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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Murner; Muro-Lucāno; Murom; Murowana-Goslin; Murr; Murray

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Murner - Murray.

der Linie Weilheim-M. der Bayrischen Staatsbahn, 686 m ü. M., hat ein Schloß, Dampfmolkerei, Bierbrauerei und (1885) 1628 kath. Einwohner.

Murner, Name des Katers in der Tierfabel.

Murner, Thomas, Satiriker, geb. 24. Dez. 1475 zu Oberehnheim im Elsaß, trat in das Minoritenkloster zu Straßburg, empfing mit 19 Jahren die Priesterweihe, studierte darauf in Freiburg, ging dann nach Paris, Krakau (wo er Bakkalaureus der Theologie wurde), Köln, Rostock, Prag und kehrte um 1499 nach Straßburg zurück, von wo er wegen seiner Schmähschrift "Invectiva contra astrologos etc." ausgewiesen wurde. Er hielt sich hierauf als öffentlicher Lehrer zu Freiburg i. Br. auf und veröffentlichte unter dem Titel: "Nova Germania" (Straßb. 1502) eine Schrift wider Wimpfelings "Germania", in welcher er zu beweisen suchte, daß es im Elsaß eine französische Partei gäbe und Frankreich Ansprüche auf diese Provinz habe. Der Magistrat von Straßburg legte Beschlag auf diese Schrift, die bis auf sechs Exemplare vernichtet wurde (mit Wimpfelings Schrift neu hrsg., Straßb. 1874). M. wurde 1505 vom Kaiser Maximilian als Dichter gekrönt und hielt sich abwechselnd in Straßburg, Bern, Freiburg und Trier auf; 1519 finden wir ihn, nach einem Aufenthalt in Italien und der Schweiz, wieder in Straßburg, wo er 1512 sein satirisches Werk "Die Narrenbeschwörung", nach Seb. Brants "Narrenschiff", herausgab, das mehrere Auflagen erlebte (neue Ausg. von Gödeke, Leipz. 1879). M. geißelt darin in elsässischer Mundart die Laster und Thorheiten seiner Zeit und verschont keinen Stand, auch den geistlichen nicht. Zugleich erschien seine "Schelmenzunft" (1512; neue photolithogr. Ausg., Berl. 1881), die aus Predigten, welche M. zu Frankfurt a. M. gehalten hatte, entstand und eine beißende Satire auf alle Kreise der menschlichen Gesellschaft war (lat. u. d. T.: "Nebulo nebulonum", Frankf. 1620 u. öfter), und dann die "Andächtig geistliche Badenfahrt" (1514; neu hrsg. von Martin, Straßb. 1887). Ein echt volkstümliches Gepräge trägt Murners humoristische Schrift "Die Mülle (Mühle) von Schwyndelsheim und Gredt Müllerin Jarzeit" (Straßb. 1515; neue Ausg. von Albrecht in Martins "Elsässer Studien", Bd. 2). M. nahm zuerst Partei für Luther im großen Kirchenkampf des 16. Jahrh. und übersetzte dessen Schrift "De captivitate babylonica". Später zählte er zu Luthers heftigsten Gegnern; er übersetzte Heinrichs VIII. von England Traktat "De septem sacramentis" und verteidigte ihn in seiner Schrift "Ob der Künig uß Engelland ein Lügner sei oder der Luther" (Straßb. 1522). Gleichzeitig erschien von ihm (1522) eine heftige Diatribe wider Luther: "Von dem großen lutherischen Narren, wie ihn Doktor M. beschworen hat" (hrsg. von Heinr. Kurz, Zürich 1848). Der König von England lud M. zu einem Besuch ein, und M. leistete dieser Einladung 1523 auch Folge. Nach seiner Rückkehr verbot ihm der Straßburger Rat die Polemik, und als er nicht einlenken wollte, zwang ihn ein Aufstand, die Stadt zu verlassen (1525). Er flüchtete in die Schweiz, wo er im Kanton Luzern als Pfarrer angestellt wurde, wohnte 1526 dem Religionsgespräch von Baden (im Aargau) bei, mußte aber 1529 wegen seiner Schmähschriften die Schweiz verlassen und wandte sich nun nach Heidelberg, wo ihn Kurfürst Friedrich wohlwollend aufnahm. Zuletzt hatte er eine kleine Pfründe in Oberehnheim; dort starb er 1537. M. war einer der genialsten und fruchtbarsten Schriftsteller seiner Zeit, entbehrte aber alles sittlichen Wertes und war ein zügelloser Charakter und abenteuerlicher Geist. Zu seinen bekanntesten Werken gehört noch die Schrift, die sich an seine "Narrenbeschwörung" und "Schelmenzunft" anreiht und die wegen ihres unsittlichen Inhalts in Straßburg nicht gedruckt werden durfte, seine "Gäuchmatt" (Basel 1519). M. zeigt darin, welche Mittel und Künste die Weiber anwenden, um die Männer zu Gäuchen (Narren) zu machen, und läßt dabei eine ansehnliche Reihe berühmter Männer auf der Matte (Wiese der Öffentlichkeit) erscheinen. Schließlich sei noch erwähnt, daß M. die "Äneide" (Straßb. 1515) übersetzte, und daß ihm manche die Abfassung des Volksbuchs von Eulenspiegel (s. d.) zuschreiben. Murners Schriften, von denen die meisten selten sind, bilden, über 50 an der Zahl, eine ganze Bibliothek. Vgl. Waldau, Nachrichten von Murners Leben und Schriften (Nürnb. 1775); Spach, Sébastien Brant et Thomas M. (in dessen "Œuvres choisies", Bd. 2, Straßb. 1866).

