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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Murichi; Murīdae; Muriden; Murillo; Murinsel; Müritzsee; Murmanskische Küste

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Murichi - Murmanskische Küste.

zündlichkeit wegen hierzu nicht; später diente es auch zur Füllung von Zündhütchen. Häufig sind auch Mischungen mit Knallquecksilber als muriatisches Pulver bezeichnet worden. Muriatische Wässer, s. v. w. Solquellen (s. Mineralwässer, S. 652).

Murichi, Palme, s. v. w. Mauritia flexuosa.

Murīdae (Mäuse), Familie der Nagetiere (s. d.).

Muriden (v. türk. murid, Schüler, Novize), eine mohammedan. Sekte im Kaukasus, die zum Kampf gegen die Ungläubigen 1828 von Mulla Mohammed angeblich nach Vorbildern aus Bochara gestiftet wurde. Nach ihm war ihr Haupt (Imam) Kasi Mulla, der den Krieg mit den Russen aufnahm und 1832 in Ghimri seinen Tod fand, zuletzt Schamyl, ebenfalls ein Schüler des Begründers. Seit Vernichtung der M. unter Schamyl ist die Kraft des Islam im Kaukasus gebrochen und trotz des noch jahrelang fortglimmenden Aufstandes der "Muridismus" erloschen. Weiteres s. Kaukasien (Geschichte, S. 634).

Murillo (spr. -illjo), 1) Bartolomé Estéban, span. Maler, geboren Ende Dezember 1617 zu Sevilla (getauft 1. Jan. 1618), wurde zuerst von J. ^[Juan] de Castillo unterrichtet und begab sich zu seiner weitern Ausbildung 1643 nach Madrid, wo ihm sein Landsmann Velasquez Gelegenheit verschaffte, in der königlichen Sammlung und im Escorial die besten Muster zu kopieren. M. studierte zwei Jahre lang namentlich nach Ribera, Tizian, Rubens, van Dyck und Velasquez und kehrte hierauf nach Sevilla zurück, wo er durch elf jetzt zerstreute Gemälde von Wunderthaten berühmter Franziskaner für das Kloster San Francisco schnell seinen Ruf begründete. In diesen Werken erinnert noch der derbe, schwerfällige Realismus an die Vorbilder seiner Jugend. Dieselben sind jedoch bereits überwunden, und die koloristische Behandlung ist flüssiger geworden in den Heiligen Leander und Isidor (in der Sakristei der Kathedrale), der Geburt Marias im Louvre zu Paris (1655) und der Vision des heil. Antonius in der Kathedrale zu Sevilla (1656), den beiden Hauptwerken des Meisters aus seiner mittlern Zeit. Seit 1665 war M. für die Kirche Santa Maria la Blanca thätig, für welche er unter anderm vier halbrunde, jetzt zerstreute Darstellungen lieferte, welche die triumphierende Kirche, die Empfängnis und die Gründung der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom schildern. Um 1668 malte er die Empfängnis (la concepcion) im Kapitelsaal der Kathedrale zu Sevilla und um 1670 die heil. Familie mit Elisabeth und dem kleinen Johannes im Louvre, eins seiner koloristisch reizvollsten Werke. Seine glänzendste Periode umfaßt die Zeit von 1670 bis 1680. Im J. 1674 vollendete er acht große Gemälde, welche die Werke der Barmherzigkeit darstellen, für die Kirche des Caridadhospitals, ausgezeichnet durch Kolorit, Zeichnung, sprechenden Ausdruck der Gesichter, Komposition und Perspektive; nur drei von diesen Bildern befinden sich noch am Ort (Moses, Wasser aus dem Felsen schlagend; die Vermehrung der Brote; San Juan de Dios als Krankenträger). Ein viertes Bild, die heil. Elisabeth, Kranke waschend, besitzt die Akademie zu Madrid. In den nächsten Jahren bis 1676 malte M. über 20 Bilder für das Kapuzinerkloster in Sevilla, von denen sich 17 im dortigen Museum befinden, darunter zwei Darstellungen der unbefleckten Empfängnis, des heil. Antonius mit dem Jesuskind und die Vision des heil. Franziskus. Derselben Zeit gehört eine Empfängnis im Museum zu Sevilla und eine für das Hospital Venerables Sacerdotes gemalte Darstellung gleichen Inhalts, das berühmte Bild des Louvre, an. Mit der Ausführung der Verlobung der heil. Katharina für den Hauptaltar der Kapuzinerkirche zu Cadiz beschäftigt, stürzte er vom Gerüst und starb infolge davon 3. April 1682 in Sevilla. Dieses Gemälde wurde von seinem Schüler Osorio vollendet. Bei der Eröffnung einer Malerakademie zu Sevilla (1660), worin zuerst das Studium des Nackten öffentlich gelehrt ward, wurde M. Direktor derselben. Von seinen Schülern sind Meneses Osorio (ca. 1630-1705), Villavicencio (1635-1700) und sein Sklave Sebastian Gomez, von seinen spätern Nachahmern Tobar (1678 bis ca. 1729) und Llorente (1685-1757) hervorzuheben. M. hat gegen 400 Bilder hinterlassen, überwiegend Andachtsbilder, unter denen zahlreiche Darstellungen der "unbefleckten Empfängnis", eines von M. geschaffenen Bildertypus, eine besondere Gruppe bilden, in welcher M. uns als "der unerreichte Darsteller der inbrünstigen Andacht, der göttlichen Wundererscheinungen und der himmlischen Herrlichkeit" entgegentritt. Seine Bedeutung beruht vornehmlich auf der "Kühnheit und Ungezwungenheit, mit denen er die realistischte, spanisch-volkstümlichste Formenauffassung seiner glühendsten seelischen Begeisterung dienstbar zu machen" wußte (Woermann). In seiner mittlern Zeit entfaltete er sein Kolorit zu üppigem Reichtum warmer, lichtumflossener Lokalfarben, die später zu einem duftigen, leichten Gesamtton gestimmt wurden, welcher der vollkommenste Ausdruck seiner spiritualistischen und übernatürlichen Stoffe wurde. M. hat auch kräftig realistische Sittenbilder aus dem Sevillaner Volksleben gemalt, welche als "Murillosche Gassenjungen" bekannt sind (Hauptbilder in der Münchener Pinakothek, im Louvre zu Paris, in der Nationalgalerie zu London, in der Eremitage zu St. Petersburg und im Museum zu Madrid). Buben und Mädchen sind beim Essen, Würfeln und Geldzählen dargestellt. Von den übrigen Werken Murillos sind noch zu nennen: die Madonnen in der Galerie zu Dresden, im Palazzo Pitti zu Florenz, im Palazzo Corsini zu Rom und in den Museen zu Sevilla und Madrid, der kleine Jesus und der kleine Johannes im Museum zu Madrid, die Vision des heil. Antonius im Berliner Museum. M. hat auch Landschaften und Bildnisse gemalt. Vgl. Tubino, M., su epoca, su vida, sus cuadros (Sevilla 1864); Lücke in Dohmes "Kunst und Künstler", Bd. 3 (Leipz. 1880); Curtis, Velasquez and M. (Lond. 1883).

