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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Neubergblau; Neubildung; Neubistritz; Neublau; Neubrandenburg; Neubraunfels; Neubraunschweig

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Neubergblau - Neubraunfels.

ging. Als Direktrice dieser Truppe zog sie die besten Talente an sich heran und wußte mit ihnen für die damalige Zeit Außerordentliches zu leisten. In die Ideen Gottscheds eingehend, half sie ihm das regelrechte Drama auf der deutschen Bühne einbürgern und stürzte 1737 den Hanswurst, der bis dahin auf der deutschen Bühne eine Hauptrolle gespielt hatte. 1740 folgte sie einem Ruf nach Petersburg, kehrte dann nach Leipzig zurück, überwarf sich mit Gottsched und sah sich 1743 gezwungen, ihre Gesellschaft aufzulösen. Auch nachdem sie dieselbe 1744 neu organisiert hatte, mußte sie ihr 1750 abermals den Abschied geben und versuchte nun noch einmal 1753 ihr Glück als Schauspielerin in Wien, aber ohne Erfolg. Von der Bühne gänzlich zurückgezogen, starb sie in Dürftigkeit 30. Nov. 1760 in Laubegast bei Dresden. Hier setzten ihr Kunstfreunde 1776 ein Denkmal, das 1852 und 1877 erneuert wurde. Das Auftreten der "Neuberin", einer energischen, fein gebildeten Frau, bildet den Hauptwendepunkt in der Geschichte der deutschen Schauspielkunst. Indem sie dem regelrechten Drama theatralisch zu seinem Recht verhalf, reformierte sie zugleich das Spiel und machte sich auch um eine Verbesserung des Kostüms und der theatralischen Musik verdient. Vgl. v. Reden-Esbeck, Karoline N. und ihre Zeitgenossen (Leipz. 1881).

Neubergblau, Mischung von Bremer Blau mit wenig Berliner Blau; Öl- und Wasserfarbe.

Neubildung (Neoplasma, Pseudoplasma), s. v. w. Geschwulst.

Neubistritz, Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Neuhaus, Sitz eines Bezirksgerichts, mit Dechanteikirche, Schloß, Webschule, Baumwollweberei, Tuchfabrik und (1880) 2850 Einw.

Neublau (Waschblau), mit wenigen Prozenten Berliner Blau, Ultramarin oder Indigo gefärbte Stärke, dient zum Bläuen der Wäsche u. des Papiers.

Neubrandenburg, Stadt im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz, am Ausfluß der Tollense aus dem Tollensee, Knotenpunkt der Linien Berlin-Stralsund der Preußischen Staatsbahn, Lübeck-Mecklenburgisch-Preußische Grenze der Friedrich Franz-Bahn and der Linie N.-Friedland der Mecklenburgischen Südbahn, 19 m ü. M., ist von Mauern umgeben, hat 4 schöne alte gotische Thore, 3 Kirchen (darunter die restaurierte gotische Marienkirche aus dem 13. Jahrh. mit 93 m hohem Turm), eine Synagoge, ein großherzogliches Palais, ein Theater, ein Museum, ein Gymnasium, ein Armenhaus (ehemaliges Franziskanerkloster), ein Amtsgericht, eine Zentral-Steuerdirektion, ein Hauptsteueramt, die Mecklenburgische Hagel- und Mobiliar-Brandversicherungsaustalt, Eisengießereien und Maschinenfabriken, Dampfmolkerei, Papier-, Säge- und bedeutende Mahlmühlen, eine Pianofortefabrik, lebhaften Vieh-, besonders Pferdehandel und (1885) 9134 meist evang. Einwohner. 4 km von der Stadt liegt in einem uralten Walde die sogen. Ravensburg, wahrscheinlich ein heidnischer Opferplatz, und am nordwestlichen Ufer des Tollensees das großherzogliche Lustschloß Belvedere mit reizender Fernsicht. - N. wurde 1248 vom Markgrafen Johann I. von Brandenburg gegründet und kam 1292 an Mecklenburg. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 31. März 1631 von Tilly erstürmt. Vgl. Boll, Chronik der Vorderstadt N. (Neubrandenb. 1874).

Neubraunfels, Stadt im nordamerikan. Staate Texas, am Comalfluß, 50 km südwestlich von Austin, in einer der gesegnetsten Gegenden des Landes, wurde 1845 von einer deutschen Kolonisationsgesellschaft unter dem Prinzen Karl vom Solms-Braunfels angelegt und zählt (1880) 1938 Einw.

