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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Nepotismus - Neptunus.

chern, in welchem nach bestimmten Klassen das Leben ausgezeichneter Männer beschrieben war und zwar so, daß innerhalb dieser Klassen immer erst die Auswärtigen und dann die Römer behandelt waren. Aus diesem letztern Werk sind uns 23 Biographien aus dem Buch "De excellentibus ducibus exterarum gentium" und die Biographien des ältern Cato und des Atticus aus dem Buch "De historicis latinis" erhalten, und außerdem besitzen wir noch zwei Bruchstücke aus einem Brief der Cornelia, der Mutter der Gracchen, an ihren Sohn Gajus, die angeblich diesem Werk entnommen sind, deren Echtheit aber nicht ohne guten Grund bestritten wird. Die 25 Vitae, die uns sonach erhalten sind, sind mit einer gewissen ansprechenden Wärme und in einer einfachen, nicht ungefälligen, obwohl von Inkorrektheiten und Stilfehlern nicht freien Sprache geschrieben; der Inhalt ist aus den nächstliegenden, meist griechischen Quellen geschöpft, aber aus Mangel an Sorgfalt und aus Unkenntnis durch zahlreiche Irrtümer entstellt. Ausgaben lieferten Lambin (Par. 1569), van Staveren (Leid. 1734; neu hrsg. von Bardili, Stuttg. 1820, 2 Bde.), Roth (Basel 1841), Nipperdey (2. Aufl., Leipz. 1879; Schulausgabe, 9. Aufl., Berl. 1885), Halm (Leipz. 1874) und Siebelis (10. Aufl., das. 1881); Übersetzungen Dehlinger (5. Aufl., Stuttg. 1873), Türck (Bonn 1858), Siebelis (3. Aufl., Berl. 1882) und Zwirnmann (Stuttg. 1883). Vgl. Ranke, De Corn. Nepotis vita et scriptis (Quedlinb. 1827); Freudenberg, Quaestiones historicae in C. Nepotis vitas (Köln 1839).

Nepotismus (v. ital. nepote, Neffe, "Neffengunst"), Bezeichnung für jenes System, welches die Päpste von Innocenz VIII. an geraume Zeit hindurch befolgten, um während ihres Kirchenregiments ihren Familien Ansehen und Reichtümer zuzuwenden; dann überhaupt eine ungerechte Begünstigung, welche höher stehende Personen ihren Verwandten bei der Verleihung von Ämtern, Würden, Pensionen und sonstigen Zuwendungen zu teil werden lassen.

Nepper, s. Napier 1).

Neppersche Rechenstäbchen, s. Rechenstäbchen.

