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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nesselseide; Nesselsucht; Nesseltiere; Nesseltuch; Nesserland; Nessing; Neßler

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Nesselseide - Neßler.

Auf dem Kongreß zu Wien war er einer der einflußreichsten Bevollmächtigten. Am 9. Aug. 1816 wurde er von Alexander zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt und hat dies Amt 40 Jahre lang mit großem Geschick verwaltet. Als einer der eifrigsten Verfechter der Heiligen Allianz begleitete er den Kaiser Alexander I. auf die Kongresse zu Aachen, Troppau, Laibach und Verona. Auch unter Kaiser Nikolaus, der ihm 1826 bedeutende Besitzungen im südlichen und westlichen Rußland verlieh, zeigte er sich als bewährten Staatsmann. N. war erst Vizekanzler, dann Kanzler des russischen Reichs. Nachdem er noch den Pariser Frieden 20. März 1856 unterzeichnet und 15. April d. J. seinen Abschied genommen, starb er 23. März 1862 in Petersburg. Vgl. "Selbstbiographie des Reichskanzlers Grafen N." (deutsch, Berl. 1866). Sein einziger Sohn, Dimitri, Graf von N., geb. 23. Dez. 1816, ist Wirklicher russischer Staatsrat und kaiserlicher Obersthofmeister.

Nesselseide, s. Cuscuta.

Nesselsucht (Nesselausschlag, Urticaria), Hautkrankheit, bei welcher sich flache, unregelmäßige, mehr breite als hohe Anschwemmungen der Haut ohne Abstoßung der Epidermis bilden. Diese Anschwellungen (Quaddeln, Nesselmäler) sind meist von bleichem Ansehen, mit blaßrotem Hof umgeben und entstehen durch eine entzündliche, wässerige Ausschwitzung in das Lederhautgewebe (Ödem). Die Quaddeln stehen bald vereinzelt, bald so nahebei einander, daß sie zum Teil zusammenfließen; bald ist die Dauer einer Quaddel eine sehr kurze, bald hält sie sich eine längere Zeit hindurch. Bisweilen sind die Quaddeln mit roten Knötchen, den geschwollenen Hautbälgen, besetzt (Nesselfriesel). Nach den verschiedenen Ursachen unterscheidet man verschiedene Arten von N. Es entsteht nämlich N. 1) infolge äußerer Hautreize, wie bei der Berührung der Haut mit Brennesseln, mit den Blättern von Rhus Toxicodendron, mit den Haaren mancher Raupen etc., sowie 2) nach dem Genuß gewisser Speisen. Die letztere Form tritt bei manchen Individuen aus, unmittelbar nachdem sie Erdbeeren, Krebse, Muscheln, Pilze, Käse oder andre ungewöhnliche Nahrungsmittel genossen haben. Es ist völlig rätselhaft, weshalb die genannten Nahrungsmittel nur bei sehr wenigen Menschen und bei diesen gewöhnlich jedesmal N. hervorrufen (Idiosynkrasien. Auch nach der Darreichung großer Dosen von Kopaivabalsam entsteht nicht selten N. 3) Die fieberhafte N. (Nesselfieber, Febris urticata) ist eine mit heftigem Fieber und Verdauungsstörungen verbundene Form, deren Ursachen ganz unbekannt sind. Endlich tritt 4) N. in Begleitung fieberhafter Krankheiten (Wechselfieber) zuweilen auf. Die N. ist stets mit einem lästigen, unwiderstehlich zum Kratzen der Haut auffordernden Jucken der Haut verbunden. Dieses Jucken und die Quaddelnbildung sind die einzigen Symptome der Formen der N., mit Ausnahme der fieberhaften N. Die Dauer der Krankheit ist meist auf einen oder wenige Tage beschränkt, doch macht sie nicht selten Rückfälle. Das die fieberhafte N. begleitende und dieselbe zuweilen einleitende Fieber kann einen hohen Grad erreichen, so daß die Zunge trocken, der Schlaf sehr unruhig wird und selbst Delirien auftreten. Gesellen sich zu diesem Fieber heftiges Erbrechen und häufige Durchfälle, so kann man eine schwere Erkrankung vor sich zu haben glauben. Indessen verliert sich der Ausschlag wie das Fieber und die gastrischen Symptome schon nach einigen Tagen, und es folgt eine schnelle Genesung. Eine eingreifende ärztliche Behandlung der N. ist durchaus nicht nötig. Gegen das Hautjucken hat man Waschungen mit sehr verdünnten Säuren und Einreibungen mit Zitronenscheiben empfohlen, doch ist ihre Wirkung sehr unsicher. Gegen hartnäckige Formen werden Quecksilber, Arsen, Aconit mit geringem Erfolg angewendet. Man muß sich daher darauf beschränken, das etwa beeinträchtigte Allgemeinbefinden der Kranken durch diätetische Mittel wiederherstellen, Verdauungsstörungen zu beseitigen und den Genuß von Speisen zu untersagen, nach welchem erfahrungsgemäß manche Personen die N. bekommen.