2) Don Juan Bravo-M., span. Staatsmann, s. Bravo-Murillo.

Murinsel (ungar. Muraköz), sehr fruchtbares Gebiet im ungar. Komitat Zala, zwischen der Mur und Drau, von der steirischen Grenze bis zur Vereinigung beider Flüsse. Hauptort ist Csakathurn (Csáktornya), Markt an der Südbahn, mit (1881) 3810 Einw., Bezirksgericht und altem Schloß, dem einstigen Wohnsitz Nik. Zrinys, der hier begraben liegt.

Müritzsee, Landsee in Mecklenburg-Schwerin, 132 qkm (2,4 QM.) groß, steht durch die Elde mit der Elbe und durch den Müritz-Havelkanal mit der obern Havel in schiffbarer Verbindung (s. Elde).

Murmanskische Küste (korrumpiert aus "Normännische Küste"), die Nordküste der russ. Halbinsel Kola, am Nördlichen Eismeer, von der norwegischen Grenze bis zum Kap Swjätoi-Noß, über 420 km lang, wegen der Nähe des Golfstroms eisfrei, im Sommer beliebter Jagdgrund für Jäger und Fischer (1885 waren 500 Boote mit dem Fischfang beschäftigt), besteht meist aus Granitfelsen, welche sich stellenweise 200 m ü. M. erheben und viele ausgezeichnete Ankerbuchten bilden. Hauptort Kola. Vgl. Goulewitsch,