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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mures articulāres; Muret; Muretto; Murex; Murexīd; Murfreesborough; Murg; Murgang; Murger; Muri; Muriacīt; Muriātisch

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Mures articulares - Muriatisch.

M. kämpfte unter Lucullus im dritten Mithridatischen Krieg, war 65 Prätor; 62 Konsul, wurde der Bestechung angeklagt, aber von Cicero in der Rede pro M. verteidigt und freigesprochen.

Mures articulāres (lat.), Gelenkmäuse (s. d.).

Muret (spr. mürä), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Obergaronne, an der Mündung der Louge in die Garonne und an der Eisenbahn von Toulouse nach Bayonne, mit einem Standbild des hier gebornen Marschalls Niel, Fabrikation von Woll- und Fayencewaren, Produkten- und Viehhandel und (1881) 2586 Einw. Bei M. 1213 Sieg Simons von Montfort über Raimund von Toulouse und Peter II. von Aragonien, welcher hier fiel.

Muret (spr. mürä), Marc Antoine (latinisiert Muretus), berühmter Humanist, geb. 12. April 1526 zu Muret bei Limoges, unterrichtete schon in seinem 18. Jahr in der altklassischen Litteratur, widmete sich zu Toulouse noch dem Studium der Rechtswissenschaften, mußte jedoch infolge seines ausschweifenden Lebens Frankreich verlassen und lebte seit 1554 abwechselnd in Venedig und Padua, bis ihn der Kardinal Hippolyt von Este zu sich nach Rom einlud, wo M. seit 1563 öffentliche Vorträge über griechische und lateinische Klassiker, namentlich über die Ethik des Aristoteles, und später über das bürgerliche Recht hielt. 1576 ließ er sich zum Priester weihen, gab 1584 seine Lehrstelle auf und starb 4. Juni 1585. M. ist bewundernswert durch seine Lehrthätigkeit und die klassische Latinität seiner Schriften, ein tiefer Kritiker aber war er nicht. Wir erwähnen seine "Orationes", größtenteils Eingangsreden zu seinen Vorlesungen, die "Epistolae" und die "Variae lectiones" (Vened. 1559; von Wolf und Fäsi, Halle 1791-1828, 2 Bde.). Außerdem besorgte er Ausgaben verschiedener römischer Klassiker, z. B. des Terenz (Vened. 1555), des Catull, Tibull, Properz (das. 1558) u. a. Seine gesammelten Werke wurden von Ruhnken (Leid. 1789, 4 Bde.) und von Frotscher (Leipz. 1834-41, 3 Bde.), seine "Scripta selecta" von Kayser (Heidelb. 1809) und neuerdings von Frey (Leipz. 1871-73, 2 Bde.) herausgegeben. Vgl. Dejob, Marc-Antoine M. (Par. 1881).

Muretto, ein wilder Gebirgspfad der Graubündner Alpen (2557 m), eine Einsattelung, welche die Gruppe des Monte della Disgrazia von der Berninagruppe trennt. Es ist die schwer gangbare Verbindung zwischen Engadin-Bergell, wo Casaccia 1460 m ü. M. liegt, und dem italienischen Val Malenco, einem Seitenthal des Veltlin (Sondrio 365 m).

Murex, Purpurschnecke.

Murexīd (purpursaures Ammoniak) (NH4)C8H4N5O6 ^[(NH_{4})C_{8}H_{4}N_{5}O_{6}], das Ammoniaksalz der im freien Zustand nicht bekannten Purpursäure C8H5N5O6 ^[C_{8}H_{5}N_{5}O_{6}], welche sich auf verschiedene Weise aus Zersetzungsprodukten der Harnsäure bildet. Zur Darstellung bringt man Harnsäure in Salpetersäure, neutralisiert nach 10-12 Stunden mit Ammoniak und verdampft die Lösung unter 80°. M. bildet grün metallisch glänzende, rot durchscheinende Kristalle, löst sich mit intensiver Purpurfarbe in kochendem Wasser, nicht in Alkohol und Äther, mit dunkelblauer Farbe in Kalilauge, gibt, mit Salpeter gekocht, purpursaures Kali, mit Metallsalzen unlösliche purpurfarbene Niederschläge, durch Säuren wird es vollständig zersetzt. M. färbt Wolle und Seide prachtvoll rot und wurde vor der Entdeckung der Anilinfarben vielfach in der Färberei und Zeugdruckerei benutzt.

