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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Meterkilogramm; Meth; Methān; Methenyltrijodid; Methfessel; Methōde

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Meterkilogramm - Methode.

des Erdquadranten zwischen Äquator und Nordpol, nach den Ergebnissen der auf Veranlassung der französischen Republik ausgeführten Gradmessungen = 443,295936 Pariser Linien. Diese Länge ist dem M. auch verblieben, nachdem neuere Messungen und Berechnungen für den Erdquadranten einen etwas höhern Wert ergeben haben. Das M. ist = 3,1862 frühere preußische, 3,16375 frühere Wiener, 3,28087 englische und russische Fuß. Die Einteilung des Meters ist rein dezimal: 1 M. = 10 Dezimeter oder 100 Zentimeter oder 1000 Millimeter. 10 M. = 1 Dekameter, 100 M. = 1 Hektometer, 1000 M. = 1 Kilometer. Das Quadratmeter ist die Grundlage der Flächenmaße (100 Quadratmeter = 1 Ar), das Kubikmeter die der Körpermaße und Gewichte (1 Kubikdezimeter = 1 Liter; das Gewicht eines Liters destillierten Wassers im luftleeren Raum bei 4° C. = 1 Kilogramm).

Meterkilogramm, s. Arbeit, S. 746.

Meth, s. Met.

Methān (Methylwasserstoff, Grubengas, Sumpfgas, leichtes Kohlenwasserstoffgas) CH4 ^[CH_{4}] entsteht bei der Fäulnis organischer Stoffe unter Abschluß der Luft und entweicht daher aus dem Morast stehender Gewässer und Sümpfe, besonders wenn man denselben aufrührt, ebenso aus Steinkohlen, namentlich in Bergwerken, wo es die "schlagenden Wetter" bildet. An einigen Orten entströmt es dem Erdboden, oft gemengt mit andern Gasen, wie bei Baku, wo es die heiligen Feuer bildet, aus dem Schlammvulkan bei Bulzanak in der Krim, in Pennsylvanien etc. Es entsteht auch bei trockner Destillation von Pflanzenstoffen und findet sich daher in großer Menge im Leuchtgas aus Holz, Steinkohlen etc. Ähnlich bildet es sich, wenn man Alkoholdämpfe durch ein glühendes Rohr leitet. Schweres Kohlenwasserstoffgas (Äthylen) C2H4 ^[C_{2}H_{4}] zersetzt sich in hoher Temperatur in Kohlenstoff und M. Leitet man Schwefelkohlenstoffdampf und Schwefelwasserstoff über glühendes Kupfer, so entstehen Schwefelkupfer und M. Zur Darstellung erhitzt man essigsaures Natron mit Natronkalk. M. ist ein farb- und geruchloses, sehr schwer zu einer Flüssigkeit verdichtbares Gas vom spez. Gew. 0,558; es löst sich wenig in Wasser, brennt mit nicht leuchtender Flamme, entzündet sich schwerer als Äthylen, gibt mit 10 Volumen Luft oder mit 2 Volumen Sauerstoff ein höchst explosives Gemenge, kann mit Luft gemischt eingeatmet werden, zerfällt im weißglühenden Rohr in seine Bestandteile und explodiert mit Chlor im direkten Sonnenlicht. Im Dunkeln wird es von Chlor nicht angegriffen, und im zerstreuten Tageslicht gibt es hauptsächlich Methylchlorür.

Methenyltrijodid, s. v. w. Jodoform.

