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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Massīv; Maßlieb; Maßmann; Massol; Massolieren; Masson

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Massiv - Masson.

Genauigkeit eines holländischen Genregemäldes die Moden und den Luxus der Zeit vor Augen. Das dritte Lustspiel hat die schnöde, um des Geldes willen auch das eheliche Glück der Tochter opfernde Habsucht zum Gegenstand und hielt sich verdientermaßen länger auf der Bühne als irgend ein andres aus derselben Epoche. Nicht gering ist auch das sprachliche Verdienst Massingers. Seine gründliche Durcharbeitung und sein gediegener künstlerischer Ernst treten besonders vorteilhaft hervor gegenüber der Flüchtigkeit und Handwerksmäßigkeit, mit der Beaumont-Fletcher und andre Vertreter der sogen. Ben Jonsonschen Schule nur zu oft sich abfanden. Minder bedeutend sind die Dramen: "The duke of Milan", worin das Tragische an das Grausige und Entsetzliche sich anlehnt, "Unnatural combat", "Fatal dowry" und "The bondman", letzteres merkwürdig als einer der frühsten Versuche, die soziale Arbeiterfrage dramatisch zu behandeln. M. starb im März 1638 in London. Ausgaben seiner Werke wurden von Gifford (Lond. 1856, mit Kommentar), Cunningham (3. Aufl., das. 1872) und von Symons (1886) besorgt. Vgl. Mézières, Contemporains et successeurs de Shakespeare (2. Aufl., Par. 1864); Phelan, Philip M. (in Bd. 2 der Zeitschrift "Anglia", Halle 1879).

Massīv (franz.), nicht hohl oder inwendig mit einem andern (minderwertigen) Stoff ausgefüllt, in letzterm Sinn besonders von Gold- und Silberwaren gebraucht; auch von Mauerwerk, welches ganz aus Steinen zusammengesetzt ist; übertragen s. v. w. derb, grob, schwerfällig. Als Substantiv im geognostischen Sinn s. Massiges Gestein.

Maßlieb (Maasliebe), Pflanzengattung, s. Bellis; große M., s. Chrysanthemum.

Maßmann, Hans Ferdinand, Forscher auf dem Gebiet der altdeutschen Sprache und Litteratur und Förderer der Turnkunst, geb. 15. Aug. 1797 zu Berlin, begann hier seit 1814 das Studium der Theologie, trat 1815 unter die freiwilligen Jäger und setzte nach seiner Rückkehr aus Frankreich im Herbst seine Studien in Berlin, dann in Jena fort, wo er der Burschenschaft angehörte und bei dem Wartburgfest, das er auch in einer Schrift schilderte, besonders thätig war. Deswegen besonders wurde er später in die Untersuchungen wegen demagogischer Umtriebe verwickelt. In den folgenden Jahren lebte er in Breslau, Magdeburg, Erlangen, Nürnberg und Berlin, teils an Turnanstalten und Schulen thätig, teils mit naturwissenschaftlichen und altdeutschen Studien beschäftigt. 1826 nach München berufen, wirkte er dort als Turnlehrer beim Kadettenkorps und als Leiter der Schulturnanstalt, später auch als Professor der altdeutschen Litteratur, Ministerialreferent für Schulwesen und Mitglied der Akademie der Wissenschaften. 1843 ward er nach Berlin berufen, um die Einrichtung des allgemeinen Turnunterrichts im preußischen Staat auszuführen, und erhielt 1846 zugleich eine Professur der altdeutschen Sprache und Litteratur an der dortigen Universität. Die Ausführung seines turnerischen Auftrags scheiterte hauptsächlich deswegen, weil M., ohne die Macht von Jahns Persönlichkeit zu besitzen und ohne die ganz verschiedenen Verhältnisse zu berücksichtigen, doch das Turnen in dem Massenbetrieb zu erwecken hoffte, wie er es aus der Zeit der Befreiungskriege unter Jahn kannte. Er wurde 1851 zur Disposition gestellt, lebte seitdem in Berlin und starb 3. Aug. 1874 in Muskau, wo sein Grab seit 1877 ein von seiten der Turngenossen errichtetes Denkmal schmückt. Von seinen turnerischen Schriften ist hervorzuheben: "Altes und Neues vom Turnen" (Berl. 1849, 2 Hefte); auch dichtete er unter anderm das Lied "Ich hab' mich ergeben". Seine sonstigen zahlreichen Publikationen bestehen zunächst in Ausgaben älterer deutscher Sprachdenkmäler, wovon wir nennen: "Deutsche Gedichte des 12. Jahrhunderts" (Quedlinb. 1837, 2 Bde.); "Deutsche Abschwörungs-, Beicht-, Buß- und Betformeln des 8.-13. Jahrhunderts" (das. 1839); "St. Alexius' Leben" (das. 1843); "Tristan" von Gottfried von Straßburg (Stuttg. 1843); "Kaiserchronik" (Quedlinb. 1849-53, 3 Bde.) etc. Um das Gotische machte er sich durch die Ausgabe der "Auslegung des Evangeliums Johannis" (Münch. 1834), der "Gotischen Urkunden zu Neapel und Arezzo" (Wien 1834) und der Schriften des Ulfilas (Stuttg. 1855-56, 2 Bde.), um das Althochdeutsche durch seine "Erläuterungen zum Wessobrunner Gebet des 8. Jahrhunderts" (Berl. 1824), die Herausgabe der "Fragmenta theodisca" (Wien 1841) und die eines "Index" zu Graffs "Althochdeutschem Sprachschatz" (Berl. 1846) verdient. Einen schätzbaren Beitrag zur römischen Epigraphik lieferte er im "Libellus aurarius" (Leipz. 1841). Ausgezeichnet durch einen reichen Kommentar ist seine Ausgabe der "Germania" des Tacitus (Quedlinb. 1847). Ferner veröffentlichte er: "Geschichte des mittelalterlichen Schachspiels" (Quedlinb. 1839); "Litteratur der Totentänze" (Leipz. 1840); "Der Egerstein in Westfalen" (Weimar 1846); "Die Baseler Totentänze" (Stuttg. 1847) u. a.

