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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ne quid nimis - Nerium.

einen Altar hatte. Später gründete Agrippa für seine Seesiege über Sextus Pompejus und Antonius dem N. ein Heiligtum mit einer Halle auf dem Marsfeld. Ein Fest des N. (die Neptunalien) mit Spielen wurde am 23. Juli gefeiert. Vgl. Poseidon.

Ne quid nimis (lat.), "nichts zu viel", d. h. man muß keine Sache übertreiben, Citat aus Terenz ("Andria", I, 1), das auf den griechischen Weisen Cheilon, von andern auf Solon zurückgeführt wird.

Nequitien (lat.), Nichtsnutzigkeiten.

Nera (im Altertum Nar), Fluß in der ital. Provinz Perugia, entspringt an den Monti Sibillini, fließt südwestlich, bildet bei Terni die Cascata delle Marmore, nimmt den Velino auf und mündet bei Orte in den Tiber; 135 km lang.

Nérac, Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Lot-et-Garonne, an der Baise und der Eisenbahn von Port-Ste.-Marie nach Condom, hat Ruinen des ehemaligen Residenzschlosses der Könige von Navarra, ein Standbild Heinrichs IV., ein Handelsgericht, eine protest. Konsistorialkirche, ein Collège, Hospital, Fabrikation von grobem Tuch, Korkwaren, Stärke, Schiffszwieback und Likör, Bierbrauereien, Handel mit Getreide, Hanf, Leinwand und berühmten Rebhühnerpasteten und (1886) 4729 Einw.

Nerbudda, Fluß, s. Narbada.

Nerchau, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Leipzig, Amtshauptmannschaft Grimma, an der Mulde und der Linie Glauchau-Wurzen der Sächsischen Staatsbahn, hat Farbenfabrikation und (1885) 1341 Einw.

Nerechta, Kreisstadt im russ. Gouvernement Kostroma, an der Mündung des Flusses N. in die Soloniza, hat 7 Kirchen, eine große Leinwandfabrik und (1884) 3307 Einw.

Nereïden, s. Nereus.

Nereïtes, s. Anneliden.

Neresheim, Oberamtsstadt im württemberg. Jagstkreis, an der Egau, 518 m ü. M., hat ein Amtsgericht, Bierbrauerei, Gänsezucht, Marmorbrüche, Käsebereitung und (1885) 874 (als Gemeinde 1076) meist kath. Einwohner. N. ist geschichtlich bekannt durch die Schlacht 11. Aug. 1796 zwischen den Franzosen unter Moreau und den Österreichern unter Erzherzog Karl, die aber ohne Resultat blieb, sowie durch das Gefecht zwischen den Österreichern unter Werneck und den Franzosen 17. Okt. 1805, in welchem letztere siegten. Nahe dabei die ehemalige Benediktinerabtei N. (1095 gegründet), die 1763 die Reichsstandschaft erhielt, aber 1802 säkularisiert und dem Fürsten von Thurn und Taxis als Entschädigung gegeben wurde, der das Kloster in ein Schloß verwandelte.

Nereus, in der griech. Mythologie ältester Sohn des Pontos und der Gäa, ein wohlratender, weissagender, das Recht liebender Meergreis, Gemahl der Doris, der Tochter des Okeanos, die ihm 50 Töchter (Nereiden) gebar. Sein Wohnsitz ist vorzugsweise das Ägeische Meer. Herakles, dem die Nymphen des Flusses Eridanos den Aufenthaltsort des N. verraten hatten, ergriff denselben, als er schlief, fesselte ihn, da er sich durch Verwandlung in verschiedene Gestalten zu befreien suchte, und gab ihn nicht eher wieder los, als bis er ihm offenbarte, wo die Äpfel der Hesperiden zu finden seien. Seine Töchter, wohlthätige, den Menschen freundlich gesinnte Nymphen des Meers, wohnen bei ihm in der Meerestiefe, kommen aber, von bedrängten Schiffern angerufen, auf die Oberfläche des Meers empor, um ihnen zu helfen. Unter ihnen ist außer der Amphitrite, welche Poseidon zur Gemahlin gewählt hatte, besonders Thetis, die schöne Mutter des Achilleus, von den Dichtern verherrlicht worden. Ihre Verehrung findet sich hauptsächlich an Hafenorten. Die bildende Kunst stellte den N. als Greis dar; sein gewöhnliches Attribut ist das Zepter, auch wohl ein Dreizack. Aus Vasenbildern kommt er auch fischleibig, doch mit menschlichem Oberkörper vor. Die Nereiden wurden dargestellt als anmutige Mädchengestalten, in der ältern Zeit leicht bekleidet, später meist nackt, auf Delphinen und Tritonen reitend (vgl. Triton, mit Abbild.). Vgl. Heydemann, Nereiden mit den Waffen des Achill (Halle 1879).

