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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Moschusblume - Mosciska.

tel bei typhösen und anomalen Fiebern, Starrkrampf, Keuchhusten, Konvulsionen, Hysterie, Neurosen etc. Die Chinesen benutzen den M. seit alter Zeit, zu uns kam er erst durch die Araber; gegenwärtig wird er namentlich zu Parfümen verwendet, in welchen er sich stets dadurch verrät, daß sein Geruch unverkennbar zurückbleibt, wenn alle ätherischen Öle verdunstet sind. - Moschusgeruch findet sich, zum Teil an Drüsensekrete gebunden, noch beim Fleisch des Moschusochsen, beim Bisamschwein (Pekari), bei der Moschusratte, Bisamspitzmaus, beim Ameisenfresser, bei der türkischen Ente, bei dem Ei des Gänsegeiers, dem Alligator, bei den Schildkröten (mit Ausnahme der Landschildkröten), dem Moschusbock (Käfer), dem Moschuspolyp (Kopffüßer) und bei einer Schnecke (Fasciolaria trapezium), deren Deckel (Bisamnagel) früher als Räuchermittel diente, ferner bei der Sumbulwurzel, bei Mimulus moschatus, Malva moschata, Adoxa moschatellina, zwei Ritterspornarten vom Himalaja, sehr schwach bisweilen bei der weißen Rübe etc. - Künstlicher M., s. Bernsteinöl.

Moschusblume, s. v. w. Centaurea moschata und Mimulus moschatus.

Moschusbock (Käfer), s. Bockkäfer.

Moschushyazinthe, s. Muscari.

Moschusochs (Ovibos Blainv.), Säugetiergattung aus der Ordnung der paarzehigen Huftiere und der Familie der Horntiere (Cavicornia) mit der einzigen Art O. moschatus Blainv. Dieser ist 2,37 m lang, 1,1 m hoch, mit 7 cm langem Schwanz, u. vereinigt in eigentümlicher Weise die Merkmale der Schafe und Rinder. Sein Körper ist massig, der Hals kurz und dick, der Kopf plump, schmal u. hoch, das Ohr im Pelz versteckt, das Auge klein und die Schnauzenspitze behaart. Die an der Basis stark verbreiterten und abgeflachten Hörner entspringen dicht nebeneinander, biegen sich abwärts, dann nach vorn und außen und endlich mit ihren Spitzen wieder nach oben. Die Beine sind kurz und kräftig, die Hufe groß, breit und rund, die Afterhufe klein und hoch angesetzt. Der ungemein dichte und sehr langhaarige Pelz ist dunkelbraun, am Unterteil der Beine grauweiß. Der M. bewohnt Nordamerika jenseit des 60.° nördl. Br., einen Teil von Grönland und die meisten Inseln zwischen dem Festland und Grönland bis über den 81.° hinaus, er lebt in Herden vorzugsweise in Thälern und Niederungen, in der Nähe der Flüsse, im Winter in Wäldern, durchzieht, um Nahrung zu suchen, weite Strecken und ernährt sich von dem kärglichen Pflanzenwuchs jener Gegenden. Nach neunmonatlicher Tragzeit wirft die Kuh ein Junges. Der M. bewegt sich mit großer Leichtigkeit, erklettert steile Felsen und Abhänge und springt meisterhaft. Anfangs zutraulich, wird er bald sehr vorsichtig und ist dann schwer zu jagen. Verwundet greift er den Jäger grimmig an. Das Fleisch ist trotz eines geringen Moschusgeruchs genießbar, besonders das der Kühe; Haut und Haare werden gut verwertet. Früher war der M. sehr viel weiter südlich auch in der Alten Welt verbreitet, und ein fossiler Schädel, welcher unzweifelhaft von Menschenhand mit Steinwerkzeugen hervorgebrachte Einschnitte zeigt, ist im Moselthal gefunden worden.

Moschusspitzmaus, s. Rüsselmaus.

