Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mid Lothian; Midouze; Midrasch; Midshipman; Midüllü; Miechowitz; Mieczyslaw; Mieksch; Mielec; Mieltschin; Miene; Mierevelt

593

Mid Lothian - Mierevelt.

sie mit dem Stamme Manasse besiegte, worauf sie aus der Geschichte verschwinden. Vgl. Midian.

Mid Lothian, s. Edinburghshire.

Midouze (spr. -duhs'), Fluß im südlichen Frankreich, Departement Landes, der aus den beiden bei Mont de Marsan sich vereinigenden Flüssen Midou und Douze entsteht, mündet in den Adour; 43 km lang.

Midrasch (hebr., "Forschung, Schrifterklärung", Plur. Midraschim), die Auslegung des Gesetzes nach den Regeln der rabbinischen Hermeneutik. Die Midrasch-Litteratur, meist vom 4. bis 12. Jahrh. n. Chr. entstanden, umfaßt beinahe sämtliche Bücher des Alten Testaments und weist als die bedeutendsten Werke auf: Mechilta zum 2., Sifra zum 3., Sifre zum 4. und 5. Buch Mosis, M. rabbot zu Pentateuch, Hohelied, Ruth, Klagelieder, Koheleth und Esther, die Pessikta des Rab Kahana, die jüngere Pessikta, Lekach tob, Tanchuma, Jalkut u. a. Außer den genannten existiert noch eine große Anzahl kleinerer Midraschim, von denen viele in Jellineks "Bet hamidrasch" und Horvitz' "Sammlung kleinerer Midraschim" erschienen sind. M. rabbot und Pessikta sind von Wünsche in seiner "Bibliotheca rabbinica" (Leipz. 1880 ff.) ins Deutsche übersetzt.

Midshipman (engl., spr. míddschipmän, "Mittschiffsmann"), in der englischen und nordamerikan. Kriegsmarine Name der Kadetten, welche während der Wache in der Mitte des Schiffs sich aufhalten.

Midüllü, türk. Name der Insel Lesbos.

Miechowitz, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Beuthen, hat eine schöne gotische Kirche, Silbererzgruben und (1885) 3800 meist kath. Einwohner. Dabei der Gutsbezirk M. mit Schloß und Park, Ziegelei und Bergbau auf Galmei- und Eisenerz.

Mieczyslaw (spr. mjétschislaw, "Schwertruhm"), ein slaw. Nationalheld, der in Gestalt eines geharnischten Kriegers mit vier Lichtstrahlen um das Haupt und einem Stierkopf auf der Brust abgebildet ward.

Mieczyslaw, Herzöge und Könige von Polen:

1) M. I. (Miesko I.), Sohn Szemomisls, geb. 931, regierte 962-992, ward durch seine achte Gemahlin, Dombrowka, eine Tochter des Herzogs Boleslaw I. von Böhmen, 965 zum Christentum bekehrt und gründete das Bistum in Posen. Mit den Deutschen, Böhmen und Russen hatte er mehrere Kämpfe zu bestehen. Durch Gero d. Gr., Markgrafen von der Lausitz, ward er dem Deutschen Reich unterworfen. Seine Bildsäule, von Rauch gefertigt, steht neben der seines Sohns und Nachfolgers Boleslaw, des Besiegers der Russen, im Dom zu Posen.

2) M. II. oder der Träge, Sohn Boleslaw Chrobrys, Enkel des vorigen, geb. 990, regierte 1025-34, machte 1028 und 1030 Einfälle in das östliche Sachsen, wurde aber 1032 von Kaiser Konrad II. zum Frieden gezwungen und mußte die slawisch-deutschen Landschaften an den deutschen Kaiser abtreten und dessen Oberhoheit auf dem Hoftag zu Merseburg 1032 persönlich anerkennen, nachdem es ihm gelungen war, seinen Bruder Otto zu beseitigen. Schon vorher hatte er Rothreußen an den Herzog Jaroslaw von Kiew und die Slowakei und Mähren an Ungarn verloren. Er starb 15. März 1034. Sein Sohn war Kasimir I.

