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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mieris; Mieroslawski; Miers; Mies; Miesbach; Miesmuschel

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Mieris - Miesmuschel.

der Prinzen von Oranien. Bei seinem langen Leben hat er eine große Zahl von Bildnissen, die sich durch Korrektheit der Zeichnung und Sorgsamkeit der Detailbehandlung auszeichnen, aber von Härte und Trockenheit nicht frei sind, gemalt. Die meisten sind noch in Holland, namentlich in der königlichen Galerie des Haag und im Rijksmuseum zu Amsterdam. Andre befinden sich in den Galerien von Berlin, München, Schwerin u. a. O. Unter seinen Schülern sind sein Sohn Pieter, geb. 1596, gest. 1623, ebenfalls tüchtiger Porträtmaler, und Paul Moreelse hervorzuheben. Sein Schwiegersohn Willem Jacobsz Delff hat viel nach ihm gestochen.

Mieris, 1) Frans van, der ältere, holländ. Maler, geb. 16. April 1635 zu Leiden, war Schüler des Glasmalers A. Torenvliet und G. Dous und erlangte bald einen solchen Ruf, daß der Großherzog von Toscana und andre Fürsten und vornehme Herren bei ihm Bilder bestellten. Er starb 12. März 1681 in Leiden. Seine Meisterschaft beruht vornehmlich in der Feinheit der malerischen Behandlung, in der Eleganz der Zeichnung und in der virtuosen Wiedergabe des Stofflichen. Doch sind seine Porträte und Genrefiguren, die teils der vornehmen Welt, teils dem Bürgerstand angehören, meist oberflächlich und glatt in der Charakteristik. Seine Genrebilder sind meist auf zwei oder drei Figuren beschränkt. In der Galerie des Haag sind die Bildnisse von M. selbst und seiner Frau, desgleichen in der Münchener Pinakothek. Letztere Sammlung ist besonders reich an Meisterwerken von M.' Hand (das Austernfrühstück, die Lautenspielerin, der Reiterstiefel, der Trompeter, die kranke Frau), viele derselben befinden sich auch in Paris, Dresden (Werkstatt des Künstlers, Frau und Mädchen mit der Laute) und Berlin (junge Dame vor dem Spiegel).

2) Jan van, Sohn des vorigen, geb. 17. März 1660 zu Leiden, lernte bei Lairesse und malte meist Porträte in größerm Maßstab. Er besuchte Deutschland, ging dann nach Florenz und endlich nach Rom, wo er 17. März 1690 starb.

3) Willem van, Sohn von M. 1), geb. 1662 zu Leiden, gest. 27. Jan. 1747 daselbst, malte in ähnlicher Weise kleine Gesellschaftsbilder, stand jedoch dem Vater nach.

4) Frans van, der jüngere, Sohn von M. 3), geb. 24. Dez. 1689 zu Leiden, gest. 22. Okt. 1763 daselbst, malte ebenfalls Genrestücke und Porträte in Nachahmung seines Vaters und Großvaters. Verdienstlicher als seine glatten Bilder sind seine "Historie der nederlandsche vorsten" (Haag 1732-35, 3 Bde.), das "Groot charterboek der graven van Holland, van Zeeland en herren van vriesland" (Leipz. 1753-56, 4 Bde.), zu welchen Werken er die Münzen nach seinen Zeichnungen stechen ließ, und die "Handvesten der stad Leyden" (Leiden 1759, 2 Bde.; den 1. Band sowie die Zusätze zu demselben besorgte Daniel van Alphen).

