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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Milkow; Milkowski; Mill; Mill.

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Milkow - Mill.

Milkow, Nebenfluß der Putna (zum Sereth) in Rumänien, fließt an Fokschani vorüber und bildete ehedem die Grenze zwischen den beiden Fürstentümern Moldau und Walachei.

Milkowski, Sigismund, unter dem Pseudonym Theodor Jez bekannter poln. Schriftsteller, geb. 1820 in Podolien, besuchte die Universität zu Kiew, wanderte 1846 aus, beteiligte sich 1848 an dem ungarischen Aufstand, hielt sich dann in der Walachei auf und trat wieder während des polnischen Aufstandes von 1863 politisch in den Vordergrund. Seit 1871 lebt er in Lausanne. M. führte sich gegen das Ende der 50er Jahre durch eine Reihe von Erzählungen (zuerst in der "Gazeta Warszawska") ziemlich geräuschvoll in die polnische Litteratur ein. Dieselben erregten zumeist deshalb Aufsehen, weil darin die sonst selten behandelten südslawischen und ungarischen Verhältnisse mit großer Sachkenntnis und künstlerischem Geschick dargestellt waren. Diese ersten Erzählungen, namentlich "Handzia Zahornicka" (Wilna 1860), "Szandor Kowacz" (das. 1861), "Historya o praprawnuku i prapradziatku" (das. 1864), sind, obschon ihnen seither eine stattliche Reihe nachgefolgt ist, seine besten Schöpfungen. Die slawisierende Richtung ward fortgesetzt in: "Uskoki" (Warsch. 1870); "Naczeczona Harambaszy" (das. 1872); "Zarnica" (1875); "Slowianski Hercog" (das. 1876); "Lech, Czech, Rus" (Pos. 1878); "Li i tamci" (1887) u. a. Weniger glücklich erweist sich M. in seinen der polnischen Geschichte entnommenen Romanen, wie "Derslaw z Rytwian" (Warsch. 1872) und "Za Króla Olbrachta" (das. 1876). Zu erwähnen sind noch: "Dwór w Chrustowie" und "Ofiary" (Warsch. 1875); "Pod opuchem" (Lemb. 1876) und "Wyśniona" (Warsch. 1878) etc.

Mill., bei botan. Namen Abkürzung für P. Miller, geb. 1691 in Middlesex, starb als Gärtner des botanischen Gartens zu Chelsea 1771. Gärtnerlexikon.

Mill, 1) James, engl. Historiker und Nationalökonom, geb. 6. April 1775 in der schottischen Grafschaft Angus, widmete sich zu Edinburg dem Studium der Theologie, sodann aber in London der Schriftstellerei und ward Mitarbeiter an mehreren Journalen. Zugleich wirkte er eifrig für die Errichtung von Lancasterschulen und war später einer der Gründer der Londoner Universität. Seine "History of British India" (Lond. 1818-19, 6 Bde.; neue Ausg. 1872, 10 Bde.) ward mit allgemeinem Beifall aufgenommen, und obwohl sie die Mißbräuche der indischen Verwaltung schonungslos aufdeckte, erhielt ihr Verfasser doch von der Ostindischen Kompanie einen einträglichen Posten im India House. M. schrieb ferner: "Elements of political economy" (Lond. 1821, neue Ausg. 1846) und eine Anzahl philosophischer Werke, darunter "Analysis of the phenomena of the human mind" (1829; neue Ausg., mit Anmerkungen von John Stuart M., 1869; 2. Aufl. 1878, 2 Bde.). Er starb 23. Juni 1836 in Kensington. Eine Charakteristik von ihm liefert die Autobiographie seines Sohns (s. unten). Vgl. Bain, James M. (Lond. 1882).

