878-87), der "Elsässischen Studien" (mit Wiegand, das. 1882 ff.) und der 2. Auflage von Wackernagels "Geschichte der deutschen Litteratur" (Basel 1879 ff.).

Martin von Tours, Heiliger, geboren um 316 zu Sabaria (jetzt Stein am Anger in Ungarn), ward Christ und, von seinem Vater dazu genötigt, Soldat im römischen Heer, wo er zu höhern Stellen aufstieg, ohne jedoch seine asketische Richtung zu verleugnen. Nach seinem Abschied siedelte er, in seiner Heimat von den Arianern verfolgt, zuerst nach Italien, später nach Frankreich über und ward 375 vom Volk auf den Bischofsstuhl von Tours erhoben. Um die Zelle, die er bei Tours als Bischof bewohnte, bauten sich noch 80 Mönche an, und so entstand das Kloster Marmoutiers, in welchem M., nachdem er mit Eifer das Christentum unter den Galliern verbreitet, um 400 starb. Den Bischöfen, welche dem Kaiser zur Anwendung der Todesstrafe gegen den Priscillianus (s. d.) geraten, sagte M. die Kirchengemeinschaft auf. Er war der erste Heilige, dem in der römischen Kirche eine öffentliche Verehrung zu teil wurde, und sein Gedächtnistag (11. Nov.) ist das bekannte Martinsfest (Martini), auf welches bei den Germanen viele Bräuche des alten, dem Wodan geweihten Herbstdankfestes übergegangen sind. Überreste desselben sind noch die Martinsgans, welche wahrscheinlich einst zu den Opfertieren gehörte, und der Martinstrunk, bei welchem der neue Wein geprüft wird. Die Kappe des heil. M. diente den fränkischen Königen als Heerfahne, ohne die sie nicht ins Feld zogen. Er ist der Schutzpatron Frankreichs sowie der von Mainz und Würzburg. Sein Leben hat Sulpicius Severus mit vielen Ausschmückungen beschrieben, und Gregor von Tours (s. d.) hat die Wunder zusammengestellt, die der Heilige noch nach seinem Tod verrichtet hat. Vgl. Reinkens, Martins von Tours Leben und Wirken (3. Ausg., Gera 1876); Chamard, Saint M. et son monastère (Poitiers 1873).

Martin von Troppau (Martinus Polonus), mittelalterlicher Geschichtschreiber, geboren zu Troppau, trat zu Prag in den Dominikanerorden ein (da die böhmischen Dominikaner zur polnischen Ordensprovinz gehörten, wird M. schon früh als "der Pole" bezeichnet), ging dann nach Rom und wurde päpstlicher Kaplan und Pönitenziar. 1278 ernannte ihn Papst Nikolaus III. zum Erzbischof von Gnesen, M. starb aber auf der Reise dahin in Bologna. Er hat außer Predigten und einer alphabetischen Übersicht über Gratians Dekret und die Dekretalen (Margarita Decreti) namentlich ein Kompendium der Weltgeschichte zum Gebrauch für Theologen geschrieben, und zwar das letztere veranlaßt durch einen Befehl des Papstes Clemens IV. und in durchaus päpstlichem Sinn. Er hat seine Chronik selbst mehrfach umgearbeitet und bis 1277 fortgesetzt. Sie gelangte früh zu hohem Ansehen und weiter Verbreitung und ward in mehrere Sprachen übersetzt, und so haben die zahlreichen Märchen und Fälschungen dieser papistischen Kompilation Eingang gefunden und sich bis in die Neuzeit behauptet, z. B. die Fabel von der Päpstin Johanna, die Einsetzung der sieben Kur-^[folgende Seite]