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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Menzer; Menzikow; Meo voto; Mephistophĕles; Mephītis; Mephītisch; Meppel; Meppeler Diep

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Menzer - Meppeler Diep.

die Hebung der Holzschneidekunst. Unmittelbar daran schlossen sich 200 Illustrationen zu einer von Friedrich Wilhelm IV. veranstalteten, nur zu Geschenken an hohe Personen bestimmten Prachtausgabe der Werke Friedrichs d. Gr. (1843-49), welche von A. und O. Vogel, Unzelmann und H. Müller in Holz geschnitten wurden (neue Ausg., Berl. 1886, 2 Bde.). In diesen Meisterwerken erschöpfte M. den ganzen geschichtlichen und kulturgeschichtlichen Inhalt des 18. Jahrh. Er war fortan der berufene Maler Friedrichs d. Gr., welcher in trüber Zeit durch unablässige Schilderungen des Helden und seiner Feldherren viel zur Stärkung des preußischen Volksbewußtseins beitrug. Unter seinen andre Stoffe behandelnden Bildern nehmen neben dem großen, den Einzug Heinrichs des Kindes und seiner Mutter in Marburg 1247 darstellenden Karton die drei Kompositionen den ersten Rang ein, die M. als Transparentbilder für die Weihnachtsausstellungen im Berliner Akademiegebäude malte; es sind: Christus unter den Lehrern (1851, existiert auch als Lithographie, von M. selbst in der Schabmanier auf Stein gezeichnet); Christus, die Wechsler aus dem Tempel treibend (1853), und Adam und Eva (1857). Eine Frucht 15jähriger Studien war das große Bilderwerk "Die Armee Friedrichs d. Gr. in ihrer Uniformierung" (1857), aus 600 kolorierten Lithographien in 3 Bänden bestehend. Nur 30 Exemplare, jedes zu 530 Thlr., sind davon abgezogen worden. Demselben ging der Holzschnittcyklus "Aus König Friedrichs Zeit" (Berl. 1854-56, 12 Blatt, geschnitten von Kretzschmar in Leipzig; neue Ausg., Berl. 1886) voraus. Den Gipfelpunkt der Friedrich d. Gr. gewidmeten Werke bezeichnen die Ölgemälde: Tafelrunde Friedrichs II. in Sanssouci (1850), Flötenkonzert in Sanssouci (1852, beide in der Nationalgalerie in Berlin), Friedrich d. Gr. auf Reisen (1854, in der Ravenéschen Galerie), die Huldigung der schlesischen Stände (1855, schlesisches Museum in Breslau), Friedrich d. Gr. und die Seinen bei Hochkirch (1856, königliches Schloß zu Berlin), Begegnung in Neiße zwischen Friedrich d. Gr. und Joseph II. (1857), lauter Bilder, in denen sich Lebenswahrheit, poetische Konzeption, vielseitige Beleuchtung und dramatischer Effekt zu einer mächtigen Gesamtwirkung vereinigen. In dieselbe Zeit fallen die Kartons zu zwei Gestalten von Hochmeistern für das Schloß zu Marienburg (1855), das Gemälde: Blücher und Wellington bei Waterloo (1855, Berlin, kronprinzliches Palais) und ein Album von zwölf Gouachemalereien zur Erinnerung an ein Turnier von 1829, das Fest der weißen Rose (1854, im Besitz des Kaisers von Rußland). Eine zweite Gruppe unter Menzels Werken bilden die Gemälde aus der Zeit Kaiser Wilhelms, zunächst das große Bild der Krönung in Königsberg (1861-65, Berlin, königliches Schloß; Ölskizze und Album mit Porträtstudien in der Nationalgalerie), eins seiner Hauptwerke; die Abreise König Wilhelms zur Armee (1871, Berliner Nationalgalerie), das Ballsouper (1878) und Kaiser Wilhelm Cercle haltend (1879). In den drei letztern Bildern zeigt sich bereits ein Umschwung in Menzels Stil, der durch einen Aufenthalt in Paris (1867) veranlaßt worden ist. Er strebte fortan nach voller Tonwirkung bei pikanter Beleuchtung, wobei er die schwierigsten Probleme zu lösen versuchte, und mehr skizzenhafter Behandlung der Form. Diese neue Richtung wird besonders durch folgende Ölgemälde charakterisiert: Sonntag im Tuileriengarten (1867), ein Restaurant der Pariser Weltausstellung (1867), Gottesdienst in der Buchenhalle bei Kösen (1868), Eisenwalzwerk (1875, Berliner Nationalgalerie, Hauptwerk), Prozession in Hofgastein (1881), Gemüsemarkt in Verona (1884). In der Zwischenzeit entstanden noch die Illustrationen zu H. v. Kleists "Zerbrochenem Krug" (1877) und eine lange Reihe von Gouachen und Aquarellen, Landschaften, Architekturen, Interieurs, Figuren- und Tierstudien, deren Zahl sich auf etwa 400 belaufen mag. M. ist der universellste deutsche Maler der Gegenwart, ein Virtuose in jeglicher malerischer und zeichnerischer Technik, mit Ausnahme der Wandmalerei, und ein Meister energievoller Charakteristik, welche sich ebensosehr auf das vorige Jahrhundert wie auf das Leben der Gegenwart erstreckt. Freilich teilt er mit dem ganzen modernen Realismus die Neigung zum Häßlichen. Er ist königlicher Professor und Kanzler der Friedensklasse des Ordens pour le mérite. Vgl. Wessely, A. M., sein Leben und seine Werke (Leipz. 1873); Jordan und Dohme, Das Werk A. Menzels (Münch. 1885 ff.).

