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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Milbenspinne; Milbensucht der Birnbäume; Milch

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Milbenspinne - Milch.

für Pilzbildungen (Phyllerium, Erineum) gehalten. - Die Pflanzen- oder Laufmilben (Trombidina Leach), weichhäutig, lebhaft gefärbt, mit meist ungeteiltem Körper, klauen- oder stilettförmigen Kieferfühlern, kurzem, gedrungenem Kiefertasterpaar mit zwei scherenartig sich gegenüberstehenden Endgliedern, an denen das eine klauenförmig ist, langen, plumpen Lauffüßen, meist zwei Augen und Tracheenatmung, laufen auf der Erde und an Pflanzen; die sechsbeinigen Larven leben parasitisch von Pflanzensäften und vom Blut andrer Gliederfüßler. Die Samtmilbe (Kochenillemilbe, Trombidium holosericeum L.), 2,25 mm lang, fast viereckig, hinten schmäler, samtartig scharlachrot, lebt auf Moos etc. und nährt sich von Räupchen etc.; die Larven leben parasitisch an Weberknechten, Blattläusen etc. Die viel größere Färbermilbe (T. tinctorium Fabr.) dient in Guinea zum Rotfärben. Die Milbenspinne (Tetranychus telearius L.), 1 mm lang, orangegelb, fein behaart, seitlich rostgelb gefleckt, besitzt Spinndrüsen, lebt unter einem mit diesen gefertigten Gespinstüberzug auf der Unterseite der Lindenblätter von deren Saft und überzieht auch die Zweige mit glitzerndem Gespinst. Auf Gewächshauspflanzen wird eigentümliches Ergrauen und Mattwerden der Unterfläche der Blätter vielleicht durch andre Arten hervorgebracht. Die Herbstgrasmilbe (Leptus autumnalis Ant.), vielleicht die sechsbeinige Jugendform einer Tetranychusart, lebt als rotes Pünktchen an dürrem Gras, Getreidehalmen, Stachelbeerbüschen, bohrt sich gleich der Zecke in die Haut des Menschen und erzeugt heftiges Jucken und Fressen, wird aber durch Benzin oder Tabakslauge leicht beseitigt. Vgl. Pagenstecher, Beiträge zur Anatomie der M. (Leipz. 1860); Gerlach, Krätze und Räude (Berl. 1857); Fürstenberg, Die Krätzmilben der Menschen und Tiere (Leipz. 1861); Zürn, Über M., welche Hautkrankheiten bei Haustieren hervorrufen (Wien 1877); Haller, Die M. als Parasiten der Wirbellosen (Halle 1880).

Milbenspinne, s. Milben.

Milbensucht der Birnbäume, s. Akariasis.

Milch, der Same der Fische.

