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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Militärwaisenhäuser; Militärwissenschaft; Militello; Militia; Militsch; Militschéwitsch; Militz; Milĭum; Milīz; Miljutin

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Militärwaisenhäuser - Miljutin.

§ 29 der Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869 abgelegt. Vor Beförderung zum Oberroßarzt ist ein neuer sechsmonatlicher Kursus auf der Schule durchzumachen. Die Lehrschmieden s. d. Das roßärztliche Personal in Bayern besteht ähnlich aus Oberstabsveterinären, Korpsstabsveterinären, Stabsveterinären und Veterinären 1. und 2. Klasse. In Österreich heißen die Roßärzte Kurschmiede; sie erhalten ihre Ausbildung auf dem Militärtierarzneiinstitut mit Hufbeschlagslehranstalt in Wien.

Militärwaisenhäuser bestehen in Preußen zu Potsdam und Schloß Pretzsch (Kreis Wittenberg). Aufnahme finden gesunde eltern- oder vaterlose Söhne und Töchter verstorbener Militärs im Alter von 6 bis 12 Jahren, die Knaben evangelischer und katholicher ^[richtig: katholischer] Konfession in Potsdam, die evangelischen Mädchen in Pretzsch, die katholischen in Erziehungsanstalten oder Familien. Mit dem Waisenhaus ist auch eine Militärschule verbunden, deren Zöglinge dann in die Armee eintreten. Österreich hat ein Militärwaisenhaus zu Fischau bei Wiener-Neustadt.

Militärwissenschaft, s. v. w. Kriegswissenschaft.

Militello, Stadt in der ital. Provinz Catania (Sizilien), Kreis Caltagirone, mit Weinbau, Handel mit Seide, Südfrüchten etc. und (1881) 10,505 Einw.

Militia (lat.), Kriegsdienst, Kriegsmacht. Das römische Heer wurde durch Auslese (legio) aus der auf die drei Stammtribus verteilten Plebs in der Weise gebildet, daß jede Tribus 100 Berittene und 1000 Fußgänger aufbrachte. Während die Berittenen vorzugsweise den Patriziern entnommen wurden, waren die Tausendgänger (milites), welche die Masse bildeten, Plebejer; diese Milites waren daher die Hauptmacht der Heere.

Militsch, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Hauptstadt der gleichnamigen Standesherrschaft, an der Bartsch und der Linie Öls-Gnesen der Preußischen Staatsbahn, 106 m ü. M., hat eine evang. Gnadenkirche von 1709, eine katholische und eine altluther. Kirche, eine Synagoge, ein Amtsgericht und (1885) mit der Garnison (4 Eskadrons Ulanen Nr. 1) 3793 meist evang. Einwohner. Unmittelbar dabei das Schloß M. des Grafen von Maltzan.

Militschéwitsch, Schriftsteller, s. Milićević.

Militz (Milicius, tschech. Milec), Johann, Vorläufer von Johann Huß, gebürtig aus Kremsier in Mähren, war erst Geistlicher, dann Sekretär des Kaisers Karl IV. und wirkte als Archidiakon in Prag. 1363 legte er seine Ämter und Würden nieder und eiferte in der Volkssprache gegen die Mißbräuche der Kirche und die Sittenlosigkeit des Klerus. 1367 ging er nach Rom, um den Papst zu einer Reform der Kirche zu bewegen, ward infolge der Äußerung, daß der Antichrist bereits gekommen, eingekerkert, durfte jedoch nach Prag zurückkehren, wo er 1369 Pfarrer an der Teynkirche ward. Infolge einer neuen Verketzerung ging er zum Papst nach Avignon, wo er 29. Juni 1374 starb. Seine Schriften ließ der Erzbischof Sbynko 1410 verbrennen. Vgl. Jordan, Die Vorläufer des Hussitentums (Leipz. 1846); Krummel, Geschichte der böhmischen Reformation (Gotha 1866); Palacky, Die Vorläufer des Hussitismus in Böhmen (Prag 1869); Lechler, J. ^[John] von Wiclif und die Vorgeschichte der Reformation, Bd. 2 (Leipz. 1873).

