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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Materialprüfung

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Materialprüfung.

mit auf den Gewichtteller b gelegten Gewichten ausgleicht, deren Zehnfaches gleich dem Schrotgewicht ist.

Die Materialprüfungsmaschinen, bei welchen die Kraftäußerung vermittelst einer oder mehrerer Kraftschrauben stattfindet, besitzen zur Ermittelung der Druckgrößen entweder Hebel (Wagebalken) oder Federn, so daß man den Druck an aufgelegten Gewichten oder an der Ausdehnung einer Feder erkennt. Gewöhnlich findet man bei ihnen also eine Verbindung der Hebelmaschine mit Schraube. Wird die Zugkraft an dieser Prüfungsmaschine durch die Ausdehnung oder Spannung einer Feder derart gemessen, daß man diese zwischen das Prüfungsmaterial und die Kraftschraube einspannt, so erhält sie eine große Ähnlichkeit mit einem Federdynamometer und wird ganz vorzüglich geeignet zur Prüfung leichter zerreißbarer Materialien (Gespinst, Gewebe, dünner Draht, Papier u. dgl.). Eine solche Maschine zeigt Fig. 2 in der Seitenansicht und Fig. 3 im Grundriß. Auf einem schmalen hölzernen Brett U U befinden sich vier kleine feste Ständer G, O, R, C. In dem Ständer G ist die mit einer Schraubenmutter ausgestattete Achse eines Handrades H so gelagert, daß sie sich drehen, aber nicht in der Längsrichtung bewegen läßt. Durch Drehung des Rades H wird daher die Schraube S bewegt, welche mittels einer im Grundriß sichtbaren Verlängerung fest mit der Traverse F verbunden ist, die sich gegen eine Dynamometerfeder E legt, welche ihrerseits mit dem andern Ende gegen die Platte d gestützt wird. Diese Platte d, durch welche die Schraubenverlängerung frei hindurchgeht, findet ihre Befestigung an den beiden runden Führungsstangen b b, welche in den Ständer o geführt und am andern Ende durch das Querstück a rahmenförmig abgeschlossen werden. An diesem Querstück a sitzt nun zunächst die zum Einspannen des Probestücks (z. B. Papier) notwendige Klemme A, während die zweite Einspannklemme A¹ an der Stange B angebracht ist, die sich je nach der Länge des Probestücks in dem festen Ständer verschieben und durch die Schraube D feststellen läßt. Ist zwischen diesen Klemmen A und A¹ nun das Probestück eingespannt, und wird dann das Handrad gedreht, so wird durch die Spannung im Probestück die Feder E proportional dieser Spannung zusammengedrückt, bis der Bruch erfolgt. Zugleich wird, da die Spannung auf die Feder durch die Stangen b b und das Querstück a übergeht, dieses Querstück a eine Bewegung ausführen, welche genau gleich ist der dem Bruch vorangehenden Dehnung. Um nun die Zusammendrückung der Feder (welche die zum Zerreißen erforderliche Kraft repräsentiert) und die Ausdehnung des Probestücks genau zu bestimmen, werden sie auf den beiden Bogenskalen P und Q durch Zeiger z z in fünffacher Vergrößerung angegeben. Hierzu dient für beide ein fast gleicher Nebenapparat, wovon der eine, die Dehnung angebende in dem Ständer R angebracht ist. Beide bestehen aus kleinen vertikalen Achsen, welche oben die Zeiger und unten je eine Rolle v tragen. Um diese Rolle läuft nun eine in dem federnden Bogen h, resp. y gespannte Saite i. Die an y befestigte Saite wird, durch das Stängelchen q mit dem Querstück a verbunden und von diesem angezogen, die Veranlassung zum Drehen des Dehnungszeigers über der Skala Q. Die an h gespannte Saite dahingegen ist an der Traverse F befestigt und markiert durch den Zeiger auf der von dem Querstück a getragenen Skala in Kilogrammen die Federspannung. Um ein plötzliches Losschnellen der Feder unmittelbar nach dem Bruch zu verhindern, ist bei C noch eine Sperrstange angebracht, in welche ein Sperrkegel einfällt. Zum Abmessen der freien Länge des ausgespannten Probestücks N dienen endlich die auf der Stange B sowohl als auf der Stange C vorhandenen Maßstäbe, welche diese Länge direkt in Zentimetern angeben. Diese Festigkeitsmaschine wird in zwei Größen, in einer bis 15 kg Spannung für Garn und Papier, in einer andern bis 120 kg Spannung für Gewebe, Schnüre u. dgl., von W. Frombling in Gadderbaum-Bielefeld gebaut und je nach dem Zweck mit verschiedenen Klemmen versehen. Ein besonders für wissenschaftliche Zwecke konstruierter Festigkeitsapparat, der jedoch nur bis 50 kg Spannung reicht, ist von Reusch konstruiert und beschrieben im "Polytechnischen Journal", Bd. 235, S. 414.

Als die wichtigste Maschine muß diejenige mit hydraulischem Druck deswegen hingestellt werden, weil sie am besten geeignet ist, die Prüfung an Stücken von beliebigen Dimensionen vorzunehmen, hohe Eisenträger zu zerbrechen, Säulen zu zerknicken, dicke Achsen zu verdrehen, Steine, erhärteten Zement, Holz etc. zu zerdrücken, Stangen, Ketten, Riemen, Seile zu zerreißen u. dgl. In erster Reihe steht hier die sogenannte Werdersche Maschine (Fig. 4). Auf einem

^[Abb.: Fig. 2. Materialprüfungsmaschine (Seitenansicht).]

^[Abb.: Fig. 3. Materialprüfungsmaschine (Grundriß).]