3) M. III., Stary oder der Alte, erhielt 1139 bei der Teilung Polens durch seinen Vater Großpolen und kam nach dem Tod seines Bruders Boleslaw IV. (1173) zur Oberherrschaft über Polen und in den Besitz Krakaus. Seine Bedrückungen veranlaßten aber 1177 seine Vertreibung, worauf ihm sein Bruder Kasimir II. folgte. Erst 1196 erhielt M. die Regierung Krakaus wieder zugestanden. Er starb 1202.

Mieksch, Johann Aloys, Sänger und Gesanglehrer, geb. 19. Juli 1765 zu Georgenthal in Böhmen, kam 1777 nach Dresden in das katholische Kapellknabeninstitut, wo er im Gesang und auf verschiedenen Instrumenten gründlichen Unterricht erhielt, studierte dann noch unter dem Kapellmeister Schuster Komposition und fand bald darauf (1783) eine Anstellung bei der katholischen Hofkirchenmusik als Bariton. Durch den Verkehr mit dem Kirchensänger (Kastraten) Vincenzo Caselli angeregt, ergab er sich nunmehr ausschließlich dem Studium des Kunstgesangs und machte sich unter Leitung des Genannten, eines Zöglings der Bologneser Schule des Bernacchi, mit der dort befolgten Methode aufs genaueste bekannt. Im J. 1799 trat er an der Italienischen Oper auf und wurde infolgedessen Mitglied derselben; doch widmete er sich von 1801 an, wo er zum Instruktor der Kapellknaben ernannt wurde, vorwiegend dem Gesangunterricht. 1820 wurde er auf Veranlassung K. M. v. Webers zum Chordirektor an der neuerrichteten Deutschen Oper, und 1824 daneben zum Verwalter der königlichen Privatmusiksammlung ernannt. Nachdem er 1831 pensioniert worden, starb er 24. Sept. 1845 in Dresden. Als Lehrer hat M. das Verdienst, die Traditionen des ältern italienischen Kunstgesangs in Deutschland erhalten zu haben, und sein in dieser Hinsicht wohlberechtigter Ruhm ist durch seine zahlreichen Schüler, unter denen der Gesanglehrer Ferd. Sieber, die Sängerinnen Agnese Schebest (die in ihrer Selbstbiographie ein treues Bild seiner Künstlerpersönlichkeit entworfen hat) und Schröder Devrient; in die weitesten Kreise getragen.

Mielec, Marktflecken in Galizien, an der Wysloka, nordöstlich von Tarnow, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, mit (1880) 5018 Einw.

Mieltschin (Mielzyn), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Bromberg, Kreis Gnesen, hat (1885) 541 kath. Einwohner.

Miene, der Ausdruck des menschlichen Angesichts in seiner individuellen Gestaltung, namentlich der innerer Gemüts- und Seelenzustände. Das Mienenspiel kann Gegenstand künstlerischer Behandlung und Ausbildung sein und bildet einen Teil der mimischen Seite der Schauspielkunst. Die mimischen Bewegungen sind teils auf äußere Zwecke, teils auf den Ausdruck innerer Zustände, nicht selten auf beides zugleich gerichtet. Bei der Geste überwiegen die erstern, bei dem Mienenspiel die letztern. Beide, Mienenspiel und Geste, sind miteinander meist verbunden und wirken, einander ergänzend, zusammen. Weit mehr gilt dies in der noch innigern Verbindung zwischen Rede und Mienenspiel; doch kann das letztere auch der Rede widersprechende Empfindungen, Absichten etc. zum Ausdruck bringen, da der Schauspieler durch das Mienenspiel für den Zuschauer oft gleichzeitig etwas ganz andres ausdrücken soll als für seinen Mitspieler durch die Rede. Auch im stummen Spiel tritt es als selbständiges, von der Rede unmittelbar unabhängiges Moment auf, muß sich aber hierbei dem Charakter und der Bedeutung der Situation jederzeit unterordnen. Vgl. Mimik.

Mierevelt, Michiel Jansze, holländ. Maler, geb. 1. Mai 1567 zu Delft, lernte bei den Malern Willem Willemsz und Augustijn und bis 1583 bei A. van Montfoort zu Utrecht und ließ sich 1625 in die St. Lukasgilde des Haag aufnehmen. Er starb 27. Juli 1641 in Delft. M. hatte großen Ruf in der Porträtmalerei, und der Erzherzog Albrecht bewilligte ihm eine Pension; auch war er Hofmaler