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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Neerwinden; Nees von Esenbeck; Nefas; Neffe; Neffen; Neffenrecht; Nefftzer; Neft-gil; Negapatam; Negation

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Neerwinden - Negation.

reich, Rotterdam, im Haag, in Amsterdam und in Düsseldorf thätig, wo er 3. Mai 1703 als Hofmaler des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz starb. Er malte Genrebilder, meist Damen, im Stil Terborchs, die aber eine zu große Glätte und manieristische Eleganz zeigen, und miniaturartig ausgeführte Landschaften mit biblischer und genrebildlicher Staffage. A. van der Werff war sein Schüler.

Neerwinden, Dorf in der belg. Provinz Lüttich, 3 km von Landen, berühmt durch zwei Schlachten: 29. Juli 1693 Sieg der Franzosen unter dem Marschall von Luxembourg über die verbündeten Holländer und Engländer unter Wilhelm von Oranien (auch Schlacht bei Landen genannt) und 18. März 1793 Sieg der Österreicher unter dem Prinzen Josias von Koburg und Clerfait über die Franzosen unter Dumouriez, welcher die Räumung Belgiens durch die Franzosen zur Folge hatte.

Nees von Esenbeck, 1) Christian Gottfried, Botaniker und Naturphilosoph, geb. 14. Febr. 1776 zu Erbach im Odenwald, studierte zu Jena Medizin und Naturwissenschaften, besonders Botanik, praktizierte einige Jahre in seiner Heimat als Arzt und lebte dann auf seinem Gut Sickershausen bei Kitzingen a. M. nur seinen Studien. 1816 folgte er einem Ruf als Professor der Naturwissenschaften und Direktor des botanischen Gartens nach Erlangen; 1818 ward er auch zum Präsidenten der kaiserlich Leopoldinisch-Karolinischen Akademie der Naturforscher erwählt. 1819 ging er als Professor der Botanik nach Bonn, 1831 in gleicher Eigenschaft nach Breslau; 1848 wandte er sich nach Berlin, ward aber hier wegen seiner Beteiligung an den politischen und freireligiösen Bewegungen im Januar 1849 ausgewiesen, im Januar 1851 suspendiert, 1852 seines Amtes entsetzt und starb 16. März 1858 in Breslau. Er schrieb: "De Cinnamomo disputatio" (Bonn 1843); "Agrostologia brasiliensis" (Stuttg. 1829); "Genera et species Asterearum" (Nürnb. 1833); "Systema Laurinarum" (Berl. 1836); "Florae Africae australioris illustrationes monographicae I. Gramineae" (Glog. 1841). Besonderes Verdienst hat er sich auch um die Systematik der Kryptogamen erworben durch folgende Werke: "Die Algen des süßen Wassers, nach ihren Entwickelungsstufen dargestellt" (Bamb. 1814); "Das System der Pilze und Schwämme" (Würzb. 1816); "Naturgeschichte der europäischen Lebermoose" mit "Erinnerungen aus dem Riesengebirge" (Berl. 1833-38, 4 Bde.); "Bryologia germanica" (mit Hornschuch und Sturm, Nürnb. 1823-31, 2 Bde. mit 43 Tafeln); "Synopsis hepaticarum" (mit Gottsche und Lindenberg, Hamb. 1844-47). Auch als Zoolog trat N. auf durch seine "Hymenopterorum ichneumonibus affinium monographiae" (Stuttg. 1834, 2 Bde.). Er war einer der Hauptvertreter der Naturphilosophie und schrieb als solcher: "System der spekulativen Philosophie", Bd. 1: "Die Naturphilosophie" (Glog. 1841); "Die allgemeine Formenlehre der Natur" (Bresl. 1852) sowie die "Vorlesungen zur Entwickelungsgeschichte des magnetischen Schlafs und Traums" (Bonn 1820).

