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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Niederländische Kunst; Niederländische Litteratur

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Niederländische Kunst - Niederländische Litteratur.

und die letztern machten die Aufhebung der Schulgesetze zur Bedingung der Verfassungsrevision; als die Regierung hierauf nicht einging, vereitelten sie jeden Beschluß der Kammer. Dieselbe wurde daher zum zweitenmal 1886 aufgelöst, und diesmal erlangten die Liberalen eine Mehrheit von acht Stimmen. Die öffentlichen Zustände, namentlich das Anwachsen der Sozialdemokratie in den Niederlanden, welche im Sommer 1886 in Amsterdam und an andern Orten erhebliche Unruhen erregten, die nur mit blutiger Gewalt unterdrückt werden konnten, mahnten endlich die Antiliberalen, Orthodoxe und Ultramontane, dem parlamentarischen Stillstand ein Ende zu machen. 1887 ward daher die Verfassungsrevision nach sechsjährigen Verhandlungen von den Generalstaaten endgültig angenommen und 30. Nov. die neue Verfassung verkündet, welche die Zahl der Wähler um 200,000 vermehrt. Bei der Wahl der Kammern nach dem neuen Gesetz im März 1888 erlangten die Liberalen bloß in der Ersten Kammer die Mehrheit, in der Zweiten nur 45 gegen 55 antirevolutionär-klerikale Stimmen. Heemskerk nahm daher seine Entlassung, und Baron Mackay bildete daher im April ein antirevolutionär-ultramontanes Ministerium.

Vgl. Wagenaar, De vaderlandsche historie vervattende de geschiedenissen der vereenigde Nederlanden (Amsterd. 1749-60, 21 Bde.; Supplement bis 1790, das. 1789-90, 3 Bde.; Fortsetzung von 1776 bis 1802, das. 1788-1810, 48 Bde.); Bilderdijk, Geschiedenis des vaderlands (Leiden 1832-1853, 13 Bde.); Kluit, Historie der hollandsche staatsregering (Amsterd. 1802-1805, 5 Bde.); v. Kampen, Geschichte der N. (Hamb. 1831-33, 2 Bde.; neue Bearbeit. von Wenzelburger, 1878 ff.); Leo, Zwölf Bücher niederländischer Geschichten (Halle 1832-35, 2 Bde., die mittelalterliche Geschichte der N. umfassend); Motley, Rise of the Dutch republic (Lond. 1856, 3 Bde.; deutsch, Dresd. 1857-1860, 3 Bde.); Derselbe, History of the United Netherlands (Lond. 1860-64, 4 Bde.); Derselbe, John of Barnevelt (das. 1874, 2 Bde.); Muller, De staat der vereenigde Nederlanden 1572-94 (2. Aufl., Haarl. 1878); Nuijens, Algemeene geschiedenis des Nederlandschen volks (Amsterd. 1872-82, 20 Bde.); Derselbe, Geschiedenis der nederlandsche beroerten in de XVIe eeuw (das. 1863-70, 4 Tle. [klerikal]); Vitringa, Staatkundige geschiedenis der Bataafsche republiek (Arnh. 1858-64, 3 Bde.); Wijnne, Geschiedenis van het vaderland (6. Aufl., Groning. 1881); Groen van Prinsterer, Handboek der geschiedenis van het vaderland (4. Aufl., Amsterd. 1874, 4 Bde.); Arend, Algemeene geschiedenis des vaderlands (mit Fortsetzungen von van Rees, Brill und van Vloten, das. 1840-83, Bd. 1-5); Juste, Histoire de la révolution des Pays-Bas sous Philippe II (neue Ausg., Brüss. 1885, 4 Bde.); van Vloten, Nederlands opstand tegen Spanje (neue Ausg., Schiedam 1872, 2 Bde.); Wicquefort, Histoire des Provinces-Unies des Pays-Bas (Amsterd. 1865-83, 5 Bde.); Bosch-Kemper, Geschiedenis van Nederland van 1830 (das. 1873-82, 5 Bde.); S. Muller, Lijst van noord-nederlandsche kronijken (Utrecht 1880).

