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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Neubritannien; Neubruch; Neubuch; Neubukow; Neubulach; Neuburg

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Neubritannien - Neuburg.

tigen Reichtum an Kokospalmen auszubeuten. Als zu Neuirland gehörig werden noch zwölf Inseln und Gruppen, 1400 qkm (25 QM.) groß, gerechnet. Es sind dies die Hibernischen Inseln an der Nordostküste, alle mit sichern Küsten, bis auf die östlichsten hoch und gebirgig, anscheinend fruchtbar, gut bewaldet und bewohnt. An Neuirland schließt sich nordwestlich, durch die Steffen- und Byronstraße getrennt und durch einen Schwarm kleiner Inseln verbunden, Neuhannover, 1476 qkm (27 QM.) groß, dessen Ufer von Mangroven eingefaßt sind, worauf ein breiter Gürtel hochstämmigen Waldes folgt; am Fuß des Gebirges breitet sich Grasland aus, und das Gebirge selbst ist mit Urwald überzogen. Im N. von Neuhannover liegen die 660 qkm (12 QM.) große Insel Matthias von dreieckiger Form, im Innern bergig, gut bewaldet und fruchtbar, und die 165 qkm (3 QM.) große, flache, ebenfalls gut bewaldete Koralleninsel Squally. Westlich von Neuhannover bedeckt der Archipel der Admiralitätsinseln (s. d.) einen großen Meeresraum; derselbe umfaßt 2276 qkm (41,3 QM.). Noch weiter westlich liegen zerstreut die Hermitinseln (17 qkm), ein großes Lagunenriff mit 13 teils flachen, teils höhern Inseln, dann die Echiquierinseln (50 qkm), zwei Lagunen mit flachen, bewaldeten Inseln, auf denen hellere, schlichthaarige Menschen wohnen, und die Anachoreten (15 qkm), eine Kette teils niedriger, teils hoher, auf einem langen Riff liegender Eilande. Erwähnenswert sind noch die an der Nordküste von Neubritannien liegenden Französischen Inseln, 820 qkm (14,9 QM.) groß, die hoch und fruchtbar sind und durch ihre heißen, hoch aufsprudelnden Quellen ihren vulkanischen Charakter verraten. Noch werden zu dem N. gerechnet drei große und mehrere kleine Inseln an der Nordostküste von Neuguinea. Die durch die Dampierstraße von Neubritannien getrennte Insel Rook, 705 qkm (12,8 QM.), hat im Innern Berge vulkanischen Ursprungs von majestätischen Formen, fruchtbaren, wohlbewässerten Boden, aber ein ungesundes Klima. An ihrer Nordseite bietet der Hafen Isidro, im S. San Giuseppe hinreichenden Schutz. Long, 544 qkm (9,9 QM.), westlich davon, besteht aus zwei durch einen niedrigern, dicht bewaldeten Landstrich verbundenen vulkanischen Bergen. Dampier, 272 qkm (4,9 QM.), ganz nahe der Küste, ist eine ganz gebirgige, mit ununterbrochenem Urwald bedeckte Insel, unter deren Bergen ein thätiger Vulkan von etwa 1600 m Höhe ist. Auch diese Inseln sind schwach bewohnt. - Entdeckt wurde der Archipel zuerst 1616 durch die Niederländer Le Maire und Schouten; ihnen folgte Tasman 1643. Dampier bewies durch die Auffindung der nach ihm benannten Straße die Selbständigkeit des Archipels, Carteret fand 1767 den die beiden Hauptinseln scheidenden Kanal. Ihnen folgten Bougainville 1768, J. ^[John] Hunter 1791, d'Entrecasteaux 1792 und 1793, d'Urville 1827, Belcher 1840, F. Hunter 1842 und Simpson 1872. In diese Zeit fällt die erste Niederlassung des Hamburger Hauses J. C. ^[Johann Cesar] Godeffroy auf Neubritannien. Die Feindseligkeit der Eingebornen gab Veranlassung, daß die Gazelle auf ihrer wissenschaftlichen Weltreise auch diesen Archipel besuchte. Die demzufolge erschienenen Berichte waren namentlich in ethnographische Beziehung wertvoll (vgl. "Zeitschrift für Ethnologie" 1877, Heft 1 u. 2). Einige Inseln lief 1875 der Challenger an. Nun wurde die Gruppe auch regelmäßig von Hamburger Handelsschiffen besucht, und die Wesleyaner errichteten auf der Duke of York-Gruppe eine Missionsstation. Eingehende Nachrichten über Land und Leute brachten der englische Missionär Brown, die deutschen Reisenden Hübner und Kleinschmidt (letzterer wurde hier ermordet), der Konsul F. Hernsheim und O. Finsch, namentlich aber der Engländer W. Powell, der drei Jahre auf den Inseln verweilte. Durch die Thätigkeit der Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft und der Firma Hernsheim hat sich allmählich hier ein bedeutender Handel entwickelt, der zum allergrößten Teil in deutschen Händen ist. Große Strecken Landes sind, um Pflanzungen anzulegen, von den Eingebornen erworben worden. Die beiden Handelshäuser besitzen gegenwärtig Handelsstationen bei Port Weber, Kabakadai, Matava, Ratavul, Nadup, Nugai, Blanchebai, Matupi auf Neubritannien, bei Port Hunter, Mioko, Makada in der Duke of York-Gruppe, bei Lagunebanje, Kapsu, Butbut, Cablaman, Kap Jeschke auf Neuirland, auf der Loof- und der Péméinsel in der Hermitgruppe sowie auf den Anachoreten. Um den deutschen Handel auf der Gruppe zu stützen, wurden 1878 die beiden Häfen Makada und Mioko in der Duke of York-Gruppe von Reichs wegen von den Eingebornen gekauft und Ende 1884 wie auf der Nordostküste von Neuguinea, so auch auf Neubritannien, Neuirland, Neuhannover und den Admiralitätsinseln die Flagge des Deutschen Reichs aufgezogen. Dies war auf Ansuchen einer deutschen Gesellschaft geschehen, welche später den Titel Neuguineakompanie (s. d.) annahm, und welcher die oben genannten beiden deutschen Häuser beitraten. Dieser Gesellschaft wurde 17. Mai 1885 das Recht zur Ausübung landeshoheitlicher Befugnisse im N. verliehen; einer ihrer Beamten hat seinen Sitz in Matupi auf der Gazellehalbinsel. Vgl. Jung, Der Weltteil Australien, Bd. 2 (Leipz. 1883); Powell, Unter den Kannibalen von Neubritannien (deutsch, das. 1884); Hager, Kaiser Wilhelms-Land und der Bismarck-Archipel (das. 1886); Parkinson, Im Bismarck-Archipel (das. 1887).

