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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mülhäuser Konfession; Mülheim

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Mülhäuser Konfession - Mülheim.

wohnungen) und mit gemeinschaftlichem Back-, Wasch- und Badehaus, mit Restauration, Bibliothek etc. versehen ist. Der schönste Teil der Stadt liegt am Kanal. In der Nähe desselben befindet sich auch der dreieckige Börsenplatz, der Mittelpunkt des neuen Quartiers mit seinen modernen Bauten. Die Straßen sind im allgemeinen breit und nur in der Altstadt etwas unregelmäßig und eng. Die Stadt hat 2 evangelische und 3 kath. Kirchen (unter jenen die Stephanskirche mit einem 100 m hohen Turm und die französisch-reform. Kirche, unter diesen die neue kath. Kirche, ebenfalls mit einem 100 m hohen Turm), eine Synagoge, ein Rathaus (von 1551) etc. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1885) mit der Garnison (ein Infanteriereg. Nr. 17 und ein Infanteriebat. Nr. 114) auf 69,759, meist Katholiken. M. ist eine Fabrikstadt ersten Ranges. Den Grund zu der großartigen Industrie legten 1746 Samuel Köchlin, Joh. Jak. Schmelzer und J. ^[Johann] Heinr. Dollfus mit der Begründung einer Fabrik für bunte Baumwollgewebe, für welche gegenwärtig in der Stadt über 16,000 und in den Dörfern der Umgegend über 60,000 Arbeiter beschäftigt und 14 Baumwollspinnereien mit 525,000 Spindeln, 5400 mechanische Webereien, zahlreiche Kattundruckereien etc. thätig sind. Wichtig sind ferner: eine Eisenbahnwerkstätte, Woll- u. Kammgarnspinnerei, Eisen-, Kupfer- und Bleigießerei, zahlreiche Färbereien, Zeichner- und Walzenstecherateliers, Fabriken für Nähgarn, Leinwand, Tuch- und Wollwaren, chemische Produkte, Näh- und Spinnmaschinen, Maschinenöl, Farben, Fayenceöfen, Stärke, Bürsten, Zement, Senf, Seilerwaren, Herde u. Kochmaschinen, endlich Dampfsägemühlen, Bierbrauerei, Ziegelbrennerei und Schiffbau. Der lebhafte Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle und mehrere Bankinstitute, befaßt sich vorzugsweise mit den Erzeugnissen der dortigen Industrie; außerdem bilden Wein, Getreide, Spezereien, Holz etc. einen bedeutenden Handelsartikel. An Bildungs- und andern ähnlichen Anstalten befinden sich dort: ein Gymnasium, eine Gewerbeschule, ein Lehrerinnenseminar, ein Gemälde- und Kunstmuseum, eine Mustersammlung (Industriemuseum) von Produkten aller Länder, eine Schule für Spinnerei und Weberei etc. Die städtischen Behörden setzen sich zusammen aus einem Bürgermeister, 2 Beigeordneten und 33 Stadträten. Sonst ist M. Sitz des Kommandos der 58. Infanteriebrigade, der Kreisdirektion, eines Landgerichts, eines Hauptsteueramtes und dreier Oberförstereien. - Zum Landgerichtsbezirk M. gehören die elf Amtsgerichte zu Altkirch, Dammerkirch, Hirsingen, Hüningen, Masmünster, M., Pfirt, St. Amarin, Sentheim, Sierenz und Thann. - Die ersten Nachrichten über M. stammen von 717, wo Adalbert, Herzog von Elsaß, M. an das Stephanskloster zu Straßburg verschenkte. 823 besaß die Abtei Masmünster M. Im 13. Jahrh. stritten die Hohenstaufen mit den Bischöfen von Straßburg um die Stadt; nachdem sie diesen 1221 durch Schiedsspruch überwiesen war, verlieh sie Bischof Berthold I. dem Kaiser Friedrich II. als Lehen, zog sie aber, als dieser dem Bann verfiel, ein. Rudolf von Habsburg nahm 1261 die Stadt in Besitz und erhob sie später als König zur Reichsstadt. Das Bistum Straßburg wurde 1308 von Heinrich VII. für seine Ansprüche entschädigt. Später ist M. oft verpfändet worden, erlangte aber seine Reichsfreiheit immer wieder. Vielfach hatte es im Mittelalter durch Kriege zu leiden. Seine Bürger widerstanden 1365 den englischen Kompanien, 1375 dem Einfall Enguerrand de Coucys und 1445 den Armagnaken. Nachdem es schon 1466 ein Bündnis mit Bern und Solothurn geschlossen, trat es 1515 dem Schweizerbund bei. Die Reformation wurde in M. 1528 eingeführt. Der Westfälische Friede stellte M. in die Reihe der Schweizer Staaten; ringsherum gewannen nun die Franzosen Terrain, die unter Turenne in der Nähe 29. Dez. 1674 die Kaiserlichen unter Bournonville besiegten. Die Industrie ward 1746 (s. oben) begründet und hatte bereits einen hohen Aufschwung gewonnen, als, durch die äußern Verhältnisse gezwungen, M. 1797 die Einverleibung in Frankreich nachsuchte, die 1798 stattfand. Mit der Vollendung des Rhein-Rhônekanals (1829) und der Anlage der Eisenbahnen erfolgte eine neue Entwickelung der Stadt, die durch die Einwanderung zahlreicher katholischer Arbeiter nach und nach ihren protestantischen Charakter verlor, unter französischer Herrschaft sich aber stets durch republikanische Gesinnung auszeichnete. Der Anschluß an Deutschland (1871) brachte der Stadt augenblicklichen Nachteil, der indessen gegenwärtig schon wieder ausgeglichen sein dürfte. M. ist Geburtsort des Mathematikers Lambert, dem ein Denkmal auf dem Platz vor der Gewerbeschule errichtet ist. Die Geschichte von M. beschrieben Mieg (Mülh. 1816), de Sablière (das. 1856), Metzger (Lyon 1883). Vgl. auch Moßmann, Cartulaire de Mulhouse (Straßb. 1883-85, 3 Bde.); Schall, Das Arbeiterquartier von M. (2. Aufl., Berl. 1877); Grad, Études statistiques sur l'industrie de l'Alsace, Bd. 1 (Kolmar 1879); Herkner, Die oberelsässische Baumwollindustrie (Straßb. 1887).

