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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Miq.; Miquel; Miquelétes; Miquelon; Mir; Mira; Mirabeau

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Miq. - Mirabeau.

geteilt, quadriert oder mehrmals gespalten und gequert wurden, wie man es häufig in den Bilderhandschriften des Sachsenspiegels sieht. Dazu kommt im 15. Jahrh. noch eine Verschiedenheit des Stoffes an demselben Kleidungsstück, die sich dann im 16. Jahrh. auf die verschiedenen Stoffe und Farben der Puffe, Schlitze, Aufschläge etc. beschränkt. Die Frauen hatten sich dieser Mode fast völlig enthalten. S. Tafel "Kostüme II", Fig. 1.

Miq., bei botan. Namen Abkürzung für F. A. W. Miquel (s. d.).

Miquel (spr. mikel), 1) Friedrich Anton Wilhelm, Botaniker, geb. 24. Okt. 1811 zu Neuenhaus in Hannover, studierte seit 1829 zu Groningen Medizin und lieferte noch als Student eine Bearbeitung der niederländischen Kryptogamen, welche als zweite Abteilung von Halls "Flora Belgii septentrionalis" erschien. 1833 nahm er eine Stelle als Hospitalarzt in Amsterdam an, aber schon 1835 wurde er zum Lektor der Botanik an der klinischen Schule in Rotterdam ernannt. 1846 ging er als Professor am Athenaeum illustre nach Amsterdam und widmete sich nun ausschließlich der Botanik, in welcher er sich durch seine "Monographia generis Melocacti" (Bresl. 1841), die "Genera Cactearum" (Rotterd. 1839), die "Monographia Cycadearum" (Utrecht 1842), das "Systema Piperacearum" (Rotterd. 1843-44), die "Illustrationes Piperacearum" (Bresl. 1844) etc. bereits einen berühmten Namen erworben hatte. Mit Vorliebe bearbeitete er die tropischen Pflanzen und schrieb: "Analecta botanica indica" (Amsterd. 1850-52, 3 Tle.); "Stirpes surinamenses electae" (Leid. 1850); "Flora Indiae batavae" (Amsterd. 1855-59, 3 Tle. mit Suppl.), das Hauptwerk für die Flora des Indischen Archipels. Als Mitglied der geologischen Kommission der Niederlande schrieb er: "De fossile planten van het kryt in Limborg". 1859 folgte er einem Ruf als Professor der Botanik nach Utrecht, und 1862 wurde er zum Direktor des Reichsherbariums in Leiden ernannt. Er begann nun zum Teil mit Hilfe tüchtiger Mitarbeiter die bis dahin zu wenig bekannten reichen Schätze dieser Sammlung in den "Annales Musei Lugduno-Batavi" zu bearbeiten und lieferte außerdem "Prodromus systematicus Cycadearum" (Amsterd. 1861); "Sumatra, seine Pflanzenwelt und deren Erzeugnisse" (Leipz. 1862); "Choix des plantes rares ou nouvelles cultivées et dessinées dans le jardin botanique de Buitenzorg" (Haag 1863); "Prolusio florae japonicae" (Amsterd. 1865-67); "De Palmis Archipelagi indici" (das. 1868); "Illustrations de la flore de l'Archipel indien" (das. 1870). Auch bearbeitete er für De Candolles "Prodromus" die Kasuarineen und für die "Flora brasiliensis" acht Familien. Er starb 23. Jan. 1871 in Utrecht.

