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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Maschinen

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Maschinen (Bedeutung für die moderne Kultur; Fabrikation).

lipile) zu benutzen. Aus der Zeit bis zum 18. Jahrh. sind an neuen Erfindungen nur zu erwähnen: im 14. Jahrh. die Feuerwaffen, die als neuen Motor die Kraft von Explosionsgasen benutzen, und die Uhren, im 15. die Druckerpresse, im 17. die Luftpumpe und die Elektrisiermaschine sowie Papins Dampfmaschine, im 18. Jahrh. die Spinnereimaschine, der Maschinenwebstuhl und als die folgenschwerste Erfindung, die jemals gemacht wurde, die Wattsche Dampfmaschine (1765-84), welche sich sehr schnell über die ganze Welt verbreitete.

Mit der fortschreitenden Verwendung der Dampfmaschine nahm das gesamte Maschinenwesen einen ungeheuern Aufschwung, ja man kann sagen, sie habe das moderne Maschinenwesen erst geschaffen. Eine Erklärung dafür ist in folgenden Umständen zu suchen. Einmal veranlaßte die Dampfmaschine eine Verbesserung der Werkzeuge, welche durch sie in Bewegung gesetzt wurden, und führte zur Erfindung neuer Arbeitsmaschinen, welche nicht nur zur Vollendung der M. in konstruktiver Hinsicht, sondern auch zu einer größern Massenhaftigkeit in der Maschinenfabrikation beitrug. Dann war die Einführung eines widerstandsfähigern und dauerhaften Rohmaterials für den Maschinenbau, nämlich der Metalle (besonders des Eisens) an Stelle des bis dahin vorherrschenden Holzes, nur dadurch möglich, daß die Dampfmaschine die Gewinnung und den Transport derselben in unbegrenzten Quantitäten gestattete. Endlich ist auch ganz besonders zu berücksichtigen, daß die Dampfmaschine die erste allgemein verwendbare Maschine war, deren Erfindung auf einer rationellen und ökonomischen Ausnutzung von Naturkräften begründet war, so daß sie fortan als Beispiel dafür diente, wie die in reichem Maß aufgespeicherten naturwissenschaftlichen und mathematischen Kenntnisse technisch zu verwerten seien.

