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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mausolēum; Maussade; Maut; Mautern; Mauthausen; Mauthner; Mautner; Mauvais; Mauveïn; Mauvillon

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Mausoleum - Mauvillon.

(s. d.) im M. bei Bingen (s. d.) stammt erst aus dem 14. Jahrh., während sie zwei Jahrhunderte früher bereits vom König Popiel in Polen erzählt wurde. In einer der ältesten, von Giraldus Cambrensis erzählten Version muß sich der von unzähligen Fröschen verfolgte Mann auf einen kahlen Baum flüchten, wo er verhungert, und daraus schließt Liebrecht ("Zur Volkskunde", Heilbr. 1879), daß diese weitverbreiteten Sagen vielleicht alle von einem alten Volksgebrauch, Hungersnöte durch Aufhängen der Vornehmsten an einem kahlen Baum (Galgen) als Opfer zu beschwichtigen, entstammen möchten.

Mausolēum (griech.), ursprünglich das Grabmal, welches dem König Mausolos (inschriftlich Mausollos) von Karien seine Gemahlin Artemisia zu Halikarnassos errichten ließ. Es bestand aus einem hohen viereckigen Unterbau, der einen Umfang von 129 m hatte und ein von 36 Säulen umstelltes tempelartiges Grabmal (Heroon) trug. Über diesem Heroon erhob sich ein Aufsatz, welcher sich in 24 Stufen zu einer Pyramide zuspitzte, auf deren Spitze eine Quadriga aus Marmor mit den Kolossalbildern des Mausolos und seiner Gemahlin stand; das Ganze war 44 m hoch. Die Architekten waren Satyros und Pythis, die Bildhauer Skopas, Bryaxis, Timotheos, Leochares und Pythis, von denen die vier erstern je eine Seite des Monuments zur Ausschmückung, letzterer die Ausführung der Porträtgruppe übernahmen. Dem Zusammenwirken dieser Künstler hatte das M. den Ruhm zu verdanken, daß es unter die sieben Wunderwerke der Alten Welt gezählt wurde. Noch im 12. Jahrh. erwähnt es der byzantinische Bischof Eustathios als wohlerhalten; in dem folgenden Jahrhundert ging der Oberbau fast ganz zu Grunde, und 1522 benutzten es die Johanniter als Kalk- und Steinbruch. Erst 1857 entdeckte Newton die Stätte wieder. Man fand noch ziemlich viele Skulpturen, so die ca. 3 m hohen Statuen des Königs Mausolos und der Artemisia, mehrere Reliefplatten von dem den Unterbau umgebenden Fries (mit Darstellung eines Amazonenkampfes) und Reste andrer Figuren, die alle nach London ins Britische Museum kamen. Vgl. Newton, Discovering at Halicarnassus etc. (Lond. 1862); Petersen, Das M. (Hamb. 1867). - Nach diesem Prachtbau wurden später ähnliche über einem Grab errichtete Bauwerke Mausoleen genannt, z. B. das in drei Stockwerken pyramidal sich erhebende M. in St.-Remy, wohl aus der letzten Zeit der römischen Republik, das des Hadrian in Rom (s. Engelsburg und Tafel "Baukunst VI", Fig. 8), aus neuerer Zeit die Grabstätte König Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise in Charlottenburg u. a. S. Grabmal.

Maussade (franz., spr. mo-), abgeschmackt, mürrisch; Maussaderie, unfreundliches, mürrisches Wesen.

Maut, in Süddeutschland und Österreich s. v. w. Zoll (s. d.); daher Mautamt s. v. w. Zollamt, Mautbrief s. v. w. Zollerklärung.

Mautern, Städtchen in der niederösterreich. Bezirkshauptmannschaft Krems, an der Donau, mit Stein durch eine Brücke verbunden, hat ein Bezirksgericht, eine Kirche mit altem Turm, ein Schloß, Weinbau und (1880) 814 Einw. - M. ist das römische Mutinum und im Nibelungenlied als Mutaren erwähnt; es war bereits 898 eine Stadt. Hier 1484 Sieg des Königs Matthias von Ungarn über die Österreicher. Südlich von M. erhebt sich die berühmte Abtei Göttweih (s. d.).

