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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mehlauken; Mehlbaum; Mehlbirn; Mehlcylinder; Mehldorn; Mehlführung; Mehlis; Mehlkäfer

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Mehlauken - Mehlkäfer.

sich nochmals mehrere Schichten unterscheiden lassen. Er ist zunächst von der äußern Samenhaut (Testa, 5) umgeben, die je nach der Varietät des Weizens mehr oder weniger gelb gefärbt ist, und auf diese folgt nach innen die Embryomembran oder Eiweißschicht (Perispermium, 6), welche aus großen, von Stärkemehl freien Zellen gebildet wird und hauptsächlich stickstoffhaltige Substanzen enthält. Innerhalb der Embryomembran liegen der Mehlkern 7, 8, 9 und der fettreiche Embryo 10. Der innerste Teil des Kerns 9 ist am weichsten und liefert beim Mahlen das weißeste M., welches die geringste Menge eiweißartiger Substanzen enthält und mithin am wenigsten nahrhaft ist. Die Schicht 8 ist viel härter und liefert beim ersten Beuteln des Mehls die weiße Grütze, die aber wieder vermahlen wird und mit dem ersten Produkt das Brotmehl liefert. Die Schicht 7 ist noch härter, wird als graue Grütze abgesondert und gibt, da man sie stets mit Teilen der äußern Schichten, die im wesentlichen die Kleie bilden, gemischt erhält, beim Backen ein schwarzes Brot. In allen Mehlsorten des Handels findet man mehr Wasser und weniger Stickstoff als im Getreide. Die Verminderung des Stickstoffgehalts wird durch Abscheidung der äußern Hüllen der Getreidesamen (Kleie) veranlaßt. Das M. ist um so "feiner", je weniger Kleie es enthält; aber aus der Zusammensetzung des Getreides folgt auch, daß das feinste M. am ärmsten an Nahrungsstoff ist. Da die Kleie gefärbt ist, so ist das feinste M. auch das weißeste. Die Zusammensetzung der wichtigsten Mehlsorten ist etwa folgende:

Weizenmehl Roggenmehl Gerstenmehl Hafermehl

feines grobes

Wasser 15,54 14,25 14,60 14,00 11,70

Kleberstoffe 11,16 13,85 12,75 14,39 22,30

Zucker 2,34 2,35 3,47 3,04 2,19

Gummi 6,25 6,50 4,10 6,33 2,81

Fett 1,07 1,26 1,80 2,23 5,68

Stärkemehl 63,64 61,79 64,29 53,16 58,14

Einen genauen Einblick in den Mehlbereitungsprozeß liefern folgende Angaben. Ein Weizen, welcher enthielt:

^[Liste]

10,5 Wasser,

1,5 Asche,

14,4 Kleber,

65,4 Stärke,

8,2 Fett und Holzfaser,

lieferte:

^[Liste]

18,72 Grieß- und Auszugsmehl,

32,68 Semmelmehl,

22,22 Brotmehl,

2,58 Schwarzmehl,

18,52 Kleie,

1,29 Abfall (Koppstaub),

3,99 Verlust,

und es enthielten:

Wasser Asche Kleber Stärke

Grieß- und Auszugsmehl 10,6 0,41 11,7 70,0

Semmelmehl 10,5 0,60 13,3 67,2

Brotmehl 10,7 0,96 15,4 63,5

Schwarzmehl 9,5 1,55 14,9 61,0

Kleie 10,7 5,46 14,3 43,6

Abfall 9,2 2,65 15,2 0

Ein aus dem ganzen Korn bei Abscheidung von 13 Proz. Kleie dargestelltes Weizenmehl enthielt 10,5 Wasser, 14,4 Kleber, 65,6 Stärke, 1,0 Asche. Da das M. reich ist an den leicht zersetzbaren Kleberstoffen, so muß es recht trocken sein und an einem trocknen Ort gelagert werden. Im feuchten M. entstehen Milchsäure, Buttersäure etc.; der Kleber verdirbt und verursacht einen widrigen, mulstrigen Geruch und Geschmack; zugleich entwickeln sich Pilze, Infusorien und Milben. Zur Untersuchung und Prüfung des Mehls genügt meist die Bestimmung des Wassergehalts durch Austrocknen und des Aschengehalts durch Verbrennen im Platintiegel, wobei sich z. B. sofort eine nicht seltene Verfälschung mit Gips herausstellt. Zur weitern Untersuchung ist eine chemische Analyse und die Anwendung des Mikroskops erforderlich. Die Kleie, aus den äußern Hüllen des Getreides gebildet, aber stets mit mehr oder weniger von den Bestandteilen des Mehls gemischt, enthält:

^[Liste]

Weizenkleie Roggenkleie

Wasser 12,70 15,32

Eiweißartige Stoffe 17,93 18,18

Zucker 4,32 1,86

Gummi 8,85 10,40

Fett 3,79 4,72

Holzfaser 30,65 28,53

Stärke 21,76 21,09

Der Nährwert der Kleie erscheint nach ihrem hohen Stickstoffgehalt sehr bedeutend; aber der große Gehalt an Holzfaser mindert ihren Wert erheblich, und da es selbst durch Säuren und Alkalien nicht gelingt, die eiweißartigen Substanzen völlig von der Holzfaser zu trennen, so muß ein Teil dieser letztern gewiß als völlig unverdaulich gelten (vgl. Brot, S. 472). Man benutzt die Kleie als Viehfutter, in der Färberei zur Bereitung der warmen Indigküpe, in der Zeugdruckerei zur Reinigung des weißen Grundes bedruckter Gewebe und zur Befreiung der bedruckten Stelle von nur mechanisch anhaftendem Farbstoff, endlich auch in der Gerberei. Vgl. Kick, Die Mehlfabrikation (2. Aufl., Leipz. 1878; Supplement 1883); Meyer, Die Fabrikation des Mehls (das. 1886).

Mehlauken, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Labiau, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht und (1885) 203 Einw.

Mehlbaum (Mehlbeerbaum), s. Sorbus und Crataegus.

Mehlbirn, s. Sorbus.

Mehlcylinder (Mehlmaschine), die Siebvorrichtung der Getreidemühlen.

Mehldorn (Mehlfäßchen), s. v. w. Mehlbeerbaum, s. Crataegus.

Mehlführung, s. Aufbereitung.

Mehlis, Fabrik- und Luftkurort im Herzogtum Sachsen-Gotha, im Thüringer Wald und an der Linie Plaue-Ritschenhausen der Preußischen Staatsbahn, 468 m ü. M., hat Fabrikation von ausgezeichneten Schußwaffen, Eisen- und Stahlwaren, Handel mit Holz und Brettern und (1885) 3190 evang. Einwohner.

Mehlis, Christian, Altertumsforscher, geb. 28. April 1850 zu Herschberg in der Rheinprovinz als Sohn eines Pfarrers und Enkel des Jenenser Archäologen M., der zuerst die archäologischen Schätze des Rheinlandes beschrieb, studierte in Erlangen, Leipzig und München Philologie und Altertumskunde und ist Gymnasiallehrer in Dürkheim. Er schrieb: "Die Grundidee des Hermes vom vergleichenden mythologischen Standpunkt" (Erlang. 1875 bis 1877, 2 Tle.); "Studien zur ältesten Geschichte der Rheinlande" (Leipz. 1875-86, Heft 1-9); "Im Nibelungenland. Mythologische Wanderungen" (Stuttg. 1877); "Fahrten durch die Pfalz. Historische Landschaftsbilder" (Augsb. 1877); "Materialien zur Vorgeschichte der Menschen im östlichen Europa" (mit A. Kohn, Jena 1878-79, 2 Bde.); "Bilder aus Deutschlands Vorzeit" (das. 1879); "Der Rhein und der Strom der Kultur" (Berl. 1876-79, 3 Tle.) u. a.

Mehlkäfer (Müller, Tenebrĭo molĭtor L.), Käfer aus der Gruppe der Heteromeren und der Familie der Tenebrionen (Melasoma), 15 mm lang, langgestreckt, gleich breit, wenig gewölbt, mit quer stehen-^[folgende Seite]