Neptūn, der äußerste bekannte Planet, mit dessen Auffindung die Wissenschaft einen ihrer größten Triumphe gefeiert hat, weil rein theoretische Untersuchungen dazu geführt haben, Masse und Ort des vorher unbekannten Himmelskörpers anzugeben. Unregelmäßigkeiten, die sich in der Bewegung des 1781 entdeckten Uranus herausstellten und durch die Störungen der bekannten Planeten nicht zu erklären waren, führten verschiedene Astronomen, z. B. Bouvard 1834 und Mädler 1840, zu der Überzeugung von der Existenz eines noch unbekannten Planeten jenseit des Uranus, und Bessel ließ durch seinen Gehilfen Flemming in den 40er Jahren Vorarbeiten zur Berechnung der Elemente dieses Himmelskörpers unternehmen. Indessen hinderte die Kränklichkeit seiner letzten Jahre Bessel an der weitern Verfolgung dieser Idee. Die wirkliche Lösung der Aufgabe erfolgte ganz selbständig von zwei Seiten: durch den Engländer Adams und den Franzosen Leverrier. Der erstere legte schon im September 1845 Challis in Cambridge die ersten Resultate seiner Rechnungen vor, und im nächsten Monat sandte er dieselben auch mit einigen Abänderungen an Airy in Greenwich. Die letzten Ergebnisse empfing Airy Anfang September 1846. An die Öffentlichkeit trat Adams mit seiner Arbeit erst 1847. Mit Hilfe der Adamsschen Angaben gelang es in der That Challis, am 4. und 12. Aug. 1846 den gesuchten Planeten aufzufinden; da ihm aber keine ins einzelne gehenden Sternkarten zu Gebote standen, so erkannte er damals die planetarische Beschaffenheit desselben nicht. Leverrier in Paris fing auf Anregung Aragos im Sommer 1845 an, sich mit der Uranustheorie zu beschäftigen, und 10. Nov. 1845, 1. Juni, 31. Aug. und 5. Okt. 1846 teilte er seine Resultate der Pariser Akademie mit. Am 18. Sept. 1846 richtete er auch an Galle, der damals Observator an der Berliner Sternwarte war, das Ersuchen, an einer von ihm näher bezeichneten Stelle des Himmels nach dem berechneten Planeten zu suchen, den er namentlich an seinem auf 3'' geschätzten scheinbaren Durchmesser für kenntlich hielt. Galle empfing das Schreiben Leverriers am Morgen des 23. Sept. und fand mit Hilfe der von Bremiker bearbeiteten Karte der in Betracht kommenden Stelle des Himmels nahe an der von Leverrier bezeichneten Stelle ein Sternchen achter Größe, das auf der Karte fehlte. Unter Teilnahme Enckes wurden die Beobachtungen bis zum Morgen fortgesetzt, ohne daß es indessen gelang, mit Sicherheit eine Ortsveränderung zu konstatieren; erst am nächsten Abend stellte sich eine solche unzweifelhaft heraus, und damit war die planetarische Natur des beobachtete Sterns dargethan. Da derselbe schon 1795 als Fixstern von Lalande beobachtet worden war, so war man bald im stande, seine Elemente zu bestimmen; doch hat sich zwischen diesen letztern und den auf rein theoretischem Wege gefundenen Resultaten eine nicht unerhebliche Differenz ergeben, was sich indes aus der Schwierigkeit der Rechnung genugsam erklärt. Die Exzentrizität der Bahn des N. beträgt nur 0,00850, d. h. etwa 1/118 der halben großen Achse, wonach die Neptunbahn nächst der Venusbahn sich am meisten dem Kreis nähert. Die Neigung derselben gegen die Ekliptik beträgt nur 1° 47'. Die mittlere Entfernung des N. von der Sonne ist 30,07 Sonnenweiten = 4470,47 Mill. km oder 602,5 Mill. Meilen. Er durchläuft seine Bahn in 164 Jahren 286 Tagen mit ungefähr ⅕ der Geschwindigkeit der Erde. Dieser kann er sich bis auf 574 Mill. Meilen nähern, sich aber bis auf 626 Mill. Meilen von ihr entfernen. Im letztern Fall erscheint er mit einem Durchmesser von 2,5'', in ersterm von 2,7'', wonach sein mittlerer scheinbarer Durchmesser 2,6'' beträgt, was einem wahren Durchmesser von 4,312 Erddurchmessern = 55,000 km oder 7400 geogr. Meilen entspricht. Er erscheint am Himmel als ein Stern 7.-8. Größe. Seine Masse beträgt 1/19700 ^[richtig ergänzt nach den Werten dieses Artikels: der Sonnenmasse und das 16,44fache] der Erdmasse, seine Dichte 0,205 von der der Erde (1,12 von der des Wassers); die Intensität der Schwere ist 0,86 von der auf der Erde. Er scheint mit einer Nebelhülle umgeben zu sein; über seine Rotation ist nichts bekannt. Am 7. Juli 1847 entdeckte Lassell einen Mond des N., der 47,500 Meilen von letzterm entfernt ist, und dessen siderische Umlaufszeit 5 Tage 21 Stund. 4 Min. beträgt.

Neptunische Gebirgsarten, s. v. w. Sedimentgesteine.

Neptunismus, geolog. Anschauungsweise, nach welcher alle die feste Erdrinde zusammensetzenden Bestandteile aus dem Wasser oder unter Beihilfe desselben entstanden sein sollen. Vgl. Geologie, S. 128.

Neptūnus, italischer Gott, Gemahl der Salacia, der Göttin der Salzflut, von den Römern mit dem griechischen Poseidon identifiziert, seitdem 399 durch die Sibyllinischen Bücher für diesen ein Lektisternium angeordnet war. Wie Poseidon wurde auch N. als Gott der See und der ritterlichen Übungen verehrt und hatte als solcher einen Tempel am Circus Flaminius, während auf dem Circus Maximus der altitalische Gott Consus in gleicher Eigenschaft