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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nihilum album; Niigata; Nijkerk; Nijmegen; Nikäa; Nikaaufstand

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Nihilum album - Nikaaufstand.

Prozeß von 1874 gegen 193 Angeklagte, von denen aber bloß 19 verurteilt wurden, Klarheit gab; selbst Lehrer, Beamte, Richter, Mitglieder des Adels begünstigten die auf den Umsturz des Staats gerichtete Bewegung. Die eigentlichen Leiter derselben waren aber halbgebildete, arbeitsscheue junge Leute beiderlei Geschlechts, welche in verschiedenen Städten des Reichs "Kommunen" bildeten. Nachdem verschiedene Verurteilungen und Verschickungen stattgefunden hatten, beschlossen die N. durch Mord und Brandstiftungen einen allgemeinen Schrecken in der Gesellschaft hervorzurufen und die Werkzeuge der Regierung einzuschüchtern. Der erste Schritt auf dieser Bahn war das Attentat der Vera Sassulitsch gegen den Petersburger Stadthauptmann Trepow (5. Febr. 1878), und die unter dem Beifall des Publikums erfolgte Freisprechung der Verbrecherin durch das Geschwornengericht konnte die N. nur zu weitern Thaten und zu einer festen Organisation ermutigen. Es wurde ein Kongreß in Zgierz abgehalten, ein Bund, die "Narodnaja Wolja" ("Partei des Volkswillens") gestiftet und ein Exekutivkomitee eingesetzt, welches seine Netze über ganz Rußland ausbreitete, Todesurteile gegen mißliebige Beamte fällte und deren Vollstreckung vorbereitete, jeden Verrat mit dem Tod bestrafte und in geheimen Druckereien Flugschriften drucken ließ, welche das Programm der Verschwörer verkündeten und Haß gegen die Regierung und den Kaiser predigten. Der in Genf erscheinende "Messager de la Volonté du peuple" war das Organ des Ausschusses. Am 16. Aug. 1878 wurde der Chef der dritten Abteilung der kaiserlichen Kanzlei, General Mesenzew, in Petersburg, 21. Febr. 1879 der Gouverneur Fürst Krapotkin in Charkow ermordet, 25. April auf Mesenzews Nachfolger Drentelen und 14. April 1879 von Solowjew auf den Kaiser selbst ein Attentat gemacht. Nachdem 1. Dez. 1879 versucht worden war, den kaiserlichen Zug bei Moskau durch Dynamit in die Luft zu sprengen, erfolgten 17. Febr. 1880 die Dynamitexplosion im Winterpalast und 13. März 1881 die Ermordung Alexanders II. Die Mörder wurden ergriffen und gehenkt und eine energische Verfolgung der N. ins Werk gesetzt. Dennoch wurde 25. Nov. 1882 in Odessa der Prokurator des Militärgerichte Strelnikow, und 28. Dez. 1883 der Polizeioberst Sudeikin erschossen. Der Thäter war ein Mitglied des Ausschusses, Degejew, der sich von Sudeikin als Spion hatte gebrauchen lassen, dann ein Geständnis abgelegt hatte und zur Sühne den Mord hatte ausführen müssen. Die Erkenntnis, daß noch andre Spione Mitglieder der Narodnaja Wolja seien, führte zur Auflösung derselben in mehrere Gruppen. Die Wühlerei hörte aber deshalb nicht auf und hatte besonders bei Offizieren, dann bei den Polen Erfolg. Am 13. März 1887 ward wieder ein Anschlag auf das Leben des Kaisers gemacht, nachdem längere Zeit die energische Thätigkeit der Polizei die N. teils zur Flucht ins Ausland genötigt, teils im Zaum gehalten hatte. Eine völlige Unterdrückung der Verschwörungen ist aber um so weniger wahrscheinlich, als die eigentlichen Ursachen derselben, die unerträglichen öffentlichen Zustände in Rußland, nicht wesentlich gebessert sind. Vgl. Karlowitsch (Gerbel-Embach), Die Entwickelung des Nihilismus (3. Aufl., Berl. 1881); Thun, Geschichte der revolutionären Bewegungen in Rußland (Leipz. 1883); Oldenberg, Der russische Nihilismus (das. 1888).

Nihilum album, s. Zinkoxyd.