Niederländische Kunst, die Kunst in den Niederlanden, welche das gegenwärtige Belgien und Holland umfassen. Die Kunst in den nördlichen Provinzen hatte schon frühzeitig einen eigenartigen Charakter angenommen, der sich seit der Trennung der Provinzen noch schärfer entwickelte. Seit dem Ende des 16. Jahrh. gab es eine besondere holländische Kunst, welche zu der der südlichen Provinzen im Gegensatz stand. Die Kunst der letztern nannte man seitdem die vlämische oder nach ihrem Hauptsitz die Brabanter Kunst. Seit 1830 hat sich wieder eine besondere belgische Kunst herausgebildet. Näheres s. Baukunst, Bildhauerkunst, Malerei, Musik etc.

Niederländische Litteratur. Die schöne oder Nationallitteratur der Niederländer hat eine nur wenig über die Grenzen des Landes hinausgehende allgemeinere Bedeutung; sie zeichnet sich im ganzen, dem Charakter des Volkes entsprechend, weniger durch dichterischen Gehalt und kühnen Schwung der Phantasie als durch eine gewisse behagliche Hausbackenheit und Beförderung lauterer Religionsmeinungen und rechtlichen Bürgersinns aus. Die ältesten Denkmäler derselben sind eine Anzahl höfischer Epopöen aus dem 13. Jahrh., welche meist Stoffe aus dem karolingischen und britischen Sagenkreis behandeln, aber mit wenigen Ausnahmen Übersetzungen französischer Originale sind und insofern nur geringe Bedeutung haben. Wir nennen davon: "Carel ende Elegast" (hrsg. von Jonckbloet, Amsterd. 1859); den "Roman van Lancelot" (hrsg. von Jonckbloet, Haag 1846); den "Roman der Lorreinen" und "Roman van Karel de Grooten" (Bruchstücke davon hrsg. von Jonckbloet, Leid. 1844); "Walewein" von Penninc und Pieter Vostaert (hrsg. von Jonckbloet, das. 1846-48, 2 Bde.); die Erzählung von "Floris en Blancefloer" von Dieteric van Assenede (hrsg. von Hoffmann von Fallersleben in dessen "Horae belgicae", Bd. 3); "Partenopeus" (hrsg. von Maßmann, Berl. 1847) und "Ferguut" (hrsg. von Verwijs u. Verdam, Groning. 1881). Weit über diesen Epopöen steht der "Reinaert" (hrsg. von Jonckbloet, Groning. 1856), das einzige bekannte Produkt niederländischer Volksdichtung aus jener Zeit (s. Reineke Fuchs). Jene Epopöen wurden infolge des Aufschwunges des Bürgertums und des Verfalls des Rittertums von einer andern Dichtungsart verdrängt, welche meist aus lateinischen Quellen schöpfte und vorwiegend didaktische Zwecke verfolgte. Hauptrepräsentant derselben ist Jakob van Maerlant (13. Jahrh.), der in seinen Werken alle Fragen der Zeit, wie die Leibeigenschaft, die Pflichten des Regenten, und im "Spiegel historiael" den Inbegriff der allgemeinen Geschichte behandelt. An ihn schließt sich unmittelbar der bedeutendste Dichter des 14. Jahrh. an, Jan Boendale, genannt Jan de Clerc, Schreiber der Schöffen zu Antwerpen (gest. 1351), Verfasser zweier Reimchroniken, der "Brabantsche yeesten" (hrsg. von Willems 1839-43, 2 Bde.) und "Van den derden Edewaerd", sowie mehrerer Lehrgedichte, von denen die bedeutendsten "Der leken spiegel" (1325-30; hrsg. von de Vries, Leid. 1844-48, 3 Bde.) und "Jans Teesteye" (1331; hrsg. von Snellaert, 1867). Auch das "Dietsche doctrinal" von 1345 (hrsg. von Jonckbloet, Haag 1842) und der "Cato" (hrsg. von Jonckbloet, Leid. 1846) sind anzuführen. Erwähnung verdienen außerdem Jan van Heelus Beschreibung der Schlacht von Woeringen (hrsg. von Willems 1836), Melis Stokes Chronik von Holland (um 1305; hrsg. von Huydecoper, Leid. 1772, 3 Bde.), der "Grimbergsche oorlog" (hrsg. von Blommaert, Gent 1852) und eine bis ins 15. Jahrh. reichende Reimchronik von Flandern (hrsg. von Kausler, Tübing. 1840). Unter den Legenden sind die bedeutendsten: der "Theophilus" (hrsg. von Blommaert, Gent 1836 u. 1850), der "Brandaen" (hrsg. von Blommaert, das. 1838-41) und die "Beatrijs" (hrsg. von Jonckbloet, Amsterd. 1859), die schönste Blüte mittelniederländischer Poesie. Auch