Nerfling, Fischgattung, s. Aland.

Nergal, der Kriegsgott der Babylonier, der Herr des Planeten Mars und eine verderbenbringende Macht, ward besonders in der Stadt Kutha verehrt. Die geflügelten Löwen mit Menschenhaupt an den Tempeln und Palastpforten Susas und Ninives waren seine Bilder.

Neri, Filippo, Heiliger, geb. 22. Juli 1515, studierte zu Rom bei den Augustinern, ward Priester, gründete 1548 in Rom die Kongregation des Oratoriums, deren Generalsuperior er ward, und starb 26. Mai 1595 daselbst. Er fühlte sich von der Herrlichkeit göttlicher Liebe oft so tief ergriffen, daß er ausrufen mußte: "O! Herr, halte ein mit den Strömen deiner Gnade!" Er war nach Franz von Assisi der populärste und ohne Vergleich der originellste aller katholischen Heiligen; den Kardinalshut schlug er mehrmals aus. Er ward 1622 kanonisiert und sein Todestag 1726 zum gebotenen Fest erhoben. Über seine Bedeutung für die Entstehung des Oratoriums s. Musik, S. 924. Vgl. Reiching, Leben des heil. Phil. N. (Regensb. 1859); Capecelatro, Der heil. Ph. N. (deutsch, Freiburg 1885).

Nerike, Landschaft im schwed. Län Örebro (s. d.), zwischen dem Wettersee und Hjelmarsee, 4677 qkm (85 QM.) mit 110,000 Einw., welche Ackerbau, Viehzucht, Fischerei und Bergbau auf Eisen und Zink treiben. Hauptorte sind: Örebro, Askersund u. Hallsberg.

Nerio, eine Göttin der Sabiner, Gemahlin des Mars und Schutzgöttin der Ehe, von den Römern bald mit Minerva, bald mit Venus identifiziert.

Néris (N. les Bains), Badeort im franz. Departement Allier, Arrondissement Montluçon, mit (1881) 1332 Einw., alkalisch-salinischen Thermen von 40-54° C. Temperatur und Bauresten der schon im Altertum benutzten Bäder.

Nerita, Insel, s. Ferdinandea.

Nerium L. (Oleander, Lorbeerrose), Gattung aus der Familie der Apocyneen, immergrüne Sträucher mit zu dreien, seltener zu vieren wirtelständigen, schmalen, lederartigen Blättern, schönen, großen Blüten in end- oder achselständigen Trugdolden und länglichen Balgkapseln mit schopftragenden Samen. Zwei oder drei Arten in den Mittelmeerländern und dem tropischen Asien. N. Oleander L. (Rosenlorbeer), bis 8 m hoher Strauch an Bächen und Seen in Südeuropa, Nordafrika und Vorderasien, mit lanzettförmigen Blättern und rosenroten, auch weißen Blüten, ist scharf narkotisch, die Blätter wurden früher gegen Hautausschläge benutzt und dienen wohl auch jetzt noch als Hausmittel. Die Rinde benutzt man in Südeuropa zur Vertilgung des Ungeziefers. Bei uns wird er in mehreren Varietäten als Kalthauspflanze und vielfach auch im Zimmer kultiviert. Sehr ähnlich ist der wohlriechende Oleander (N. odorum Ait.), aus Indien, mit wohlriechenden Blüten, der ebenfalls in mehreren Varietäten kultiviert wird.