^[Abb.: Wappen von Mülhausen i. E.]

Mülhäuser Konfession, s. Baseler Konfession.

Mülheim, 1) M. am Rhein, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Köln, rechts am Rhein, Knotenpunkt der Linien Haan-Deutz, M.-Bensberg, Deutz-Oberhausen und Troisdorf-Speldorf der Preußischen Staatsbahn, 47 m ü. M., ist sehr alt, aber schön und regelmäßig gebaut, hat eine evangelische und 2 kath. Pfarrkirchen und (1885) 24,975 meist kath. Einwohner. Die Industrie erstreckt sich auf Draht-, Kabel- und Drahtseilfabrikation, Seiden- und Samtweberei, Fabrikation von Segeltuch, Leder, Maschinenriemen, Bleiweiß, Mennige, Sirup, Bier, Essig, Tabak und Zigarren, Wagen, Kessel etc.; ferner hat M. eine Schiffswerfte, Bierbrauerei, Destillation, bedeutenden Holzhandel und Holzsägerei, Schiffahrt und lebhaften Speditionshandel. Eine Pferdebahn vermittelt den Verkehr mit dem nahen Deutz. M. hat ein Realgymnasium, eine höhere Webschule, ein Amtsgericht mit Gewerbe- und Schiffahrtsgericht, eine Handelskammer, 2 Krankenhäuser, Gas- und Wasserleitung und Kanalisation. - 2) M. an der Ruhr, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, an der Ruhr, Knotenpunkt der Linien Ruhrort-Holzwickede, M.-Duisburg, M.-Katernberg, Kettwig-M. und Hochfeld-Essen-Langendreer der Preußischen Staatsbahn, 32 m ü. M., hat 2 evangelische und eine kath. Kirche, ein öffentliches Schlachthaus u. (1885) 24,465 meist evang.

^[Abb.: Wappen von Mülheim a. Rh.]