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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Nigger - Nihilisten.

Nigger (engl. für negro), in Amerika verächtliche, schimpfende Bezeichnung eines Negers.

Niggeröl, s. Baumwollsamenöl.

Nightingale (spr. neihtingel), Miß Florence, durch ihre menschenfreundlichen Bestrebungen bekannt geworden, geboren im Mai 1820 zu Florenz als Tochter eines englischen Gutsbesitzers, erhielt von ihrer Mutter, einer Tochter Will-Smiths, des eifrigen Beförderers der Sklavenemanzipation, früh eine philanthropische Richtung, besuchte viele Schulen, Hospitäler und Rettungshäuser Englands und des Festlandes und verweilte seit 1849 einige Zeit in der Diakonissenanstalt zu Kaiserswerth am Rhein, worüber sie in einer Schrift berichtete. Nach England zurückgekehrt, verwandte sie einen ansehnlichen Teil ihres Vermögens auf die Reorganisation des Hospitals für Gouvernanten in London und zeichnete sich dann besonders im orientalischen Krieg als Vorsteherin der englischen Hospitäler in Skutari und Balaklawa aus. Ein in England für sie zusammengebrachtes Kapital von 50,000 Pfd. Sterl. wurde auf ihren Wunsch zur Erweiterung des Londoner St. Thomas-Hospitals, namentlich zur Ausbildung von Krankenpflegerinnen, verwendet. Sie schrieb: "Hints on hospitals" (Lond. 1859, 3. Aufl. 1863); "Notes on nursing" (das. 1858 u. öfter; deutsch von Niemeyer: "Ratgeber für Gesundheits- und Krankenpflege", Leipz. 1878); "Observations on the sanitary state of the army in India" (1863); "Life or death in India" (1873).

Nigidaier (Nigidalzen), Volksstamm, s. Negda.

Nigidius Figulus, Publius, Zeitgenosse und Freund Ciceros, nächst Varro der gelehrteste Römer seiner Zeit, geboren um 98 v. Chr. Ein Anhänger des Pompejus, ging er nach dessen Besiegung ins Exil, wo er 45 starb. Er hatte einen mystischen Hang, der ihn zur Pythagoreischen Philosophie, zur Astrologie und zur Magie hinzog, die er auch praktisch ausübte. Seine zum Teil sehr umfänglichen theologischen, naturwissenschaftlichen, astronomischen und grammatischen Schriften fanden trotz ihrer Gelehrsamkeit wegen ihrer Dunkelheit und Spitzfindigkeit im ganzen weniger Beachtung als die Varros; erhalten sind davon nur Fragmente. Vgl. Hertz, De P. Nigidii Figuli studiis atque operibus (Berl. 1868).

Nigra, Constantino, Graf, ital. Staatsmann, geb. 12. Juni 1827 bei Ivrea, trat 1848 als Student in die Armee, focht mit Auszeichnung bei Pastrengo, Santa Lucia, Calmosino und Rivoli, erhielt infolge einer Preisarbeit unter Azeglio eine Anstellung im Ministerium des Äußern und folgte Cavour bei den Besuchen des Königs in Paris und London 1855 als Sekretär und 1856 als Chef der Gesandtschaftskanzlei zu den Friedenskonferenzen nach Paris. 1859 nahm er an den Verhandlungen des Züricher Friedens teil. Von Zürich aus ging er erst als Geschäftsträger, sodann als bevollmächtigter Minister der sardinischen Regierung nach Paris und bewies in dem damals zwischen Napoleon III. und Cavour sich entspinnenden Kampf um die Oberherrschaft Italiens große Klugheit und Mäßigung. Durch die Ernennung Nigras zum italienischen Gesandten am Tuilerienhof 1. Aug. 1861 erfüllte Viktor Emanuel einen der letzten Wünsche des sterbenden Cavour. N. gehörte in Paris zu den Vertrauten des kaiserlichen Hofs und galt namentlich für einen Günstling der Kaiserin. Auch nach dem Sturz des Kaiserreichs blieb er in Paris und wurde erst nach dem Fall des Ministeriums Minghetti 1876 als Botschafter nach Petersburg, 1882 nach London und 1885 nach Wien versetzt. Seit 1882 ist er Graf. Auch litterarisch machte sich N. durch Schriften über italienische Dialekte und Volkspoesie sowie seine Ausgabe der "Glossae hibernicae veteres" der Turiner Handschrift (Par. 1869) bekannt.