Menzer, s. Fischart.

Menzikow, s. Menschikow.

Meo voto (lat.), "nach meiner Stimme" oder meinem Wunsch, meines Erachtens.

Mephistophĕles (Mephisto), eine der alten Volkssage entnommene, durch Goethes "Faust" gebräuchlich gewordene Bezeichnung des Teufels oder des bösen, verneinenden Prinzips. Die alten Formen des Namens sind schwankend, Etymologie und Bedeutung desselben daher nirgends ganz sichergestellt. Mephostophiles, wie das älteste Faustbuch (s. Faust) hat, läßt sich als "der das Licht Scheuende" deuten, während die heute gebräuchliche Form M. sowie Mephistophilus, wie Shakespeare in den "Lustigen Weibern" schreibt, und Mephistophilis, wie sich in Marlowes "Faust" findet, auf die altitalische Göttin Mephitis hinzuweisen scheint und daher "der die höllischen (mephitischen) Dünste Liebende" bedeuten würde. Wahrscheinlicher aber ist das Wort (nach Professor Seydel) eine Zusammensetzung der hebräischen Worte mephiz ("Zerstörer") und tophel ("Lügner"), worauf Goethe selbst anzuspielen scheint, wenn er den Teufel als "Fliegengott, Verderber, Lügner" bezeichnet.

Mephītis, Stinktier.

Mephītis, eine Gruppe von zum Teil fieberhaften Krankheiten, die durch Einatmen von Kloakengas, Kanal- und Schleusengas entstehen; die akuten Fälle stimmen mit Vergiftungen durch Schwefelwasserstoff überein, die chronischen zeigen außerordentliche Verschiedenheit der Symptome.

Mephītis (Mefitis), alte italische Göttin, welcher der Bereich der pesthauchenden Ausdünstungen angehörte, und die daher an Orten, wo dergleichen der Erde entstiegen (z. B. beim See von Ampsanctum, bei Cumä am Averner See, in Tibur, zu Benevent etc.), verehrt und als Schützerin dagegen angerufen wurde.

Mephītisch heißt jede Luftart, in welcher kein Licht brennt und kein Tier atmen kann, besonders wenn sie außerdem übeln Geruch besitzt.

Meppel, Stadt in der niederländ. Provinz Drenthe, Knotenpunkt der Eisenbahnen Zütphen-Leeuwarden und M.-Groningen, mit beträchtlichem Handel (besonders in Butter), Leinwand-, Segeltuch-, Kattun- und Tabaksfabriken, Färberei, Bleicherei, Schiffbau und (1883) 8418 Einw.

Meppeler Diep, bedeutender schiffbarer Strom in den niederländ. Provinzen Drenthe und Overyssel. Er entsteht aus der Vereinigung von Havelther-Aa, Reest, Wold-Aa und Echtinger Strom, welch letzterer jetzt in Hoogeveensche Vaart verwandelt ist. Bei