2) John Stuart, Philosoph und Nationalökonom, Sohn des vorigen, geb. 20. Mai 1806 zu London, wurde von seinem Vater mit völliger Beiseitelassung jedes Religionsunterrichts erzogen, zeigte bereits mit 14 Jahren eine solche Frühreife, daß ein Mann wie Jer. Bentham ihn seines Umgangs würdigte, und vollendete seit 1820 seine Ausbildung in Frankreich. Seine schriftstellerische Thätigkeit begann er als Mitarbeiter an der radikalen "Westminster Review", war von 1853 bis 1858 Beamter der Ostindischen Kompanie, 1865-68 Mitglied des Unterhauses und starb während einer Reise 8. Mai 1873 in Avignon. M. verdankt seinen Ruhm als Philosoph vorzüglich seinem Hauptwerk, dem "System of logic, ratiocinative and inductive", das er 1832 begann, 1837 und 1840 fortsetzte und 1841 vollendete, worauf es 1843 im Druck erschien (9. Aufl. 1875, 2 Bde.; Ausg. in 1 Bd. 1884; deutsch von Schiel, 4. Aufl., Braunschw. 1877). Dasselbe steht auf dem Boden des Baconschen Empirismus und geht darauf aus, "den induktiven Prozeß auf strenge Regeln und einen wissenschaftlichen Probierstein, wie es der Syllogismus für das Schließen ist, zurückzuführen". Die entgegenstehende Ansicht hat er in seiner "Examination of Sir W. Hamilton's philosophy" (5. Aufl. 1878) zu widerlegen gesucht. Mills Theorie der Induktion war in ihren Grundzügen fertig, als er Comtes (s. d.) "Cours de philosophie positive" kennen lernte und durch denselben für eine Reihe von Jahren ein ebenso feuriger Anhänger der positiven Philosophie wie später entschiedener Gegner der positiven Politik desselben wurde. Letztere hat er in seiner Schrift "Auguste Comte and the positivism" (Lond. 1865, 3. Aufl. 1882; deutsch von Elise Gomperz, Leipz. 1874) hauptsächlich ihrer hierarchischen Tendenzen halber einer vernichtenden Kritik unterzogen. Als Nationalökonomen haben M. zuerst seine 1844 erschienenen "Essays on some unsettled questions of political economy" (2. Aufl. 1874) Ruf verschafft, die Vorläufer seiner 1848 zuerst erschienenen "Principles of political economy" (7. Aufl. 1871), die in England sich als das neben den Werken von Macculloch verbreitetste und angesehenste Lehrbuch der Nationalökonomie behauptet haben. Wesentlich an die Gedanken von Adam Smith und Ricardo anknüpfend, hat M. vorzugsweise nach Vollständigkeit und Systematik gestrebt, sich indessen sozialistischen Anwandlungen, zu welchen er durch den Schüler Saint-Simons, G. d'Eichthal, Anregung empfing, nicht verschlossen. Von den zahlreichen politischen Schriften Mills sind besonders zu nennen die "Considerations on representative government" (1861, 3. Aufl. 1865), ferner der "Essay on liberty" (1859 u. öfter). M. stand als Politiker durchaus auf dem Boden der radikalen Parteien und ist, nicht ohne Beeinflussung durch seine geistreiche und hoch gesinnte Freundin und nachherige Frau (Mrs. Taylor), die auf ihn einen ähnlichen Zauber ausübte wie Madame de Vaux auf Aug. Comte, ein eifriger Anhänger des Frauenstimmrechts gewesen, für das er namentlich in der "Subjection of women" (1869, 5. Aufl. 1883; deutsch von Hirsch, 2. Aufl., Berl. 1872) eintrat. Er gehörte zu den wenigen Engländern, die für die amerikanische Union gegen die Rebellenstaaten Partei ergriffen. Im Unterhaus hielt er eine Anzahl gehaltvoller Reden, ohne indessen bei seinem weit vorgeschrittenen Parteistandpunkt einen großen Einfluß auszuüben. M. war eine durch und durch adlige Natur, so daß Gladstone über ihn äußerte, es müsse den moralischen und intellektuellen Ton des Parlaments erniedrigen, wenn Mills Teilnahme an den Verhandlungen fehle. Seine "Dissertations and discussions" erschienen gesammelt in 4 Bänden (2. Aufl., Lond. 1875); nach seinem Tod erschienen seine "Autobiography" (1873; deutsch, Stuttg. 1874), in welcher er seine Erziehung ausführlich schildert, und "Nature; the utility of religion; and theism" (1874, 3. Aufl. 1885), religiöse Aufsätze aus seinem Nachlaß, welche eine ernstliche Hinneigung zum Manichäismus (dem schon sein Va-^[folgende Seite]