Milch, eine in besondern Drüsen weiblicher Säugetiere und der Frau zum Zweck der Ernährung ihrer neugebornen Jungen abgesonderte wässerige Lösung von Käsestoff, Eiweiß, Milchzucker und Salzen, in welcher Fett sehr fein (emulsionsartig) verteilt ist. Die Bildung der M. erfolgt in den Milchdrüsen. Man hat angenommen, sie werde aus dem Blute durch die Thätigkeit der Drüsen einfach abgeseiht; aber viel wahrscheinlicher ist, daß wenigstens ein Teil und wohl der bei weitem überwiegende Teil der Milchstoffe erst in der Drüse gebildet wird. Nach dieser Ansicht beruht die Entstehung der M. auf einem allmählichen, von einer fettigen Entartung begleiteten Zerfall der Drüsenzellen. Der Käsestoff wäre dann ein Umwandlungsprodukt des in den Zellen enthaltenen Eiweißes, der Milchzucker durch Zersetzung von Eiweiß und Fett, bei Pflanzenfressern vielleicht auch zum Teil aus dem Traubenzucker des Bluts entstanden. Das Fett dürfte bei Fleischfressern wohl lediglich Produkt der fettigen Metamorphose des Eiweißes sein, während bei Pflanzenfressern wahrscheinlich auch noch Fett aus dem Blut in die Drüsenzellen abgelagert wird. Diese Theorie der Milchbildung setzt eine ungemein große Intensität des Auflösungs- und Neubildungsprozesses von Drüsengewebe voraus, während gegen die zweite Anschauung entschieden die Thatsache spricht, daß die Zusammensetzung der M. durch die Art und Weise der Fütterung nur in ganz geringem Grad beeinflußt wird. Sicher steht die Milchabsonderung aber auch unter dem Einfluß des Nervensystems. Psychische Erregungen wirken namentlich auch auf die qualitative Zusammensetzung der Frauenmilch ein, und Ähnliches ist von Tieren bekannt. Aufregungen der Milchkühe, wie durch Entziehung des Kalbes, Unterbringung in einem fremden Stall etc., vermindern, Streicheln und Klopfen des Euters etc. befördern die Milchabsonderung. Die M. entfließt dem Euter unter dem durch das Maul des saugenden Jungen ausgeübten Druck, welcher den Widerstand von Schließmuskeln zu überwinden hat; beim Melken sucht man mit der Hand in möglichst ähnlicher Weise zu wirken, und es ist bekannt, daß sich durch zweckmäßige Handgriffe und sanfte Behandlung des Tieres die Ausbeute ganz erheblich steigern läßt. Da aber das Melken eine ebenso anstrengende als wenig fördernde Arbeit ist, so hat man wiederholt versucht, die M. durch andre mechanische Mittel zu gewinnen. Allein die Melkröhrchen (Milchkatheter), dünne Röhren, welche in die Zitze eingeführt werden und so durch Aufhebung des in dem Schließmuskel gegebenen Widerstandes die abgesonderte M. frei abfließen machen, führen bei andauerndem Gebrauch zur Erschlaffung der Schließmuskeln der Zitzen (bei wunden Zitzen, geschwollenem Euter, kranken Tieren sind sie immerhin empfehlenswert), und die nach Art einer Pumpe wirkende Melkmaschine bedarf mindestens noch bedeutender Verbesserungen, um für die Praxis brauchbar zu werden.

Abnorme Milchabsonderung ist wiederholt bei jungfräulichen Tieren (Ziegen, Kühen, Hündinnen) und Mädchen beobachtet worden und scheint durch mechanische Reizung der Brustdrüsen hervorgerufen werden zu können. Frey hat eine Kuh beobachtet, welche nie gerindert, nie ein Kalb gehabt und viele Jahre hindurch ohne Unterbrechung täglich ca. 12 Lit. M. gab. Auch an männlichen Tieren und Menschen ist abnorme Milchabsonderung wiederholt beobachtet worden, und bei einem Hasen, Lepus Bairdii, im Felsengebirge Nordamerikas scheint das Männchen regelmäßig M. zu liefern.

[Bestandteile.] Die für das unbewaffnete Auge undurchsichtige, mattweiße, gelbliche oder bläuliche M. erscheint unter dem Mikroskop als farblose, durchsichtige Flüssigkeit, in welcher zahllose kleine Fetttröpfchen verteilt sind. Das spezifische Gewicht der M. wird durch die in Lösung befindlichen Milchbestandteile erhöht, durch die Fettkügelchen aber herabgedrückt; es schwankt bei Kuhmilch von 15° in weitaus der größten Mehrzahl der Fälle zwischen 1,029 und 1,034. Die Temperatur der frisch aus dem Euter kommenden M. ist 35-37°, Gefrier und Siedepunkt der M. weichen kaum von denen des reinen Wassers ab. Die Kuhmilch reagiert fast stets neutral (amphoter). Sie enthält 3-5,5 Proz. Käsestoff oder Kasein, welches aber nicht gelöst, sondern in Verbindung mit phosphorsaurem Kalk in Form einer überaus zarten gequollenen Masse vorhanden ist. Neben dem Kasein enthält die M. an Proteinkörpern noch Eiweiß und Laktoprotein. Beim Erhitzen an der Luft bildet der Käsestoff eine unlösliche Haut auf der M. und beim Sauerwerden der M. oder auf Zusatz von Säure scheidet er sich aus. Labferment greift die Verbindung des Käsestoffs mit dem phosphorsauren Kalk an, die größte Menge des Käsestoffs wird ausgeschieden, und nur ein kleiner Teil einer Calciumphosphatverbindung des Käsestoffs bleibt gelöst. Beim Erhitzen der von dem ausgeschiedenen Käsestoff getrennten Flüssigkeit unter Zu-^[folgende Seite]