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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Neumühlen; Neumünster; Neun; Neunauge; Neunburg; Neunkirchen

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Neumühlen - Neunkirchen.

Neumühlen, Dorf in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Landkreis Kiel, in schöner Lage am Einfluß der Schwentine in den Kieler Busen, ein Vergnügungsort der Kieler, hat die größte Mahlmühle auf dem europäischen Kontinent ("Baltische Mühle"), mit 82 Mahlgängen, die jährlich 300,000 metr. Ztr. Weizenmehl liefern, und (1885) 852 Einw.

Neumünster, Stadt in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Landkreis Kiel, an der Schwale und unweit der Stör, Knotenpunkt der Linien Altona-Kiel, N.-Oldesloe, N.-Neustadt und N.-Wamdrup der Preußischen Staats- wie N.-Tönning der Westholsteinischen Eisenbahn, 22 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Progymnasium nebst Realprogymnasium, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, eine Eisenbahnwerkstätte, ansehnliche Tuchfabrikation und Fabriken für Herstellung von Buntpapier, Kartonagen, Leder etc., 2 Dampfbierbrauereien, lebhaften Handel und (1885) mit der Garnison (1 Infanteriebat. Nr. 85 und eine reitende Abteilung Feldartillerie Nr. 9) 13,659 meist evang. Einwohner. Der Ort (ursprünglich Wipendorp im Gau Faldera) erhielt seinen Namen von einem Augustinerkloster, das hier von dem heil. Vicelin, dem Apostel Holsteins, 1130 gestiftet und 1326 nach Bordesholm verlegt ward. Vgl. Ipsen, N., ein holsteinischer Fabrikort (Kiel 1870); Dittmann, Aus dem alten N. (Neumünster 1879).

Neun, die höchste einzifferige Zahl des dekadischen Systems. Sie hat die Eigenschaft, daß jede Zahl bei der Division mit 9 denselben Rest läßt wie ihre Quersumme, d. h. wie die Summe der Ziffern, mit denen sie geschrieben wird; ist diese Quersumme mit 9 ohne Rest teilbar, so ist es auch die Zahl selbst. Darauf beruht die sogen. Neunerprobe, welche man bei großen Additionen bisweilen anwendet. Für die Zahlen 4398 und 5175 sind z. B. die Quersummen 4+3+9+8=24 und 5+1+7+5=18; letztere ist daher mit 9 teilbar, erstere gibt bei der Division mit 9 den Rest 6.

