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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mithut - Mitrowitz.

taxata, ward aber dann durch die Weigerung seiner Truppen, weiter zu marschieren, zur Umkehr gezwungen, wodurch M. Gelegenheit erhielt, sein Reich wiederzuerobern. Nun übernahm aber 66 Pompejus den ihm durch das Manilische Gesetz übertragenen Oberbefehl. Dieser schlug M. bei Zela am Euphrat an der Stelle des nachher zum Andenken an diesen Sieg erbauten Nikopolis aufs Haupt und zwang ihn, sich in sein Bosporanisches Reich zu flüchten, wo er zwar wiederum neue Rüstungen machte, um auf dem Landweg durch Thrakien, Makedonien und Pannonien zu marschieren und die Römer in Italien selbst anzugreifen, dadurch aber einen Aufstand hervorrief, an dessen Spitze sich sein eigner Sohn, Pharnakes, stellte, worauf er, als er sich von allen verlassen sah, sich selbst tötete (63). Die alten Historiker haben ihn den Großen genannt und ihm bedeutende Gaben zugeschrieben, auch geistiger Art; es wird z. B. berichtet, daß er eine kostbare Kunstsammlung in Talaura angelegt und die sämtlichen Sprachen der von ihm unterworfenen 22 Völker zu sprechen gewußt habe; aber in Wirklichkeit unterschied er sich in nichts von den übrigen orientalischen Despoten.

Mithut (Jus compascŭi), das Recht der Benutzung eines Weideplatzes in Gemeinschaft mit mehreren, s. Weidegerechtigkeit.

Mitidscha, Ebene, s. Algerien, S. 347.

Mitigantia (sc. remedia, lat.), besänftigende, beruhigende Mittel; auch s. v. w. Milderungsgründe.

Mitisgrün, s. v. w. Schweinfurter Grün oder eine Mischung desselben mit Scheelschem Grün.

Mitisguß, von T. Nordenfeld 1886 erfundene Legierung von Eisen mit wenig Aluminium, schmilzt leichter als Gußeisen und besitzt die Festigkeit und Zähigkeit des Schmiedeeisens.

Mitjäkinskaja, eine der ältesten Kosakenstanizen, im Donischen Kosakengebiet, links vom Donez, mit einem wichtigen Viehmarkt und (1872) 13,700 Einw.

Mitlauter, s. v. w. Konsonant; vgl. Lautlehre.

Mitleid und Mitfreude, s. Gefühl und Mitgefühl.

Mitra, eine bei altorientalischen und altasiatischen Völkerschaften übliche Stirnbinde oder mützenartige Kopfbedeckung als Abzeichen der Herrscherwürde, bei Homer die über dem Leibrock (Chiton), aber unter dem Panzer getragene breite, aus dünnem Metall bestehende, innen gefütterte Binde zum Schutz des Unterleibes; später bei den Griechen eine um den Kopf der Frauen gelegte breite Binde, die allmählich ein um das Haar geschlungenes Tuch wurde; in letzterer Weise auch bei den Römerinnen. In der katholischen Kirche die den Bischof auszeichnende Kopfbedeckung, anfänglich eine Rundkappe oder auch ein Kopftuch, dessen Zipfel auf Hals und Rücken herabfielen. Diese Rundkappe wurde seit dem Anfang des 11. Jahrh. allmählich höher und gestaltete sich zu zwei den Vorder- und Hinterkopf überragenden, mit Stickereien verzierten, miteinander verbundenen Dreiecken (s. Abbildung). Sie war aus gemustertem, weißem oder rotem Seidenstoff mit einem goldgestickten untern Rand und zwei auf die Schultern herabhängenden Bändern (infulae). Eine ähnliche, in der Stickerei einfachere M., aber gewöhnlich ohne die Infuln, tragen die Äbte. Vgl. Inful.

^[Abb.: Mitra.]