Nigreszieren (lat.), schwarz werden.

Nigrin, s. Rutil.

Nigritien, s. Sudân.

Nigritier, s. v. w. Neger.

Nigrosin, s. Azofarbstoffe.

Nigua, s. v. w. Sandfloh, s. Flöhe.

Nihil (nil, lat.), nichts. N. ad rem, das gehört nicht hierher, thut nichts zur Sache. N. habenti nihil deest, wer nichts hat, dem fehlt nichts. N. humani a me alienum puto, s. Homo sum etc. N. in intellectu, quod non ante in sensu, nichts ist im Verstand, was nicht vorher im Sinn, d. h. durch sinnliche Wahrnehmung, angeeignet war; Grundsatz des Empirismus und Sensualismus. N. probat, qui nimium probat, nichts beweist der, welcher zu viel beweist. N. sciri potest, ne id ipsum quidem, nichts kann man wissen, nicht einmal dieses selbst, nämlich, daß man nichts weiß; Grundsatz der Skeptiker.

Nihilismus (v. lat. nihil, nichts), im philosophischen Sinn die Lehre, welche entweder die Existenz irgend eines Wirklichen (metaphysischer N.), oder die Geltung irgend eines Sittengesetzes (ethischer N.), oder den Bestand irgend einer Wahrheit (logischer N.) leugnet (s. Nichts). In der Theologie nannte man N. die dem Petrus Lombardus (s. d.) aus Mißverständnis beigelegte, vom Papst Alexander III. 1179 verdammte und von den Pariser Theologen um 1300 gemißbilligte Ansicht, daß Christus, sofern seine menschliche Natur keine Selbständigkeit besitzt, kein Individuum, also nichts sei. Über politischen N. s. Nihilisten.

Nihilisten, Bezeichnung für die Anhänger einer unter der Jugend beider Geschlechter, auch der höchsten Stände, in Rußland hervorgetretenen und weitverbreiteten Anschauungsweise (Nihilismus), welche nach der Zertrümmerung der geschichtlichen Grundlagen der Gesellschaft und des Staats strebt und rein materialistische oder sozialdemokratische oder auch ganz utopistische Ziele verfolgt, teilweise aber durchaus pessimistisch an der Welt verzweifelt, nichts als gut oder verbesserungsfähig gelten läßt und daher das eigne sowie andrer Leben für wert- und zwecklos hält. Der Name kommt zuerst in Turgenjews Roman "Väter und Söhne" (1861) vor. Seinen Ursprung hat der Nihilismus in den zerrütteten Zuständen des despotisch regierten Rußland mit seinem brutalen, bestechlichen Beamtentum, der Willkür der Polizei und der Unterdrückung jeder offenen Besprechung der öffentlichen Angelegenheiten. Bei der politischen Unreife des russischen Volkes sind zum großen Teil Studenten und Mädchen Anhänger des Nihilismus, und sie erstreben nicht eine Reform, sondern zunächst die völlige Vertilgung des jetzigen Staats mit allen seinen Einrichtungen, so daß nichts (nihil) übrigbleibt, den Wiederaufbau der Welt nach Grundsätzen der Vernunft und Gerechtigkeit künftigen Geschlechtern überlassend; zur Erreichung ihres Ziels gilt ihnen jedes Mittel, auch das verwerflichste, als erlaubt. Herzen und besonders Bakunin waren eifrig bemüht, den Haß des Volkes und der Jugend gegen das herrschende System anzufachen, und das Karakasowsche Attentat (1866) gegen Alexander II. war schon eine Wirkung der nihilistischen Aufreizung. Doch beschränkte sich die Thätigkeit der N. lange auf die Verbreitung revolutionären Ideen in der studentischen Jugend und dem Volk, über welche der große