2) Johannes, deutscher Staatsmann, geb. 21. Febr. 1829 zu Neuenhaus in der Grafschaft Bentheim aus einer französischen Emigrantenfamilie, studierte 1846-49 die Rechte in Heidelberg und Göttingen, ließ sich dann als Anwalt in Göttingen nieder und wurde Wortführer des dortigen Bürgerkollegiums. 1864 zu Münden in die hannöversche Zweite Kammer gewählt, entfaltete er ein ebensosehr durch Sachkenntnis in den Finanzangelegenheiten wie glänzende Beredsamkeit erfolgreiches Wirken. Eine scharfe, aber gerechte Kritik der hannöverschen Verwaltung enthalten seine Schriften: "Das neue hannöversche Finanzgesetz von 1857" (Leipz. 1861) und "Die Ausscheidung des hannöverschen Domanialguts" (das. 1863). M. gehörte auch zu den Begründern des Deutschen Nationalvereins wie zu dem Sechsunddreißigerausschuß. 1865 ward er als Bürgermeister von Osnabrück Stüves Nachfolger und als Landrat der städtischen Kurie Mitglied des Osnabrücker Provinziallandtags. Seit 1867 nationalliberales Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und des Reichstags, errang er durch seine bedeutende Rednergabe, seine unermüdliche Arbeitskraft, seine vielseitige und doch gründliche Bildung rasch eine hervorragende Stellung. Besonders an der Beratung über die Reform der Verwaltung nahm er Anteil; er war Vorsitzender der großen Justizkommission, welche das neue deutsche Prozeßrecht beriet, und Referent derselben im Reichstag, der am 21. Dez. 1876 die Justizgesetze annahm. Zurückhaltender zeigte er sich in den Verhandlungen über die Maigesetze, da seine kirchliche Richtung eine konservative ist. 1869 vom König bei dessen Anwesenheit in Osnabrück zum Oberbürgermeister ernannt, siedelte er 1870 nach Berlin über und trat als juristischer Beirat in die Direktion der Diskontogesellschaft. Im November 1873 gab er diese Stellung wieder auf. Im Herbst 1876 wurde M. von neuem zum Oberbürgermeister von Osnabrück erwählt, im Dezember von der juristischen Fakultät der Universität Berlin wegen seiner Verdienste für das deutsche Rechtswesen zum Ehrendoktor krëiert und 1879 zum Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. erwählt. Auch ist er Mitglied des Herrenhauses und des Staatsrats. Nachdem er 1876 sein Reichstagsmandat niedergelegt, ließ er sich 1887 wieder wählen und trat nebst Bennigsen von neuem an die Spitze der nationalliberalen Partei.

Miquelétes (span., spr. mike-), Soldtruppen, welche bis in die neueste Zeit (1877) die Städte der baskischen Provinzen, die nach ihrem alten Recht (fueros) vom Militärdienst frei waren, zum Garnisondienst aufstellten; früher wurden die in den südlichen Pyrenäen ihr Wesen treibenden Räuber als M. bezeichnet. Miquelets français nannten sich 1804 französische, gegen spanische Guerillas gebildete Freikorps.

Miquelon (spr. mik'lóng), Insel dicht bei Neufundland, hat mit der durch eine Sandbank mit ihr verbundenen Insel Langlade ein Areal von 202 qkm (3,7 QM.) und (1885) 5765 Einw. M., mit Saint-Pierre (s. d.), ist der einzige Überrest der ausgedehnten Kolonien, welche die Franzosen bis 1763 in Nordamerika besaßen. Für die französischen Fischereien ist dieses Besitztum von großer Bedeutung (s. Neufundlandbank). Die Einfuhr erreichte 1884 einen Wert von 12,690,000, die Ausfuhr 16,640,000 Frank.

Mir (arab., Abkürzung von Emir), in den östlichen mohammedan. Staaten s. v. w. Befehlshaber, Aufseher; in der Türkei namentlich in Zusammensetzungen, z. B.: M.-Alai, Oberst eines Regiments; M.-Achon, Oberststallmeister etc. Miri ist das Beiwort aller auf den Fiskus bezüglichen Güter.

Mir (russ.), Friede, Gemeinde, insbesondere die russische aus den Einwohnern eines oder auch mehrerer benachbarter Dörfer bestehende Gemeinschaft, welche Eigentümerin von Grund und Boden ist und denselben von Zeit zu Zeit zur Nutznießung unter ihre Mitglieder verteilt. Die Gemeinschaften können durch Mehrheitsbeschluß der Angehörigen aufgelöst werden; infolge hiervon werden sie voraussichtlich mit zunehmender Entwickelung von Wirtschaft und Verkehr mehr und mehr verschwinden. Vgl. Laveleye, Das Ureigentum (deutsch, Leipz. 1879).

Mira (lat., "die Wunderbare"), veränderlicher Stern im Sternbild des Walfisches (s. d.).

Mirabeau (spr. -bo), 1) Victor Riquetti, Marquis von, franz. Physiokrat, geb. 5. Okt. 1715 zu Pertuis in der Provence, stammte aus einer italieni-^[folgende Seite]