Murfreesborough (spr. mörfrisbörro), Hauptstadt der Grafschaft Rutherford im nordamerikan. Staate Tennessee, 55 km südöstlich von Nashville, Sitz der 1841 von Baptisten gegründeten Union University, mit (1880) 3800 Einw.; war 1817-27 Hauptstadt des Staats Tennessee. Hier 31. Dez. 1862 die Schlacht am Stone River, in welcher Rosecrans siegte.

Murg, Fluß im südwestlichen Deutschland, einer der wildesten des Schwarzwaldes, entspringt im Oberamt Freudenstadt des württemberg. Schwarzwaldkreises, am Kniebis, aus zwei Quellen (der Weißen und der Roten M., 933 m ü. M.), empfängt unterhalb Baiersbronn den Forbach, weiter unten die Schönmünz und Raumünz, geht unterhalb Schönmünzbach in das Badische über, nimmt hier noch die Oos auf und mündet bei Steinmauern unterhalb Rastatt in den Rhein. Ihr Gesamtlauf beträgt 96 km; von Rastatt aus ist sie kanalisiert. Das Thal der M. ist das tiefste und wildromantischte im nördlichen Schwarzwald, ihr Gebiet reich an schönen Waldungen, daher die Holzflößerei auf ihr und selbst auf den kleinern Nebenflüssen (betrieben von den Murgflößern oder der Murgschifferschaft, einer seit Jahrhunderten bestehenden Handelsverbindung, die große Waldbesitzungen, Floßrechte, Sägeetablissements, eigne Förster etc. besitzt) mit Hilfe großartiger Schwellungen von alters her bedeutend. Der Flußspiegel liegt bei Baiersbronn 528, bei Rastatt 114 m ü. M. Seit 1869 wird das Murgthal von der Murgthalbahn (Rastatt-Gernsbach) durchzogen. Vgl. Emminghaus, Die Murgschifferschaft (Jena 1870).

Murgang, das Herabstürzen großer Massen festen, mit flüssigem untermischten Materials bei starken Niederschlägen oder plötzlichem Schmelzen des Schnees in den Rinnen (Runsen) der Wildbäche. Dieses Material bildet an der Ausmündung der Runse in das Thal fächerförmig gestaltete Schuttkegel. Zuweilen richten Murgänge die schwersten Verheerungen an.

Murger (spr. mürschähr), Henri, franz. Schriftsteller, geb. 1822 zu Paris, hatte mit Not und Entbehrungen zu kämpfen und starb 28. Jan. 1861, als die öffentliche Aufmerksamkeit sich seinen realistischen Schilderungen des Lebens zuzuwenden begann. Diese erschienen unter dem Titel: "Scenes de la Bohême" (1851; deutsch, Leipz. 1882), eine durch ihn typisch gewordene Bezeichnung (s. Bohême); "Le pays latin" (1851), "Scènes de campagne", "Adeline Protat" (1854), "Le sabot rouge" (1860) u. a. Die beiden ersten, welche er mit Barriere und Mousseux dramatisierte, errangen auch auf der Bühne viel Beifall. Andre Lustspiele von ihm sind: "Le bonhomme Jadis" (1852) und "Le serment d'Horace" (1861). Seine Gedichte, Sonette, Balladen etc. sind gesammelt unter dem Titel: "Ballades et fantaisies" (1854) und "Les nuits d'hiver" (1861); sie sind in schwermütigem und nervösem Ton gehalten und klingen stark an A. de Musset an. Vgl. Delvau, H. M. et la Bohême (Par. 1866).

Muri, Bezirkshauptort im schweizer. Kanton Aargau, an der Aargauischen Südbahn (Aarau-Rothkreuz), mit (1880) 1934 Einw. und einer 1026 gegründeten, 1841 aufgehobenen Benediktinerabtei, deren umfangreiche Gebäude jetzt ein Krankenasyl werden sollen. Seit einigen Jahren wird M. als Kurort besucht.

Muriacīt, s. Anhydrit.

Muriātisch (neulat.), salzsäurehaltig. Muriatisches Pulver, von Berthollet 1788 zuerst angegebenes Knallpulver aus chlorsaurem Kali, Schwefel und Kohle, welches sich durch Schlag unter heftiger Detonation entzündet. Es sollte das Schießpulver ersetzen, eignete sich aber besonders seiner leichten Ent-^[folgende Seite]