Massol, Marie Alexandre, franz. Philosoph und Sozialist, geb. 18. März 1805 zu Béziers, kam 1831 nach Paris, wo er in die Saint-Simonistische Gemeinde eintrat, und durchzog als Prediger des Saint-Simonismus einen Teil von Frankreich. Nach der Auflösung der Gemeinde (1832) folgte er Enfantin nach Ägypten, wanderte durch Syrien, die Türkei, Österreich, Süddeutschland, wurde in Paris Journalist, vertrat als solcher republikanische und sozialistische Ideen und hielt sich dann einige Jahre in England auf. Dort gab er das radikale Journal "L'Observateur français" heraus. 1848 kehrte er nach Paris zurück, wurde Mitarbeiter radikaler Journale, zuerst der "Réforme" von Lamennais, später der "Voix du peuple" von Proudhon. Unter dem Kaisertum lebte er zurückgezogen seinen Studien. In diese Zeit fiel die Bewegung, die sich in den Freimaurerlogen kundgab. M. schloß sich der radikalsten Loge an und war bald darauf deren Stuhlmeister; er gründete im Juli 1865 mit Henri Brisson die Wochenschrift "La morale indépendante", deren Kampf mit den Theologen und namentlich mit dem Pater Hyacinthe (s. d.) viel Aufsehen machte. Er starb 20. April 1875 in Paris.

Massolieren (franz.), mit einer Keule totschlagen, ehemals in Italien eine Art der Todesstrafe.

Masson, 1) (spr. massóng) Antoine, franz. Kupferstecher, geb. 1636 zu Loury bei Orléans, war anfangs Waffenschmied und gravierte Rüstungen, wodurch er auf die Kupferstecherkunst geführt wurde. Er starb 13. Mai 1700 in Paris. Seine Arbeiten bestehen größtenteils in Porträten, unter denen das unter dem Namen Cadet à la perle bekannte Bildnis des Grafen Harcourt für ein Musterblatt der Kupferstecherkunst gilt. Ein Meisterstück sind auch die Jünger in Emmaus nach Tizian, welches die Franzosen la Nappe (das Tischtuchblatt) nennen, weil der Stecher Falten und Muster im Tischtuch darauf aufs täuschendste dargestellt hat. Überhaupt gelangen ihm Samtkleider, polierte Waffen, Spitzen und ein reiches volles Haupthaar am besten.