Mauthausen, Marktflecken in der oberösterreich. Bezirkshauptmannschaft Perg, an der Donau, über welche eine Eisenbahn- und eine fliegende Brücke führt, und an der Staatsbahnlinie St. Valentin-Budweis, Sitz eines Bezirksgerichts, mit bedeutenden Granitsteinbrüchen, welche vorzügliches Pflastersteinmaterial liefern, Pferdemärkten und (1880) 1783 Einw. Dabei auf einem Felsen, einer ehemaligen Donauinsel, das Schloß Pragstein.

Mauthner, Fritz, Schriftsteller, geb. 22. Nov. 1849 zu Horitz bei Königgrätz in Böhmen, studierte in Prag auf Wunsch des Vaters Rechtswissenschaft, trat mit einem Sonettencyklus: "Die große Revolution" (1871), der ihm beinahe eine Anklage auf Hochverrat eingetragen hätte, zuerst litterarisch auf und ließ demselben schnell einige kleinere Lustspiele folgen, die auch mit Erfolg aufgeführt wurden. Seitdem widmete er sich ausschließlich dem litterarischen Beruf, zunächst als feuilletonistischer Mitarbeiter der deutschen Blätter Prags, darauf (seit 1876) in Berlin, wo er besonders dem "Berliner Tageblatt", dem "Deutschen Montagsblatt" und dem "Schorerschen Familienblatt" seine Kräfte widmet. Einen durchschlagenden Erfolg erzielte er mit einer Reihe parodistisch-satirischer Studien, welche den Stil der hervorragendsten deutschen Dichter der Gegenwart zum Gegenstand hatten und zuerst anonym im "Deutschen Montagsblatt", dann als Buch unter dem Titel: "Nach berühmten Mustern" (15. Aufl., Stuttg. 1879; neue Folge 1880; 15. Aufl., Leipz. 1883) erschienen. Weitere Sammlungen von kritischen Feuilletons sind: "Kleiner Krieg" (Leipz. 1878), "Einsame Fahrten", Plaudereien und Skizzen (das. 1879), denen sich die originelle Erzählung "Vom armen Franischko" (Bern 1880; 7. Aufl., Dresd. 1886), "Die Sonntage der Baronin", Novellen (1880; 3. Aufl., das. 1884), "Der neue Ahasver", Roman (das. 1881), "Dilettanten-Spiegel", Travestie nach Horaz' "Ars poetica" (das. 1883), "Xantippe" (das. 1884), "Berlin W", drei Romane (1. Teil: "Quartett", das. 1886), "Aturenbriefe", Satiren (2. Aufl., das. 1885), "Der letzte Deutsche von Blatna" (Berl. 1886, 4. Aufl. 1887), "Credo", gesammelte Aufsätze (das. 1886), "Von Keller zu Zola", kritische Aufsätze (das. 1887), anschlossen.

Mautner, Eduard, Dichter, geb. 13. Nov. 1824 zu Pest, studierte in Wien und Prag und nahm dann seinen Wohnsitz in Leipzig, wo er sich dem vormärzlichen litterarischen Kreis daselbst anschloß und einen Band "Gedichte" (Leipz. 1846) veröffentlichte. 1848 nach Wien zurückgekehrt, errang er 1851 mit dem Gelegenheitsstück "Das Preislustspiel" einen vom Hofburgtheater ausgesetzten Preis, unternahm 1853 eine große Reise durch Deutschland, England und Frankreich, bekleidete 1855-64 eine Stelle als Eisenbahnbeamter bei der französischen Staatsbahngesellschaft, wurde 1865 Hilfsarbeiter bei der kaiserlichen Bibliothek in Wien und ist gegenwärtig im litterarischen Büreau des Ministeriums des Äußern thätig. Von ihm erschienen noch: "Gräfin Aurora" (Wien 1852); "Kleine Erzählungen" (das. 1858); "Gegen Napoleon. In Catilinam", geharnischte Sonette (das. 1859); das Lustspiel "Während der Börse" (Berl. 1863); die Schauspiele: "Eglantine" (Leipz. 1863), das einen bedeutenden Erfolg errang, und "Die Sanduhr" (Wien 1871); ferner: "Eine Kriegslist", Lustspiel (1878); das Festspiel "Von der Aar zur Donau" (1881).

Mauvais (franz., spr. mowäh), schlecht. M.-plaisant, fader Spaßmacher; m. sujet, schlechtes Subjekt, liederlicher Kerl.

Mauveïn, s. v. w. Anilinviolett, s. Anilin, S. 593.

Mauvillon (spr. mowijóng), Jakob, deutscher Schriftsteller, geb. 8. März 1743 zu Leipzig, studierte die