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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Massĭker; Massilen; Massilĭa; Massilĭenses; Massillon; Massimi, Palazzo; Massimsinseln; Massīna; Massinger

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Massiker - Massinger.

der M. zurückging. Als die bedeutendste der jetzt wirkenden Organisationen ist die "National temperance Society" anzuführen, die Staatsvereine in New York, Pennsylvanien, den Neuenglandstaaten, Indiana, Ohio etc. organisiert hat und durch Wort und Schrift (sie gibt die Zeitschriften: "Advocate" und "Banner" heraus) wirkt. Andre größere Vereine sind die "Good Templors" (mit ca. 500,000 Mitgliedern) und die "Sons of temperance" (mit über 200,000 Mitgliedern). Von Amerika aus ging die Temperanzbewegung zunächst nach Großbritannien über, wo sie bedeutende Fortschritte machte, namentlich durch die Bemühungen des Pater Mathew (s. d.), der jahrzehntelang als Mäßigkeitsapostel Großbritannien und Irland durchzog. Den Mittelpunkt der dortigen Bewegung bildete die "United Kingdom Society". Auch auf dem Kontinent bildeten sich ähnliche Vereine: in Preußen seit 1837 (mit einer Zeitschrift: "Mancherlei gegen den Brandwein"), in Holland, Schweden, Rußland, in der Schweiz etc. Übrigens hat es auch nicht an Reaktionen gegen die Bestrebungen der M. gefehlt, namentlich wo sich Übertreibung und religiöse Parteisucht mit denselben verknüpften. Dies war besonders der Fall, als 1874 die Temperanzbestrebungen bei amerikanischen Frauen zu Ausschreitungen führten, indem sie singend und betend in Prozession die Wirtshäuser heimsuchten und, wo sie nicht mit Güte die Leerung und Schließung derselben erreichten, zur Zerstörung des Inventars übergingen. Vgl. Baird, Geschichte der M. in den Vereinigten Staaten Nordamerikas (2. Aufl., Berl. 1838; Fortsetzung von Büttner, Hamb. 1843); "Centennial temperance volume. Memorial of the Internat. Temp. Conference" (Philad. 1877); Böttcher, Geschichte der M. in den norddeutschen Bundesstaaten (Hannov. 1847); Derselbe, Generalbericht über den Zustand der Mäßigkeitsreform (Leipz. 1855).

Abweichend von den genannten, verlangen die jetzt in Deutschland in der Organisation begriffenen Vereine nicht Enthaltung, sondern bekämpfen nur den übermäßigen, schädlichen Genuß, während das einzelne Vereinsmitglied bestimmte Verpflichtung in Bezug auf den Genuß geistiger Getränke für seine eigne Person nicht übernimmt. - Der 1883 ins Leben getretene "Deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke" (Sitz in Bremen) gibt außer den monatlichen "Mitteilungen" und Flugschriften "Wissenschaftliche Beiträge zum Kampf gegen den Alkoholismus" (Bonn 1885 ff.) heraus. Vgl. Lammers, Die Mäßigkeitsgesetzgebung in ihrer Wirksamkeit (Bonn 1885); Martius, Der Kampf gegen den Alkoholmißbrauch (Halle 1884); Derselbe, Die zweite deutsche Mäßigkeitsbewegung (Heilbr. 1886).

Massĭker, s. Falerner Wein.

Massilen, der niedere Adel in der Walachei.

Massilĭa, antike Stadt, s. Marseille.

Massilĭenses (lat.), s. v. w. Semipelagianer, nach ihrem Hauptsitz Massilia.

Massillon (spr. mássiljön), Stadt im nordamerikan. Staat Ohio, am Tuscarawas, 80 km südlich von Cleveland, mit (1880) 6836 Einw. Dabei Kohlengruben und Kalksteinbrüche.