2) Theodor Friedrich Ludwig, Botaniker, Bruder des vorigen, geb. 26. Juli 1787 zu Erbach, wurde Apotheker, 1817 Inspektor des botanischen Gartens in Leiden und 1833 Professor und Inspektor des botanischen Gartens zu Bonn; starb 12. Dez. 1837 in Hyères. Er schrieb: "Genera plantarum florae germanicae etc." (Bonn 1833-38, 16 Hefte; fortgesetzt von Spenner, Putterlick, Schnizlein, Bischoff, Caspary, Brandis 1839-60, Heft 17-31); "Handbuch der medizinisch-pharmazeut. Botanik" (das. 1830-33, 3 Bde.); mit W. Sinning gab er heraus: "Sammlung schön blühender Gewächse in lithographierten Abbildungen für Blumen- und Gartenfreunde" (Düsseld. 1825-31, mit 100 Tafeln); mit A. Henry: "Das System der Pilze" (Bonn 1837, mit 12 Tafeln). Auch hat er die "Plantae officinales" von Weihe, Walter und Funke (Düsseld. 1821-33, 18 Hefte mit 552 Tafeln) fortgesetzt.

Nefas (lat.), Unrecht; Nefasti dies, Unglückstage.

Neffe (mittelhochd. neve, franz. neveu), Sohn des Bruders oder der Schwester, wohl auch des Schwagers oder der Schwägerin.

Neffen, s. Blattläuse.

Neffenrecht, s. Mutterrecht.

Nefftzer, Auguste, franz. Journalist, geb. 3. Febr. 1820 zu Kolmar, studierte Theologie in Straßburg, ging dann nach Paris, wo er 1844 in die Redaktion von Girardins "Presse" eintrat, und behandelte in diesem Blatt vorzugsweise die äußere Politik sowie religiöse Fragen vom Standpunkt des Neuhegelianismus aus. 1857 gründete er mit Ch. Dollfus die "Revue germanique", war aber seit 1858 wieder für die "Presse" thätig, bis er 1861 sich ganz von derselben lossagte und den "Temps" gründete, ein Blatt, das sich innerhalb der liberalen Presse eine besondere Stelle zu erringen wußte. Die Ereignisse von 1870/71 brachten N., der stets für die Annäherung an Deutschland gewirkt hatte, in eine schiefe Stellung, und der Politik überdrüssig, zog er sich nach Basel zurück, wo er 20. Aug. 1876 starb.

Neft-gil, s. Ozokerit.

Negapatam, Hafenstadt in der angloind. Präsidentschaft Madras, Distrikt Tandschor, am Bengalischen Meerbusen, Endpunkt der Indischen Südbahn, welche in die Madras-Kalikat-Eisenbahn einmündet, mit einer höhern Schule der Jesuiten, einer wesleyanischen Mission und (1881) 53,855 Einw., welche ansehnlichen Handel mit Ceylon, Birma und den Straits Settlements treiben. Die Stadt war eine der ersten portugiesischen Besitzungen an der Koromandelküste; 1660 wurde sie von den Holländern, 1781 von den Briten genommen.

Negation (lat.), Verneinung, d. h. Aufhebung eines andern in Gedanken Gesetzten, daher stets auf eine vorausgegangene Bejahung oder Position bezüglich. Der Ausdruck für die reine Verneinung, das Nichts, bezeichnet eben nichts, d. h. nicht etwas, und jede Verneinung oder N. hat also nur einen Sinn als Aufhebung einer Bejahung und findet ihre Stelle lediglich in den Beziehungen der Gedanken, also im Urteil. Mit dem Satze z. B.: "die Kugel ist kein Kubus, oder die Pflanze ist kein Tier" soll nicht gesagt werden, daß Kugel oder Kubus, Pflanze oder Tier negativ seien, sondern nur, daß der Begriff der Kugel nicht mit dem Prädikat Kubus und die Pflanze nicht mit dem Prädikat Tier gedacht werden könne. Solche negative Urteile sagen demnach aus, daß der eine Begriff nicht Prädikat des andern sein könne, wogegen negative Begriffe solche heißen, deren Inhalt lediglich durch die Verneinung eines andern Begriffs gegeben ist, z. B. Finsternis als Abwesenheit des Lichts, Freiheit als Verneinung des Zwanges etc. Negative Merkmale eines Begriffs gibt es streng genommen nicht, doch pflegt man mit diesem Ausdruck häufig die ausdrücklich von einem andern Begriff ausgeschlossen Merkmale zu bezeichnen. Die Anwendung des Begriffs der Verneinung ist immer relativ, und darauf beruht der Begriff der negativen Größen in der Mathematik, welcher sich nicht