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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mermnāden; Mero jure; Merodach; Merode; Meroë; Merom

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Mermnaden - Merom.

weigerte, dem Verbot Folge zu leisten, seiner Pfarrstelle (Oktober 1872). Am 16. Jan. 1873 erfolgte als Antwort der Kurie die förmliche Ernennung Mermillods zum apostolischen Vikar von Genf, worauf der schweizerische Bundesrat dessen Ausweisung verfügte. Im März 1883 wurde er zum Nachfolger des verstorbenen Bischofs Cosandey von Lausanne ernannt, womit nach der ausdrücklichen Erklärung des päpstlichen Staatssekretärs Jacobini das apostolische Vikariat in Genf wegfiel. Infolgedessen hob der Bundesrat auf Ansuchen Mermillods sein Verbannungsdekret auf und gestattete ihm die Rückkehr in die Schweiz.

Mermnāden, altes lydisches Königsgeschlecht, welches, von den Sandoniden vertrieben, mit karischer Hilfe diese stürzte und mit Gyges 689 v. Chr. den lydischen Königsthron bestieg. Es machte nach Vertreibung der Kimmerier die Lydier zum mächtigsten Volk Kleinasiens und eroberte diese ganze Halbinsel. Der letzte Mermnade, Krösos, wurde von dem Perserkönig Kyros 548 besiegt und seiner Herrschaft beraubt.

Merodach, babylonischer Gott, der Herr des Planeten Jupiter, in den Inschriften als "höchster Gott" und "Herr des Himmels und der Erde" gefeiert und als glückbringende Macht gepriesen. Sanherib errichtete ihm zu Ninive einen Tempel.

Merode, Grafen von, eins der ältesten und angesehensten belgischen, ursprünglich im Bistum Lüttich angesessenen Adelsgeschlechter. Gegenwärtiges Haupt der Familie ist Karl Anton Ghislain, Graf von M., geb. 1. Aug. 1824; derselbe führt den Titel Reichsgraf von M., Marquis von Westerloo, Fürst von Rubempré und Grimberghe und ist Mitglied des belgischen Senats. Vgl. Richardson, Geschichte der Familie M. (Prag 1877-81, 2 Bde.). Bemerkenswerte Mitglieder des Geschlechts:

1) Johann, Graf von, kaiserlicher General, geboren um 1589, trat erst in spanische, dann in kaiserliche Kriegsdienste, kämpfte seit 1619 in Böhmen, ward 1622 Reichsgraf und 1623 Oberst und befehligte unter Wallenstein wiederholt selbständige Unternehmungen, besonders in der Schweiz und in Italien, mit großem Geschick; entsetzte, seit 1631 General, 1632 Wolfenbüttel und eroberte Hildesheim, wofür er zum Feldzeugmeister ernannt wurde, fiel aber 8. Juli 1633 in der Schlacht bei Hessisch-Oldendorf. Vgl. Hallwich, Johann M. (Leipz. 1885).

2) Johann Philipp Eugen, Graf von, Marquis von Westerloo, kaiserl. Feldmarschall, geb. 1674 zu Brüssel, kämpfte 1692-1704 im spanischen Heer in den Niederlanden gegen die Franzosen, trat 1705 in kaiserliche Dienste, ward 1717 Feldmarschall und starb 12. Sept. 1732 auf dem Schloß M. Seine "Mémoires" gab sein Enkel Graf M.-Westerloo heraus (Brüssel 1840, 2 Bde.).

3) Ludwig Friedrich Ghislain, Graf von, geb. 9. Juni 1792, kämpfte im September 1830 mit für die Unabhängigkeit Belgiens, ward 25. Okt. bei Berchem vor Antwerpen tödlich verwundet und starb 4. Nov. in Mecheln kinderlos. In der Kathedrale von Brüssel wurde ihm ein prächtiges Monument errichtet.

4) Philipp Felix Balthasar Otto Ghislain, Graf von, Bruder des vorigen, geb. 13. April 1791, nahm gleichfalls an dem belgischen Aufstand thätigen Anteil, war Mitglied der provisorischen Regierung und unterstützte die Wahl des Prinzen Leopold zum König. Am 12. Nov. 1831 wurde er zum Minister ohne Portefeuille ernannt, und vom 15. März bis 20. Mai 1832 bekleidete er die Stelle eines interimistischen Kriegsministers, zog sich aber 1839 ins Privatleben zurück und starb 7. Febr. 1857. Vgl. Thonissen, Vie du comte Félix de M. (Löwen 1861); Juste, Le comte Félix de M. (Brüssel 1872).

