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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Nubilieren - Nueva Esparta.

lichen N. dauerte vom 7. bis 14. Jahrh. Zahlreiche Kirchen und Klöster entstanden damals im Nilthal, namentlich in der Provinz Dongola. Seit dem Anfang des 14. Jahrh. unterlag das nubische Reich allmählich den immer heftiger andringenden Arabern, und um 1350 trat der König selbst zum Islam über. Das Land teilte sich in verschiedene kleine Staaten, die ihre eignen Häuptlinge hatten, welche abhängig von Arabern oder dem König von Senaar oder dem Sultan waren. 1820 machte Ibrahim Pascha, der Sohn des ägyptischen Paschas Mehemed Ali, einen Einfall in das Land und eroberte es bis zu seinen südlichsten Grenzen. Seitdem eine Provinz Ägyptens, ging es 1883 infolge des Aufstandes des Mahdi (s. d.) größtenteils wieder verloren, und weder die Versuche der Engländer, es von der Küste des Roten Meers aus wiederzuerobern, noch der Gordons (1884-85), es von Chartum aus auf friedliche Weise zu gewinnen, hatten Erfolg. Vgl. Litteratur bei Ägypten, besonders die Reisewerke von Burckhardt, Rüppell, Russegger und Heuglin.

Nubilieren (lat.), umwölken; nubilös, bewölkt.

Nubilität (lat.), Heiratsfähigkeit, s. Pubertät.

Nuble (spr. njuble), eine Binnenprovinz der südamerikan. Republik Chile, 9210 qkm (167,2 QM.) groß, wird von den Hauptnebenflüssen des Rio Itata, dem Rio Nuble und Rio Diguillin, welche sie von O. nach W. durchströmen, sowie von kleinern Zuflüssen des Rio Máule reichlich bewässert, hat ein feuchtes, aber gesundes, dem Ackerbau wie der Viehzucht günstiges Klima und ist auch an nutzbaren Mineralien (Gold, Schwefel, Kohlen) und Mineralquellen reich. Die Bevölkerung betrug 1885: 149,871 Seelen. Chillan ist Hauptstadt.

Nuchá, Hauptstadt des gleichnamigen Kreises im Gouvernement Jelissawetpol der russ. Statthalterschaft Kaukasien, am Südabhang des Großen Kaukasus, 839 m ü. M., mit (1879) 20,917 Einw., meist sunnitischen Mohammedaner, welche Seidenzucht und Seidenweberei treiben. N. wird jährlich von Hunderten französischer und italienische Kaufleute besucht, welche hier Seidenraupeneier einkaufen.

Nucifrăga, Tannenhäher.

Nucleïne, phosphorhaltige Substanzen, welche weit verbreitet in Pflanzen und Tieren vorkommen (z. B. in den Zellkernen, deren Hauptbestandteil sie bilden, in Eiter- und Blutkörperchen, im Eidotter, Sperma, in Bierhefe, Weizenkleie, Schimmelpilzen, Samen) und beim Stoffwechsel eine wichtige Rolle spielen. Sie sind amorph, schwer oder nicht löslich in Wasser und verdünnten Mineralsäuren, unlöslich in Alkohol und Äther, leicht löslich in Alkalien. Beim Kochen mit Wasser, schneller mit Säuren oder Alkalien, zersetzen sie sich unter Abspaltung von Phosphorsäure; durch Jod werden sie gelb gefärbt, mit Metallen und organischen Basen bilden sie salzartige Verbindungen, und aus Kohlensäuresalzen treiben sie Kohlensäure aus; durch Magensaft werden sie langsam angegriffen. Die meisten N. enthalten auch Schwefel und einige Eisen, alle geben bei der Spaltung Phosphorsäure, einige außerdem Eiweiß und Hypoxanthin (Xanthin und Guanin), deren Bildung im Organismus wohl auf N. zurückzuführen ist. Aus eisenhaltigem Nuclein entsteht vielleicht der Blutfarbstoff.

Nuclĕus (lat.), Kern; in der Botanik der Zellenkern (s. Zelle), dann der von den Integumenten umgebene Teil der Samenknospen (s. d.).