Mieroslawski, Ludwig von, poln. Revolutionär, geb. 1814 zu Nemours in Frankreich als Sohn eines polnischen Offiziers, der in der Armee des Großherzogtums Warschau gedient hatte, schloß sich als Fähnrich in einem polnischen Regiment dem Aufstand von 1830 an, wurde zum Unterleutnant ernannt und nahm an den Kämpfen gegen die Russen bis zum Schluß teil. Nach Niederwerfung des Aufstandes begab er sich 1831 nach Frankreich und widmete sich hier litterarischen Arbeiten; er schrieb: "Kritische Darstellung des Feldzugs von 1831" (deutsch, Berl. 1848, 2 Bde.); "Histoire de la révolution de Pologne" (Par. 1836-38, 4 Bde.). 1842 zum Mitglied der Zentralbehörde der polnischen Emigranten in Paris erwählt, ward er 1845 zum Zweck einer Schilderhebung in seinem Vaterland nach Posen entsendet, hier aber verraten, 12. Febr. 1846 verhaftet und nach einem 1½jährigen Prozeß 17. Nov. 1847 in Berlin zum Tod verurteilt, jedoch zu lebenslänglicher Gefängnisstrafe begnadigt. Durch die Märzrevolution in Berlin 1848 aus dem Moabiter Zellengefängnis befreit, begab er sich nach Posen und begann sofort, eine polnische Freischar zu bilden und einen Aufstand zu organisieren. Die preußischen Behörden verhandelten erst mit ihm; als M. aber selbst den deutschen Teil Posens für das künftige Königreich Polen begehrte und die deutsche Bevölkerung terrorisierte, trieb General Colomb die Insurgenten schnell zu Paaren, und M. mußte bei Bardo an der russischen Grenze kapitulieren. Wiederum begnadigt, ging er nach Paris zurück, wo er eine Darstellung des posenschen Aufstandes: "Powstanie poznanskie" (Par. 1853), herausgab, und begab sich von da Anfang 1849 nach der Insel Sizilien, um hier den Oberbefehl über die Kriegsmacht der Aufständischen zu übernehmen. Er konnte hier der Revolution ebensowenig zum Sieg verhelfen wie sodann in Baden, wohin er Anfang Juni als Obergeneral der revolutionären Armee berufen wurde. Nach Unterdrückung des badischen Aufstandes floh er in die Schweiz, von da nach Frankreich. Nach dem Ausbruch des polnischen Aufstandes von 1863 von der polnischen Nationalregierung 25. Jan. zum Diktator ernannt, erschien er 17. Febr. auf dem Kriegsschauplatz, ward aber bereits 22. d. M. bei Raziejewo von den Russen entscheidend geschlagen und zur Flucht gezwungen und lebte seitdem wieder in Paris, wo er 23. Nov. 1878 starb.

Miers, bei botan. Namen für J. ^[John] Miers, engl. Reisender in Südamerika, geb. 1789, gest. 1879.

Mies (tschech. Střibro, d. h. Silber), Stadt im westlichen Böhmen, am Fluß M. (im weitern Lauf Beraun genannt, s. d.) und an der Staatsbahnlinie Pilsen-Eger, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts und Revierbergamtes, hat ein altes Rathaus, eine Brücke mit Turm aus dem 16. Jahrh., ein Obergymnasium, Bergbau auf Blei mit etwa 500 Arbeitern, Bleischmelzhütte und Schroterzeugung, Bierbrauerei und (1880) 4179 Einw. 1427 ergriff das Reichsheer, welches M. belagerte, vor den Hussiten die Flucht. In der Nähe ein Silberbergwerk (Kscheutz).

Miesbach, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, am Fuß der Alpen, an der Schlierach und der Linie München-Schliersee der Bayrischen Staatsbahn, 677 m ü. M., hat ein Schloß, ein Bezirksamt, ein Amtsgericht, Papierfabriken, Steinkohlengruben, Viehhandel und (1885) 2396 kath. Einwohner.

Miesmuschel (Mytilus L.), Gattung aus der Familie der Miesmuscheln (Mytilidae). Die gemeine oder eßbare M. (M. edulis L.), mit länglich eiförmiger, fast keilförmiger Schale, bis 8 cm lang, meist einfarbig violettblau oder violett gestreift auf hellerm Grund, findet sich fast in allen Meeren rings um Europa, an den deutschen Küsten auf Sandbänken in unzähliger Menge. Die einzelnen Muscheln hängen meist mit den Byssusfäden, mittels deren sie sich am Grund festheften, aneinander. Sie dienen nicht nur als Köder, sondern werden auch häufig sowohl roh als gebraten gegessen und vielfach gezüchtet. Bei La Rochelle, gegenüber der Insel Ré, hat man Pfähle in Reihen, die paarweise gegen das Meer hinaus konvergieren, eingerammt und durch Flechtwerk miteinander verbunden. Die so erhaltenen