5) Friedrich Xaver, Graf von, Sohn des vorigen, geb. 26. März 1820 zu Brüssel, trat in die belgische Armee, machte 1846 zwei Feldzüge in Algerien unter Bugeaud mit und erhielt das Kreuz der Ehrenlegion. 1847 begab er sich nach Rom, studierte Theologie und erhielt die Priesterweihe. 1849 ernannte ihn Pius IX. zum Kämmerer und 1860 zum Waffenmeister. M. veranlaßte Lamoricière, 1861 das Kommando über die päpstliche Armee zu übernehmen. 1865 legte er seine Stelle nieder und ward zum Erzbischof von Mytilene in partibus und Großalmosenier erhoben. Trotz seiner Verdienste um den päpstlichen Stuhl wurde er nicht Kardinal wegen seines hochfahrenden und barschen Wesens, das die Kurie in Konflikte mit Frankreich verwickelte. Auch mit der Proklamation der Infallibilität war er nicht einverstanden. Er starb 11. Juli 1874. Vgl. Ideville, Monseigneur de M. (Par. 1874); Besson, Frédéric X. de M. (das. 1886).

Meroë, altäthiop. Reich, welches sich von der großen Nilkrümmung in Nubien bis an die abessinischen Berge erstreckte. Die Stadt M., deren Trümmer (Tempelreste und zwei Pyramidengruppen) man noch in Dar Schendi sieht, war der Hauptsitz dieses mächtigen, über zahlreiche Negerstämme herrschenden Priester- und Handelsstaats, dessen berühmteste Zierde ein Tempel des Ammon (Amn) mit Orakel war. Die einst so große und reiche Stadt lag schon zu Neros Zeit in Trümmern. M. hatte eine theokratische Verfassung; an der Spitze stand ein von den Priestern ägyptischen Ursprungs aus ihrer Mitte gewählter und daher vom ganzen Priesterkollegium abhängiger König. Die Kultur Meroës war eine von Ägypten erborgte und nicht umgekehrt, wie man fälschlich angenommen hat. Die dortigen Pyramiden, 80 an der Zahl und von 4 bis 50 m Höhe wechselnd, die Sphinxalleen und ägyptischen Götterstatuen beweisen durch ihren entarteten Stil ihren Ursprung aus der letzten Zeit ägyptischer Kunstübung. An den meroitischen Denkmälern haben sich Inschriften erhalten, teils in hieroglyphischen und teils in kursiven, demotischen Charakteren, deren Entzifferung aber bisher nicht gelungen ist. Die Bewohner waren Chamiten und Neger, zu denen sich Ägypter als Kulturträger gesellten. Seiner überwiegenden Kultur, dem Einfluß seiner Priesterschaft und seinem weitverzweigten Karawanenhandel mit Ägypten, Arabien etc. verdankte der Staat von M. eine solche Größe und Macht, daß er lange Zeit hindurch die Herrschaft über das ganze nördliche Äthiopien behauptete, bis endlich die Priesterherrschaft zur Zeit des Ptolemäos Philadelphos vom einheimischen Häuptling Ergamenes vernichtet wurde.

Mero jure (lat.), nach lauterm, reinem Recht.

Merom (Mê-Merôm, "oberes Wasser"), eine Lokalität des alten Palästina, gewöhnlich für den Bahr el Huleh gehalten, jenen 5-6 km langen, bis 5 km breiten und 3-5 m tiefen Sumpfsee, welcher 16 km nördlich vom See von Tiberias liegt und vom Jordan durchflossen wird. An dem "Wasser von M." schlug Josua den König Jabin (Josua 11, 5 ff.). Daß damit der Bahr el Huleh gemeint sei, ist aber nicht zu beweisen; vielleicht ist darunter die starke Quelle beim Dorf Meron (Meiron), 4 km westlich von Safed, zu verstehen. Aus dem Altertum ist für den Hulehsee sonst nur der Name Samachōnitis durch Josephus überliefert.