Muro-Lucāno, Stadt in der ital. Provinz Potenza, Kreis Melfi, Bischofsitz, mit Kathedrale, Kastell, in welchem Johanna von Neapel 1382 auf Befehl Karls III. ermordet ward, und (1881) 7547 Einw.

Murom, Kreisstadt im russ. Gouvernement Wladimir, an der Oka und an der Eisenbahn Kowrow-M., hat eine alte Kathedrale, Theater, Stadtbank, Realgymnasium, Fabriken für Leinwand, Leder, Talg und Seife, Eisen etc., bedeutenden Gartenbau, Handel mit Cerealien und (1884) 13,682 Einw. - M. soll ehemals Hauptstadt des finnischen Stammes der Muroma gewesen sein und war schon im 10. Jahrh. ein wichtiger Handelsplatz. Zu Anfang des 11. Jahrh. entstand hier ein unabhängiges Fürstentum, das 1353 dem Fürstentum Wladimir einverleibt wurde.

Murowana-Goslin, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Posen, Kreis Obornik, hat eine evangelische und eine kath. Kirche und (1885) 1508 Einw.

Murr, Fluß im württemberg. Neckarkreis, entspringt auf dem Murrhardter Wald bei Westermurr, 473 m ü. M., nimmt die Lauter und die Bottwar auf und mündet nach 53 km langem Lauf bei dem Dorf M., unterhalb Marbach, 190 m ü. M., rechts in den Neckar. Das Murrthal hat anfangs den Charakter eines wilden Schwarzwaldthals, wird aber in seinem untern Lauf immer milder und ist zuletzt mit Reben bepflanzt; durch dasselbe führt die Murrbahn (Linie Waiblingen-Hessenthal).

Murray (spr. mörre, von den Eingebornen Goolwa oder Gulba, früher im obern Lauf Hume genannt), größter Strom Australiens, entspringt am Westabhang der Warragongberge, fließt, die Grenze zwischen Neusüdwales und Victoria bildend, erst nördlich, dann nordwestlich, bis er auf südaustralischem Gebiet sich plötzlich nach S. wendet, und bildet dann, ehe er sich durch eine schmale, nur für kleinere Fahrzeuge passierbare Mündung in die Encounterbai ergießt, den See Alexandrina mit dem Albertsee. Seine bedeutendsten Nebenflüsse auf der rechten Seite sind: der Murrumbidschi (s. d.) und der noch größere Darling (s. d.); von den linksseitigen sind der Goulburn und der Loddon zu nennen. Die Uferlandschaften sind nur an einigen Punkten des obern Laufs (Albury), wo das Land vorzüglich ist, angebaut. Der übrige Teil erscheint mehr für Weidezwecke geeignet, bessert sich aber wieder in der Nähe der Mündung. Von Goolwa, dem südlichsten Hafen, bis Albury ist der Fluß durch Dampfer befahrbar. In die drei Häfen von Victoria: Echuca, Swan Hill und Cowana, laufen jährlich 300 Fahrzeuge ein; 40 Dampfer und 50 Schleppkähne verkehren zwischen Goolwa und den Häfen des untern M. und Darling.