Die Bedeutung der M. für die Entwickelung der modernen materiellen Kultur liegt darin, daß sie Menschen und Tierkräfte ersparen und vorteilhaft ersetzen können, eine große Schnelligkeit und Stärke des Verkehrs gestatten und die Quantität, Qualität und Wohlfeilheit der Arbeit erhöhen, ja zu ganz neuen Arbeiten Veranlassung geben, die ohne sie nicht möglich sind. Wie unvorteilhaft die Verwendung animalischer Kraft zur Ausübung sehr großer Kraftleistungen ist, zeigt z. B. die Aufrichtung der Alexandersäule in Petersburg (1834), deren Schaft 876,000 kg wiegt. Dabei verwandte man 681 Arbeiter und 1950 Soldaten; dessenungeachtet waren 62 Winden und 186 Flaschenzüge erforderlich. Dagegen wurden die 1,900,000 kg schweren Eisenblechkasten, aus welchen die Britanniabrücke Robert Stephensons über die Menaistraße zusammengesetzt ist, von nur drei hydraulischen Pressen aufgezogen, welche von einer einzigen Dampfmaschine in Bewegung gesetzt wurden. Bei vielen Arbeiten der neuern Technik reicht Menschenkraft überhaupt nicht hin, um Erfolge zu erzielen, so z. B. beim Ziehen dicker Eisendrähte, Blei- und Messingröhren, beim Hämmern und Walzen der in Puddel- und Schweißöfen gewonnenen Eisenmassen, des Stabeisens, der Bleche etc. Die Schnelligkeit des modernen Verkehrs beruht auf der Erfindung der Eisenbahnen, Lokomotiven, Dampfschiffe und Telegraphen. Eine Schnellzugslokomotive befördert einen Zug von etwa 100,000 kg Gewicht mit 25 m Geschwindigkeit pro Sekunde auf horizontaler Strecke. Ein Pferd vermag auf horizontaler Chaussee eine Last von 2500 kg mit 1 m Geschwindigkeit fortzuschaffen. Um auf einer horizontalen Chaussee eine Last gleich dem Gewicht des Schnellzugs fortzuschaffen, wären 40 Pferde nötig und würde die Transportzeit 25mal größer sein. Was die Erhöhung der Arbeitsquantität durch die M. betrifft, so liefert ein Arbeiter an der Strickmaschine in einem Tag mehr Strümpfe als die geschickteste Strickerin in Monaten. Nähmaschinen machen 1200-1500 Stiche pro Minute im Vergleich zu 50, welche eine geübte Näherin machen kann. Buchdruckhandpressen geben etwa 250 Abdrücke pro Stunde, die Schnellpressen dagegen deren bis 20,000. In den meisten Fällen sind die M. auch im stande, eine bessere Arbeit zu liefern, als die Hand; vor allen Dingen deshalb, weil bei ihnen die Kraft gleichmäßiger zur Verwendung kommt. Daher findet man z. B. bei aufmerksamer Vergleichung von Maschinen- und Handgespinst sofort, daß der Maschinenfaden den durch die Hand gesponnenen Faden an Gleichheit, Rundung und Reinheit übertrifft, wie auch, daß er durch die bessere Drehung zugleich stoffreicher und schwerer geworden ist. Besonders auffallend sind die Vorzüge der Maschinenarbeit beim Verspinnen von Werg, wobei die Handarbeit nichts entfernt Ähnliches zu leisten vermag. Ebenso bleibt letztere durchaus zurück in der Feinheit des Garns, die man jetzt auf M. erreicht. Qualitätsvorzüge lassen sich außerdem in sehr vielen Fällen nachweisen; es genügt, auf die Kratzen, Schraffiermaschinen, Schermaschinen, Kalander, Werkzeugmaschinen, ja fast auf alle Fabrikationsmaschinen zu verweisen. Manche Arbeiten, wie die der Reliefkopiermaschinen, Guillochiermaschinen etc., lassen sich überhaupt nicht von Menschenhand ausführen. Bei allen diesen Vorzügen ist die Maschine überdies im stande, die Arbeit äußerst wohlfeil zu verrichten. Ein Stück glatten englischen Tülls oder Bobbinets wird jetzt nach Erfindung der Heathcoatschen Bobbinetmaschine 50mal so billig verkauft als am Ende des vorigen Jahrhunderts. Japy in Beaucourt fertigte kleine Kastenschlösser zum Preis von noch nicht völlig 3½ Pfennig pro Stück. Einen höchst wichtigen Einfluß auf die Wohlfeilheit mancher Artikel hat das dabei angewandte Prinzip der Arbeitsteilung, welches in solchem Maß ausgebildet ist, daß z. B. jede Nähnadel 90-120mal durch die Hand gehen muß, ehe sie vollendet ist, und daß sich die Arbeiten bei der Uhrenfabrikation in 54 Beschäftigungsarbeiten teilen, so daß nicht Eine Hand thätig ist, welche auch nur den kleinsten Uhrteil ganz fertig macht. Über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Maschinenwesens s. Fabriken.

[Maschinenfabrikation, Handel.] Die Herstellung der M. geschieht von Mechanikern oder Maschinenbauern in eignen Maschinenwerkstätten oder Fabriken und zwar meistenteils wieder mit M., den sogenannten Werkzeugmaschinen. Auch hierbei ist das Prinzip der Arbeitsteilung eingeführt, und häufig findet man Maschinenbauanstalten, die nur eine Sorte von M. bauen. Dies bietet wesentliche Vorteile dar, und man hat es vielfach schon erreicht, daß neben dem Handel mit ganzen M. noch ein solcher mit einzelnen Maschinenteilen vorteilhaft betrieben werden kann. Alle M. aus einer Werkstätte sind dann so genau nach demselben Maßstab gearbeitet, daß man ihre entsprechenden Teile sofort vertauschen kann, bei Beschädigung irgend eines Maschinenteils also auch im stande ist, denselben auf die einfachste Weise wieder zu ersetzen. Jedes Rad und jede Schraube hat eine Nummer, unter welcher man das Stück einzeln kaufen und seiner Maschine einfügen kann. Man bestrebt sich vielfach,