Massillon (spr. -ssijóng), Jean Baptiste, berühmter franz. Kanzelredner, geb. 24. Juni 1663 zu Hyères in der Provence, trat 1681 in die Kongregation des Oratoriums und wurde vom Ordensgeneral zum Direktor des Seminars St.-Magloire in Paris berufen. Ludwig XIV. wählte ihn 1704 zu seinem Hofprediger, dann 1717 zum Bischof von Clermont ernannt, erteilte ihm der Herzog von Orléans den Auftrag, vor dem erst neunjährigen Ludwig XV. die Fastenpredigten zu halten. Bei dieser Veranlassung schrieb M. die unter dem Titel: "Petit Carême" (deutsch von Pfister, 4. Aufl., Regensb. 1866) bekannten Reden. 1719 wurde er Mitglied der Akademie und starb 18. Sept. 1742. Massillons Reden reihen sich den besten Erzeugnissen der Kanzelberedsamkeit aller Zeiten an; eine Auswahl seiner Predigten in deutscher Übersetzung besorgte Lutz (Tübing. 1848). Seine "Œuvres complètes" gab Blampignon (zuletzt Bar le Duc 1886, 4 Bde.) heraus. Vgl. Theremin, Demosthenes und M. (Berl. 1845); Blampignon, M. d'après des documents inédits (Par. 1879); Derselbe, L'épiscopat de M. (das. 1884).

Massimi, Palazzo, ein in der Via de' Massimi zu Rom belegener Palast, welcher seit 1535 von Baldassare Peruzzi in antikem Stil erbaut wurde und zu den edelsten Baudenkmälern der Renaissancezeit in Rom gehört. In demselben findet sich eine treffliche antike Kopie des Diskuswerfers von Myron Nördlich vom Lateranpalast liegt die Villa M., deren Kasino 1821-28 von Overbeck, Veit, Koch, Schnorr v. Carolsfeld und Führich mit Fresken aus Ariost, Dante und Tasso geschmückt wurde.

Massimsinseln, s. Louisiaden-Archipel.

Massīna (Massenja, Moassina), Fulbestaat im westlichen Sudân, an beiden Ufern des Niger, dem hier noch der Bachoi oder Ulu ulu zufließt, im N. bis nahe an Timbuktu heranreichend. Es ist ein ebenes, bei Hochwasser zum großen Teil überschwemmtes, vortreffliches Weideland, sehr reich an Rindvieh und auch an Pferden. Reis, Mais, Erdnüsse, Baumwolle sind die vornehmsten Bodenprodukte. Die Bevölkerung, ca. 4½ Mill. Seelen, besteht vornehmlich aus Fulbe; im O. wohnen Sonrhai, im W. Bambara. Das Staatswesen ist gegenwärtig in vollem Verfall und durch innere Fehden zerrüttet. Als Hauptstadt wird Bandjágara im S. bezeichnet.

Massinger (spr. mässindscher), Philip, engl. dramatischer Dichter, einer der bedeutendsten der jüngern Zeitgenossen Shakespeares, geb. 1584 zu Wilton, wurde 1602 Student zu St. Alban's Hall in Oxford, wo er zur römischen Kirche übertrat. 1606 verließ er die Universität und ging nach London, um sich dort durch Bühnenschriftstellerei zu ernähren. Zunächst arbeitete er hier nach der Sitte der Zeit seine Stücke mit andern Schriftstellern gemeinsam. Sein erstes Drama: "The virgin martyr" (wohl bald nach 1606 verfaßt, gedruckt 1622), zeigt bereits die kraftvolle, gedrungene Sprache des immer mehr an Ben Jonson sich anlehnenden realistischen Dramatikers; indes ist die Behandlung des Stoffes, die Verherrlichung der siegreichen christlichen Kirche gegenüber der Vielgötterei des Heidentums, oft noch plump und unkünstlerisch. Von den übrigen 17 uns erhaltenen Dramen Massingers sind hervorzuheben: "The Great Duke of Florence" (1630: deutsch von Prölß in "Altenglisches Theater", Bd. 2, Leipz. 1881); "The city madam" (1632; deutsch von Graf Baudissin: "Die Bürgersfrau als Dame", in "Ben Jonson und seine Schule", Leipz. 1836, 2 Bde.) und "A new way to pay old debts" (1633; deutsch von Gätschenberger, Leipz. 1874). Das erstgenannte Stück erregt Interesse, weil es unserm modernen feinen Konversationslustspiel auffallend nahekommt. Das andre ist für die Kultur- und Sittengeschichte der Zeit von höchster Bedeutung. Die Sucht des reich gewordenen Bürgers, sich dem Adel gleichzustellen, wird hier mit der M. eignen Wucht und Schwere zu geißelnder Schilderung gebracht; auch führt das Stück mit der