Neunauge (Lamprete, Pricke, Bricke, Petromyzon Art.), Gattung aus der Ordnung der Rundmäuler und der Familie der Neunaugen (Petromyzontidae), aalähnliche, nackte fischähnliche Tiere mit von einem ringförmigen Lippenknorpel gestütztem Saugmaul, ein- oder mehrspitzigen, hornigen Zähnen, sieben äußern Kiemenspalten, einem gemeinsamen innern Kiemengang und zwei Rückenflossen, von denen die hintere mit der Schwanzflosse zusammenfließt. Die Neunaugen durchlaufen eine Metamorphose. Das kleine Flußneunauge (Sandpricke, P. Planeri Bl.), 20-40 cm lang, mit zwei ganz oder fast zusammenstoßenden Rückenflossen, am Umfang des Saugmundes mit einem dichten, mehrreihigen Kranz kurzer, warzenartiger Fransen, zwischen denen kleine Zähne stehen, auf dem Rücken ölgrün, an den Seiten gelblich, auf dem Bauch weiß, findet sich in allen Flüssen und Bächen Europas und Nordamerikas auf weichsandigem oder schlammigem Grund, auch im Meer, laicht im April und geht dann mit völlig erschöpften Geschlechtswerkzeugen zu Grunde. Aus den Eiern geht das als Querder (Leinaal, Kieferwurm, Ulen, Ammocoetes branchialis L.) beschriebene und für ein selbständiges Tier gehaltene junge N. hervor, welches einen sehr kleinen Kopf, kaum sichtbare Augen, Kiemenlöcher in einer Längsfurche und deutliche Hautringel besitzt, matt silberglänzend ist und auch in seiner innern Organisation abweicht. Es lebt im Schlamm, auch in den zum Rösten ins Wasser gelegten Flachsbündeln und verwandelt sich früher oder später, oft erst bei einer Länge von 20-30 cm, in das geschlechtsreif N. Das große Flußneunauge (gemeine Flußpricke, P. fluviatilis L.), bis 50 cm lang, mit voneinander getrennten Rückenflossen, ist auf der Oberseite grünlichblau, an den Seiten gelblich, auf dem Bauch silberweiß, an den Flossen veilchenfarben, bewohnt alle europäischen, die Küsten Nordamerikas und Japans bespülenden Meere, steigt im Frühjahr in den Flüssen bis zu den entferntesten Seitenflüssen auf, um zu laichen, und kehrt im Herbst ins Meer zurück, scheint aber auch in größern Flüssen und Seen beständig zu bleiben. Wahrscheinlich stirbt auch diese Art nach völlig beendetem Laichgeschäft. Ihre Larve ist der der vorigen Art sehr ähnlich. Die Seelamprete (P. marinus L.), bis 1 m lang und 3 kg schwer, mit einem dichten Kranz zerfaserter Fransen am Innenrand der wulstigen Lippen und getrennten Rückenflossen, grünlichweiß, auf dem Rücken und an den Seiten schwarzbraun oder dunkel olivengrün marmoriert, auf dem Bauch weiß, lebt in allen europäischen Meeren mit Ausnahme des Schwarzen Meers, auch an den Küsten Westafrikas und Nordamerikas, laicht im Frühjahr im untern Lauf der Flüsse und stirbt nach dem Laichen. Die Larvenform ist unbekannt. Die Neunaugen nähren sich von Würmern, Fischbrut und Kerbtieren, saugen sich aber auch an große Fische an und fressen diesen tiefe Löcher in den Leib. Dies geschieht namentlich auch den Lachsen und Maifischen, und so werden die Neunaugen von letztern in den Flüssen stromaufwärts getragen, während sie selbst zu schlecht schwimmen, um so weite Wege in so kurzer Zeit zurücklegen zu können. Um zu laichen, verschleppen sie mit Hilfe ihres Saugmundes große Steine und bilden so Höhlungen, in welchen je ein Paar verweilt. Das Fleisch der Neunaugen ist sehr geschätzt. Sie bilden, besonders mariniert, einen wichtigen Handelsartikel; als die besten gelten die Lüneburger, dann die Elbinger, das Fleisch ist aber schwerverdaulich. Frisch werden sie wie Aal zubreitet ^[richtig: zubereitet].

Neunburg (N. vor dem Wald), Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk Oberpfalz, an der Schwarzach, 380 m ü. M., hat 5 kath. Kirchen, 2 Schlösser, ein Institut der Armen Schulschwestern, ein Amtsgericht, ein Forstamt, Glasschleiferei und Polierwerke, Flachsbau und (1885) 2423 Einw.

Neunkirchen, 1) Flecken im preuß. Regierungsbezirk Trier, Kreis Ottweiler, an der Blies, Knotenpunkt der Linien Bayrisch-Preußische Grenze-Saarbrücken, Saarbrücken-N. und Bingerbrück-N. der Preußischen Staatsbahn sowie verschiedener Industriebahnen, 224 m ü. M., hat 2 gotische evangelische und eine romanische kath. Pfarrkirche, eine höhere Knabenschule, eine Präparandenanstalt, eine Steigerschule, ein großes Knappschaftslazarett, ein Amtsgericht, ein sehr bedeutendes Eisenwerk mit etwa 3000 Arbeitern, 2 große Steinkohlengruben mit 2700 Arbeitern, Koks-, Maschinen- und Kessel-, Seifen-, Lichte-, Hefen- und Essigfabrikation (Förderung 1886: 700,100 Ton., Absatz über 5 Mill. Mk.), 2 Dampfziegeleien, 2 große Dampfsägewerke, Bierbrauerei und (1885) 17,655 meist kath. Einwohner. -

2) Marktflecken in Niederösterreich, im sogen. Steinfeld, an der Schwarza und der Südbahn, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat eine große gotische Dechanteikirche, ein Minoritenkloster (seit 1631), eine protest. Kirche, Fabriken für Metallwaren, Schrauben etc., eine Ultramarinfabrik, 2 Baumwollspinnereien, eine bedeutende Baumwolldruckwarenfabrik und (1880) 6757 Einw.