Neubritannien, Insel, s. Neubritannia-Archipel.

Neubruch (Rodeland, Neuland, Neuriß, Novalacker), in Ackerland verwandeltes Land, welches früher entweder wüst lag oder als Wiese, Weide, Holzung etc. benutzt ward. Daher Neubruchzehnte (Novalzehnte), der Zehnte, welcher auf neu zu kultivierende Ländereien gelegt wurde.

Neubuch, eine Lage von 100 Bogen Papier.

Neubukow, Stadt im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Herzogtum Schwerin, hat eine evang. Pfarrkirche mit weithin auf dem Meer sichtbarem Turm, ein Amtsgericht und (1885) 1901 Einw.

Neubulach (Bulach), Stadt im württemberg. Schwarzwaldkreis, Oberamt. Kalw, hat eine evang. Pfarrkirche und (1885) 580 Einw.

Neuburg, unmittelbare Stadt im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, an der Donau und der Linie Neuoffingen-Ingolstadt der Bayrischen Staatsbahn, Hauptstadt des ehemaligen reichsunmittelbaren Fürstentums N. (s. unten), 392 m ü. M., hat 7 katholische und eine evang. Kirche, ein ehemaliges Schloß, ein vormaliges Jesuitenkollegium, eine Studienanstalt, ein Studienseminar, eine Realschule, ein Priesterhospitium, ein Englisches Fräulein-Institut, 3 Klöster, einen Historischen Verein mit wertvollen Sammlungen, ein Theater, ein Landgericht, ein Bezirksamt und (1885) mit der Garnison (ein Infanteriereg. Nr. 15) 7485 meist kath. Einwohner. In der Nähe das ehemalige Lustschloß Grünau (jetzt Sitz eines Forstamtes), das Hofgestüt Rohrenfeld, die