Mitra, in der Wedareligion der Inder ein Lichtgott, einer der Aditja (s. d.), wurde gewöhnlich mit dem Himmelsgott Waruna (s. d.) angerufen, mit dessen Funktionen die seinigen verschmolzen erscheinen. Er scheint das himmlische Licht in der Tageszeit zu vertreten, wie Waruna vorzugsweise am nächtlichen Himmel herrscht, und ist wie dieser ein Wächter der Wahrheit, der Treue, des Rechts und der Pflichten gegen die Götter. Genetisch hängt der wedische M. mit dem persischen Mithra (s. d.) zusammen. Vgl. Hillebrandt, Varuna und M. (Berl. 1877).

Mitra Hippocrătis, Verbandstück für den Kopf.

Mitraille (franz., spr. -tráj), der Kartätschenhagel; Mitraillade, das Niederschießen durch Kartätschen.

Mitrailleuse (franz., spr. -jöhs'), s. Geschütz, S. 220.

Mitrālklappe (Mützenklappe), s. Herz, S. 453.

Mitre, Bartolomeo, Präsident der Argentinischen Konföderation, geb. 26. Juni 1821 zu Buenos Ayres, floh vor der Willkürherrschaft des Generals Rosas nach Bolivia, dann nach Peru, endlich nach Chile, wo er verschiedene Zeitungen herausgab. Nach dem Sturz des Diktators Rosas (1852) kehrte er nach Buenos Ayres zurück, verwaltete mehrere höhere Ämter und zeichnete sich als Redner im Repräsentantenhaus aus. Als 1859 der Krieg zwischen dem Staat Buenos Ayres und der Argentinischen Konföderation ausbrach, trat M. an die Spitze der Truppen von Buenos Ayres, wurde aber von Urquiza 23. Okt. bei Cepeda geschlagen. Buenos Ayres schloß sich infolge davon der Argentinischen Konföderation wieder an, und M. wurde 1860 Gouverneur von Buenos Ayres und Brigadegeneral. Doch brach 1861 infolge der Ansprüche von Buenos Ayres ein neuer Zwist aus; diesmal blieb M. 17. Sept. bei Pabon Sieger und trat 1862 als Präsident auf sechs Jahre an die Spitze der Argentinischen Republik. Das Land verdankte seiner Präsidentschaft sehr viel; Ackerbau, Viehzucht, Handel und Gewerbe, die intellektuelle wie moralische Bildung wurden von ihm gefördert. Namentlich bemühte er sich um die Einwanderung fremder Kolonisten. Unterbrochen wurde M. in diesen Bestrebungen durch den Streit mit dem Diktator Lopez von Paraguay, in dem M. die Bundesgenossenschaft Brasiliens und Uruguays gewann und 1865 zum Generalissimus der alliierten Truppen ernannt wurde. Er leitete den Feldzug bis 1867, aber ohne große Erfolge. Nach Ablauf seiner Präsidentschaft wurde er im Oktober 1868 trotz aller seiner Bemühungen nicht wieder gewählt. Er begab sich ins Ausland und machte 1874, als bei der neuen Präsidentenwahl wieder nicht er, sondern Avellaneda gewählt wurde, von Montevideo aus einen Versuch, diesen zu stürzen, wurde aber 28. Nov. 1874 bei La Verde von den Regierungstruppen geschlagen und gefangen genommen und mußte in das Ausland gehen. Jetzt ist er Redakteur der "Nacion" in Buenos Ayres. Er hat die beste Geschichte Argentiniens verfaßt.

Mitreeder, s. Reeder.

Mitrowitz, ehemaliger Distrikt in der slawon. Militärgrenze, östlich von Vinkovcze, wurde von Syrmien, der Donau und Save begrenzt und bildet seit 1886 einen Teil des Komitats Syrmien. Amtssitz war der Marktflecken M., an der Save, Sitz eines Bezirksgerichts, mit 4 Kirchen und (1881) 7144 Einw. (Serben und Deutsche), welche Wein- und Seidenbau, lebhaften Holz-, Frucht- und Viehhandel treiben.