Milĭum L. (Flattergras, Hirsegras, Milisgras), Gattung aus der Familie der Gramineen, Gräser mit eiförmigen, spitzen, unbegrannten Hüllspelzen, langgestielten, kleinen Ährchen und eiförmigen, unbegrannten Deckspelzen. M. effusum L. (Waldhirse), ein 60-120 cm hohes, perennierendes Gras mit aufrechten Halmen, dunkelgrünen Blättern und weit ausgebreiteter Rispe mit einblütigen Grasährchen. Die Waldhirse wächst in Laubwäldern und liefert für Waldweide treffliches Gras. Die Samen gleichen der Hirse, sind aber kleiner.

Milĭum (Grutum, Hautgrieß), weißgelbliche Knötchen, die oberflächlich in der Haut und zwar vollständig unter der Epidermis, besonders gern in den Augenlidern, sitzen und auf ähnliche Weise entstehen wie Mitesser.

Milīz (v. lat. militia), ursprünglich Streitkräfte überhaupt, also s. v. w. heute Militär, später Land- und Bürgertruppen, die nur für den Krieg formiert, nach dessen Beendigung aber wieder aufgelöst werden, Solche Milizen gab es schon im 16. Jahrh. fast in allen Staaten unter verschiedenen Benennungen. In Frankreich und Spanien hießen später M. die aus dem Land Ausgehobenen im Gegensatz zu den Angeworbenen. Jetzt versteht man unter M. Truppen aus Landesangehörigen, die, ohne volle Ausbildung im Heer zu erhalten, im Frieden nur zu kurzen Übungen einberufen, für den Krieg aber auf Grund vorbereiteter Organisation formiert werden. Beim Milizsystem beruht das ganze Wehrwesen auf solchen Formationen, wie z. B. in der Schweiz. Eine wichtige Rolle neben einem geworbenen Heer spielt die M. in Großbritannien. Unter den Begriff M. fallen auch Nationalgarden, Landsturm, Territorialtruppen, wie die schwedische Indelta, die holländische Schutterij, auch die österreichische Landwehr etc., die alle neben ausgedienten Soldaten auch andre Elemente aufnehmen (vgl. Volksbewaffnung). In Italien und Rumänien ist M. die Benennung der Landwehr.

Miljutin, Dimitri Alexejewitsch, Graf, russ. Kriegsminister, geb. 10. Juli 1816 zu Moskau, ward 1833 Offizier und machte unter den Generalen Grabbe und Barjatinskij die kaukasischen Feldzüge mit. 1848 ward er vorübergehend ins Kriegsministerium kommandiert, wo er die Mängel des russischen Heerwesens kennen lernte, 1856 Generalstabschef der Kaukasusarmee, im September 1860 Adjunkt und Stellvertreter des Kriegsministers und legte 19. Febr. 1861 dem Kaiser den Plan einer radikalen Reform der Armee vor, welchen er, im Januar 1862 zum Kriegsminister ernannt, durchführte. Die Reorganisation zeigte zwar im türkischen Krieg 1877-78 manche Mängel, besonders im Verpflegungswesen; die Verstärkung und Ergänzung des Heers ging aber leicht und schnell von statten, und in Anerkennung seiner Verdienste wurde M. im September 1878 in den Grafenstand erhoben. Von Alexander III. wurde er, weil er dessen streng absolutistisches Manifest vom 11. Mai 1881 nicht billigte, entlassen. Er verfaßte eine große Anzahl militärwissenschaftlicher und kriegsgeschichtlicher Schriften, unter andern eine Geschichte des Feldzugs Suworows im J. 1799 etc. - Sein Bruder Nikolai (geb. 6. Juni 1818, gest. 7. Febr. 1872 in Moskau), Staatssekretär im Ministerium des Innern, machte sich um die von Alexander II. eingeführten Reformen: Umgestaltung des Kreditwesens, Aufhebung der Leibeigenschaft, Einführung der Provinzialinstitutionen, Organisation der agrarischen Verhältnisse der Bauern und Neuordnung der Verhältnisse in Polen, hochverdient. 1863-66 Chef des Organisationskomitees für Polen, suchte er hier durch Einführung des russischen Agrarsystems die Macht des Adels und des Klerus zu brechen. Vgl. Leroy-Beaulieu, Un homme d'État russe (Par. 1884).