Neubraunschweig (New Brunswick), eine Provinz der brit. Dominion of Canada in Nordamerika, zwischen der Chaleursbai, der Fundybai und dem nordamerikanischen Staat Maine gelegen und östlich an den St. Lorenzbusen grenzend. Mit Neuschottland verbindet es der Isthmus von Chignecto. Die Küsten sind von zahlreichen Baien eingeschnitten, unter welchen die Passamaquoddybai an der Südküste, die Miramichibai an der Ostküste und die Chaleursbai an der Nordgrenze die bedeutendsten sind. Ebene Striche kommen nur an der Küste vor. Das Innere ist ein malerisches Hügelland, bis zu 500 m ansteigend, mit saftigen Weidegründen in den Thälern und dichten Waldungen von Tannen, Eichen, Ahornen, Ulmen, Pappeln und Eschen auf den Höhen. Die Bewässerung ist eine reichliche. Hauptfluß ist der St. John (s. d.), der bei den Grand Falls aus Maine in das britische Gebiet übertritt. Nächst ihm sind der Grenzfluß St. Croix und der Miramichi am wichtigsten. Unter den gerade nicht zahlreichen Seen ist der Grand Lake der größte; er gehört zum Stromgebiet des St. John. Das Klima ist feucht, gilt aber für gesund. Der Winter dauert fünf Monate (November bis Anfang April); doch ist der Sommer heiß, so daß selbst Weizen fast überall reift (St. John: August 15°, Januar 7,6°, Jahr 4,6° C.; Regen 850, Schnee 2790 mm). N. hat ein Areal von 70,761 qkm (1285,2 QM.) und (1881) 323,358 Bewohner, meist Abkömmlinge französischer Akadier, amerikanische Royalisten und der in jüngerer Zeit zugeströmten Einwanderer. Das britische Element überwiegt entschieden. 20 Proz. der Bevölkerung sind katholisch. Im Innern hausen noch 1546 Indianer, meist Micmac. Eine Universität und zahlreiche Schulen sorgen für Volksbildung; sämtliche Elementarschulen sind frei. Ackerbau und Viehzucht sind von Bedeutung. Im J. 1881 waren 507,173 Hektar angebaut, und man zählte 52,975 Pferde, 221,163 Schafe, 212,560 Rinder und 53,087 Schweine. Der größte Reichtum der Kolonie aber besteht in ihren Waldungen, welche enorme Massen von vortrefflichem Holz zur Ausfuhr liefern. Auch die Fischereien sind wichtig (Ertrag 1886: 4,180,227 Doll.). An jagdbaren Tieren gibt es noch Bären und Wölfe, Füchse, Marder, Luchse, Biber neben zahlreichem Geflügel. Das Elentier (Moose) ist hingegen fast ausgerottet. Eisenerze und Steinkohlen werden gefördert, und außerdem findet man Blei, Manganerz, Graphit und Antimon. Die Industrie ist bereits ziemlich entwickelt und liefert neben Holzwaren und Schiffen auch wollene und baumwollene Waren, Leder, Möbel, Papier, landwirtschaftliche Geräte und selbst Dampfmaschinen. Die wichtigsten Artikel der Ausfuhr (1886: 6,547,096 Doll.) sind: Bauholz, Holzwaren, Fische und Thran, Eisen, Steinkohlen und etwas Pelzwerk. Die Einfuhr, meist aus England, erreichte einen Wert von 5,918,732 Doll. Eisenbahnen verbinden die Hauptstädte des Landes mit Kanada, Neuschottland und den Vereinigten Staaten. Die Verwaltung ruht in den Händen eines Gouverneurs, dem ein exekutiver Rat (Ministerium) zur Seite steht. Die gesetzgebende Macht üben ein Legislative Council, dessen 20 Mitglieder der Gouverneur ernennt, und ein vom Volke gewähltes House of Assembly von 41 Mitgliedern aus. Im J. 1885 beliefen sich die Einkünfte auf 693,332 Doll., die Provinzialschuld auf 1,058,469 Doll. Hauptstadt ist Fredericton, wichtigste Handelsstadt aber St. John. - N. war ehemals ein Teil des französischen Acadia, wor-^[folgende Seite]