Methfessel, Albert Gottlieb, Liederkomponist, geb. 6. Okt. 1785 zu Stadtilm in Thüringen, erhielt seinen ersten Musikunterricht am Gymnasium zu Rudolstadt, wo er bereits als Schüler eine Liedersammlung veröffentlichte. 1807 ging er nach Leipzig, um Theologie zu studieren, im folgenden Jahr aber als Pensionär der Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt nach Dresden, um sich zum Musiker auszubilden. 1810 ward er Hof- und Kammersänger zu Rudolstadt, 1824 Gesanglehrer in Hamburg; seit 1831 war er als Hofkapellmeister in Braunschweig thätig, bis er 1842 wegen eines Gehörleidens diese Stelle niederlegte. Er starb 23. März 1869 in Heckenbeck bei Gandersheim. M. hat sich besonders als Liederkomponist einen in ganz Deutschland geachteten Namen gemacht. In seinen zahlreichen ein- und mehrstimmigen Liedern, deren er auch einige selbst gedichtet hat (z. B. "Hinaus in die Ferne" und "Was tönt durch Wald und Auen"), herrscht gesunde Frische der Empfindung, natürliche Anmut und ein feines Gefühl für formales Ebenmaß. Aber auch seine übrigen Kompositionen (Ouvertüren, eine Oper: "Prinz von Basra", ein Oratorium: "Das befreite Jerusalem", Kirchenkantaten etc.) enthalten viel Anerkennenswertes. Große Popularität gewann sein "Kommersbuch", das viele Auflagen erlebte.

Methōde (griech., "Verfahren"), im allgemeinen ein nach Grundsätzen geregeltes Verfahren zur Erreichung eines bestimmten Zwecks. In diesem allgemeinen Sinn muß jeder vernünftigen menschlichen Thätigkeit M. zu Grunde liegen. Ganz besonders verlangt aber die wissenschaftliche Forschung eine klar bewußte und geordnete M. und dem entsprechend die Mitteilung der erkannten Wahrheit im Unterricht. In dieser engern Anwendung heißt M. die Kunst, eine Reihe non Gedanken nach gewissen Grundsätzen so zu ordnen, daß dadurch entweder neue Erkenntnisse gewonnen, oder gewonnene Erkenntnisse andern in überzeugender Weise mitgeteilt werden. Hierfür gibt es zwei entgegengesetzte Wege, deren einer von der Erkenntnis allgemeiner Wahrheiten, Gesetze und Begriffe zu der des Einzelnen und Besondern hinableitet (Deduktion), während der andre umgekehrt von der Beobachtung des Einzelnen zur Erkenntnis des Allgemeinen aufleitet (Induktion, Anagoge). Die Unterscheidung dieser beiden Wege führte zuerst Sokrates mit Klarheit in die Philosophie ein; Platon und besonders Aristoteles bildeten die Erkenntnis derselben weiter aus. Durch Eukleides, den Mathematiker, wurden die beiden Methoden auch auf die Mathematik angewandt. Er bezeichnete sie zuerst mit den seither allgemein gewordenen Namen der Synthesis (compositio, Aufbau, Deduktion) und Analysis (resolutio, Auflösung, Induktion), denen die Betrachtung zu Grunde liegt, daß das Allgemeinere das Einfachere, das Besondere aber das Zusammengesetztere ist. Da Eukleides vorzugsweise die synthetische M. (Deduktion) in seinen Elementen der Geometrie anwandte, wurde diese auch die geometrische M. genannt. Dieselbe schreitet von allgemein anerkannten Grundsätzen und Begriffsbestimmungen (Axiomen und Definitionen) zur Aufstellung und zum Beweis von Lehrsätzen (Propositionen) fort, aus welchen endlich die praktisch wichtigen Folgerungen gezogen werden. Diese geometrische M. galt bis ins 17. Jahrh. allein als das eigentlich wissenschaftliche Verfahren, wie denn noch Spinoza nach ihr seine Ethik anordnete. Seit Bacon und Descartes, denen die italienische Naturphilosophie und besonders die neuere Astronomie vorgearbeitet hatte, wurde dem gegenüber die Induktion (Analysis) besonders bevorzugt, indem die Überzeugung immer mehr durchdrang, daß alles menschliche Wissen auf dem Grunde der sinnlichen Wahrnehmung ruhe und der analysierenden Betrachtung der einzelnen Gegenstände und Erscheinungen sein Dasein verdanke. Auf der sorgsamern Ausbildung dieser M. beruht vorzüglich der großartige Aufschwung der Naturwissenschaften in den letzten Jahrhunderten, sie ist aber allen Zweigen des menschlichen Wissens zu gute gekommen. Wenn der Sensualismus des vorigen Jahrhunderts, zumal in England und Frankreich, darin zu weit ging, daß er nur noch die Analysis gelten lassen wollte, so versuchte die sogen. absolute Philosophie in Deutschland (Fichte, Schelling, Hegel), anknüpfend an gewisse