Niigata ("Neuhafen"), Hauptstadt der japan. Provinz Echigo, links vom Ausfluß des Shinano-gawa in das Japanische Meer, mit (1884) 41,454 Einw., erinnert durch seine Kanäle und die dieselben einfassenden Alleebäume sowie seine große Sauberkeit an holländische Städte. N. wurde 1860 dem fremden Verkehr eröffnet, doch erwies sich die Stadt hierfür wegen ihrer seichten, offenen Reede und der heftigen Nordwinde während des Winters ungeeignet. In N. wohnen daher nur wenige fremde Kaufleute, deren Verkehr mit Europa über Jokohama stattfindet. Die Stadt wurde von den Tokugawa gegründet.

Nijkerk (spr. nei-), Stadt in der niederländ. Provinz Gelderland, 3 km vom Zuidersee, durch einen Kanal mit diesem verbunden, und an der Eisenbahn Utrecht-Kampen, hat eine reformierte, eine römisch-katholische und eine Separatistenkirche, ein Kantonalgericht, Flachsspinnerei und Mattenflechterei, Schiffahrt, Tabaks-, Getreide-, Holz- und Viehhandel und (1886) 7599 Einw.

Nijmegen (spr. nei-), Stadt, s. Nimwegen.

Nikäa (Nicäa), im Altertum bedeutende Stadt in Bithynien, am Askaniasee, wurde 316 v. Chr. an der Stelle des von den Mysiern zerstören Ankore von Antigonos unter dem Namen Antigonia erbaut und erst später von Lysimachos zu Ehren seiner Gemahlin N. benannt. Die Stadt war zweite Residenz der Könige Bithyniens und blieb wichtig durch ihren Handel. Der jüngere Plinius machte sich als Gouverneur von Bithynien um die Stadt durch Wiederherstellung ihrer Monumente verdient. Sie war Geburtsort des Astronomen Hipparch und des Geschichtschreibers Dio Cassius und war frühzeitig der Sitz eines christlichen Bischofs. Eine wichtige Grenzfestung des oströmischen Reichs, erlag sie 1080 dem Andrang der Seldschukken, denen sie im ersten Kreuzzug 1097 wieder entrissen wurde. Im 13. Jahrh. machte Theodor Laskaris N. zur Hauptstadt seines vorderasiatischen Reichs, welches von Orchan 1330 dauernd für die osmanische Herrschaft gewonnen wurde. An derselben Stelle liegt heute Isnik; ein armer Ort von kaum 100 Häusern, aber mit den wohlerhaltenen Mauern und mancherlei Ruinen der alten Stadt. In der Kirchengeschichte ist N. berühmt durch zwei daselbst abgehaltene Kirchenversammlungen (das erste und siebente ökumenische Konzil). Auf der ersten (325) wurde die Arianische Lehre (s. Arianischer Streit) verdammt und auf Grund des alten apostolischen Symbolums das Nicäische Glaubensbekenntnis (s. d.) und der Tag des Osterfestes festgestellt. Die zweite Kirchenversammlung zu N. ward von der Kaiserin Irene 787 berufen, um die Verehrung der Bilder in der Kirche durchzusetzen (s. Bilderdienst und Bilderverehrung). 1074 war N. vorübergehend Sitz des Kalifats und feinster arabischer Kultur, 1204-59 Residenz der oströmischen Kaiser und der ökumenischen Patriarchen.

Nikaaufstand, die große Empörung in Konstantinopel, 13.-19. Jan. 532 gegen Kaiser Justinian I., veranlaßt durch die beiden Zirkusparteien der Grünen und der Blauen, welche, gereizt durch die Strenge, mit welcher der Kaiser gegen einige Unruhestifter aus ihrer Mitte einschritt, und ihren Hader vergessend, unter dem Ruf: "Nika!" ("Siege!") die Stadt in Brand steckten, durch Zugeständnisse des Hofs nicht beschwichtigt, Justinian stürzen wollten und deshalb das Schloß bestürmten. Nachdem 17. Jan. ein Angriff der Söldnerscharen Belisars vergeblich gewesen, gelang es endlich, die Blauen zu gewinnen und 19. Jan. die Grünen in der Rennbahn zu überfallen, wo 30,000 Menschen niedergemetzelt wurden, womit der Aufstand niedergeschlagen war. Vgl. W.