Nesseltiere, s. Cölenteraten.

Nesseltuch, ursprünglich ein aus den Bastfasern der großen Nessel gewebtes leinwandartiges Zeug, welches meist ungebleicht verbraucht wurde; jetzt Benennung der feinen und mittelfeinen und ungebleichten Batiste und Musseline.

Nesserland (Nessa), ostfries. Insel im Dollart, zum preuß. Regierungsbezirk Aurich, Stadtkreis Emden, gehörig, vor dem Hafen von Emden, der letzte Rest eines im Dollart untergegangenen Landes, mit dem Festland durch einen Damm verbunden.

Nessing, eine feine Sorte Schnupftabak.

Neßler, 1) Julius, Agrikulturchemiker, geb. 27. Juni 1827 zu Kehl, erlernte die Pharmazie, studierte in Straßburg und Freiburg, arbeitete als Assistent v. Babos in Freiburg u. bei Bunsen in Heidelberg. 1856 trat N. als Chemiker in die chemische Fabrik von Pauli bei Karlsruhe ein und errichtete 1859 privatim die agrikulturchemische Versuchsstation Karlsruhe, welche später vom Staat pachtweise übernommen wurde. Zum Professor ernannt, entwickelte er eine bedeutende Thätigkeit und erwarb sich ein großes Zutrauen bei den Landwirten Badens. Daneben führte N. zahlreiche agrikulturchemische Untersuchungen aus. Außer dem bekannten Neßlerschen Reagens auf Ammoniak (Jodkalium-Jodquecksilber mit freiem Kali) und einer Konservierflüssigkeit für Pflanzenpräparate (20proz. Weingeist mit 0,1 Proz. saurem schwefligsaurem Kali) findet das Neßlersche Insektengift (Tabakspulver 30 g mit heißem Wasser übergossen und abfiltriert, dann 40 g Fuselöl, 30 g Seife, 200 ccm Weingeist zugesetzt und mit Wasser auf 1 Lit. verdünnt) häufige Verwendung. Seit Mitte der 60er Jahre beschäftigte sich N. vorzugsweise mit Versuchen und Untersuchungen über Weinbau, Weinbehandlung und Erkennung von Verfälschungen des Weins. Er schrieb: "Der Wein und seine Bestandteile" (2. Aufl., Chemn. 1866); "Der Tabak, seine Bestandteile und seine Behandlung" (Mannh. 1867); "Bericht über die Thätigkeit der Versuchsstation Karlsruhe bis 1870"; "Die Bereitung, Pflege und Untersuchung des Weins" (4. Aufl., Stuttg. 1885); "Die Rebwurzellaus" (das. 1875); "Naturwissenschaftliche Leitfaden für Landwirte und Gärtner" (Berl. 1880, 1. Tl.).

2) Viktor, Komponist, geb. 28. Jan. 1841 zu Baldenheim bei Schlettstadt, studierte in Straßburg Theologie und zugleich unter Leitung Th. Sterns Komposition. Der Erfolg seiner Oper "Fleurette" in Straßburg veranlaßte ihn, das theologische Studium aufzugeben und 1864 in Leipzig unter Hauptmanns Leitung seine musikalische Ausbildung zu vollenden. 1868 debütierte er als Komponist mit der romantischen Zauberoper "Dornröschens Brautfahrt", der später die Singspiele: "Am Alexandertag" und "Der Nachtwächter" sowie die Opern: "Hermingard" und "Der Rattenfänger von Hameln" (Text von F. Hofmann), endlich 1885 "Der Trompeter von Säckingen" folgten, welch letztere Oper in ganz Deutschland großen Beifall gefunden hat. Von seinen kleinern Kompositionen sind hervorzuheben die