Moschustier (Bisamtier, Bisamziege, Moschus moschiferus L.), einzige Art der Säugetiergattung Moschus L., welche allein die Familie der Moschustiere (Moschidae) aus der Ordnung der paarzehigen Huftiere repräsentiert, ein zierliches Tier von der Größe und dem Habitus eines Rehs, etwa 1,15 m lang, 40 cm hoch, gedrungen gebaut, mit mittellangem Hals, länglichem Kopf, mittelgroßen Augen und Ohren, ohne Geweih, das Männchen mit 5-7 cm langen, hauerartig hervorragenden obern Eckzähnen, schlanken Beinen, zierlichen Hufen, welche sehr breit gestellt werden können, bis auf den Boden herabreichenden Afterklauen und kurzem, dickem, beim Männchen nur an der Spitze behaartem Schwanz. Die Färbung des Haarkleides variiert ungemein, ist bald sehr dunkel, unten schmutzig weiß, bald rotbraun oder gelblichbraun, unten weiß, auch gescheckt. Das M. bewohnt die Gebirge Hinterasiens, vom Amur bis zum Hindukusch und vom 60.° nördl. Br. bis nach Indien und China, findet sich am häufigsten auf den tibetischen Abhängen des Himalaja, in der Umgebung des Baikalsees und in den Gebirgen der Mongolei, wo es besonders die schroffen, zertrümmerten Bergwände und die stumpfen Kegelspitzen in der Nähe der obern Baumgrenze bewohnt. Es springt, läuft und klettert vortrefflich und passiert mit Leichtigkeit Schneeflächen; seine Sinne sind scharf, seine Geistesfähigkeiten aber gering; es ist zwar sehr scheu, aber nicht klug und berechnend. Es lebt paarweise, hält sich am Tag verborgen und betritt nur in der Dämmerung und in der Morgenstunde die Weideplätze. Zur Brunstzeit im November und Dezember schlagen sich die Rudel zusammen, dann kämpfen die Männchen wütend miteinander und verbreiten um diese Zeit einen außerordentlich starken Moschusgeruch. Das Weibchen wirft im Mai 1-2 Junge. Das M. nährt sich von Baumflechten, Alpenkräutern, Wurzeln und Beeren. Das Männchen hat am Hinterbauch zwischen dem Nabel und den Genitalien einen sackartigen, rundlichen Beutel von 5-7 cm Länge, 3 cm Breite und 3 cm Höhe, welcher auf beiden Seiten, bis auf eine kreisförmige Stelle in der Mitte, mit straff anliegenden Haaren besetzt ist. An der kahlen Stelle liegen zwei kleine Öffnungen hintereinander, welche durch kurze Röhren in das Innere des Beutels führen. Hier sondern seine Drüsen den Moschus ab, welcher, wenn er sich zu sehr angehäuft hat, durch die vordere Röhre entleert wird. Der Beutel erreicht erst bei dem erwachsenen Tier seine volle Größe und seinen vollen Gehalt an Moschus. Im Durchschnitt beträgt letzterer 30-50 g. Die Jagd des wegen dieses Beutels höchst wertvollen Tiers ist sehr schwierig; gewöhnlich wendet man Schlingen an, die man auf die Wechsel legt. In Sibirien lockt man es im Winter mit Flechten an. Die Tungusen erlegen es mit dem Bogen und locken es durch Blatten, d. h. Nachahmen des Blökens der Kälber, herbei. Das Fleisch ist für den Europäer ungenießbar, der Moschusbeutel aber wirft reichlichen Gewinn ab. Nach amtlichen Berichten werden in Sibirien jährlich an 50,000 Moschustiere erlegt, darunter etwa 9000 Männchen. Doch haben die sibirischen Moschusbeutel einen weit geringern Wert als die tibetischen und chinesischen. In Tibet darf das M. nur mit Erlaubnis der Regierung gejagt werden, welche auf den Beutel das fürstliche Siegel drückt. Das Fell des Tiers dient zu Kappen, Winterkleidern und Decken oder wird gegerbt. Griechen und Römern war das M. unbekannt, die Chinesen aber benutzen den Moschus seit Jahrtausenden. In Europa erhielt man die erste Kunde von dem Tier durch die Araber, und Marco Polo gab dann genauere Nachrichten.

Moschusvogel, Schmetterling, s. Goldafter.

Mosciska (spr. moschziska), Stadt in Galizien, an der Krakau-Lemberger Eisenbahn, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, mit besuchten Pferdemärkten und (1880) 4217 Einw.