Nudation (lat.), Entblößung, Enthüllung.

Nude crude (lat., "nackt und roh"), s. v. w. schlechthin, schlechtweg, geradezu.

Nudeln, in verschiedene Formen gebrachter und getrockneter Teig aus Weizenmehl. Am geeigneten zur Nudelfabrikation ist der harte, glasige, kleberreiche Weizen, und wo dieser nicht zu haben ist, setzt man für den fehlenden Kleber Eiweiß oder, wie in Frankreich, den bei der Stärkefabrikation abfallenden Weizenkleber zu. Die besten N., die Maccaroni, werden besonders in Italien, in Neapel, Livorno, Genua und Turin, sowie in der Auvergne dargestellt. Man knetet gut geputzte Grieße aus hartem afrikanischen Weizen mit heißem Wasser zu einem steifen Teig an, der oft mit Kurkuma oder Safran gefärbt wird, bringt den Teig in einen doppelwandigen, mit Dampf geheizten Cylinder, dessen Bodenstück mit entsprechenden Löchern versehen ist, und preßt mit Hilfe einer Schraubenpresse einen Kolben in diesen Cylinder, so daß der Teig in gewünschter Form aus den Löchern hervortritt. Faden- und Röhrennudeln zerschneidet man in passende Stücke und trocknet erstere zu Schleifen verschlungen, letztere, nachdem man dünne, mit Mehl bestäubte, runde Stäbe hineingeschoben hat, möglichst schnell, in Italien unter freiem Himmel, bei uns in stark geheizten, gut ventilierten Trockenräumen. Die in Form weiterer Röhren in den Handel kommenden N. heißen Maccaroni, die schwächern Röhren Vermicelli, die drahtförmigen N. Fadennudeln. Band- und Façonnudeln werden aus dünn ausgewalztem Teig ausgeschnitten oder mit Modeln ausgestoßen, doch preßt man auch die Façonnudeln, wobei ein vor der durchlöcherten Bodenplatte des horizontal liegenden Cylinders rotierendes Messer den heraustretenden Teig in 2 mm dicke Stücke zerschneidet. In Deutschland werden N. in Erfurt, Halle, Augsburg, Nürnberg, Passau, Mannheim etc. dargestellt.

Nudis verbis (lat.), mit nackten, d. h. klaren, Worten, frei heraus.

Nudĭtät (lat.), Nacktheit, Blöße, besonders von der menschlichen Gestalt und Darstellung derselben; auch etwas gegen die Sittsamkeit Verstoßendes.

Nuër, afrikan. Negervolk an beiden Ufern des Bahr el Dschebel, wo derselbe mit dem Gazellenfluß zusammenströmt. Sie zeichnen sich durch lange Beine und platte Füße aus, die ihnen in ihrem oft überschwemmen Land sehr zu statten kommen, gehen ganz unbekleidet, färben ihre Haare gelb oder ersetzen sie durch Perücken, bringen Narben auf der Stirn an; die Frauen hängen Ringe in die Oberlippe. Die N. der höher gelegenen Prärien halten viel Rindvieh, das sie sehr sorgsam pflegen.

Nuēva Esparta, eine "Sektion" des Staats Guzmán Blanco der Bundesrepublik Venezuela, besteht aus der 991 qkm (18 QM.) großen Insel Margarita und den kleinen Inseln Blanquilla, Los Hermanos etc., zusammen von 1145 qkm (20,8 QM.) Inhalt. Die Hauptinsel ist hoch und gebirgig und besteht aus zwei durch einen niedrigen Isthmus verbundenen Berggruppen (Cerro Macano 1366 m, Cerro Copay 1269 m); der Boden ist im ganzen nur wenig fruchtbar, das Klima heiß und trocken, doch gesund. Die Zahl der Bewohner betrug 1873: 30,980; sie leben außer vom Landbau besonders von Fischfang und Schiffahrt. Dagegen ist die Perlenfischerei, die im 16. Jahrh. von den Spaniern lebhaft betrieben wurde und der Insel ihren Namen verschafft hat, jetzt schon lange ganz aufgegeben. Von den drei Häfen der Insel ist der von Pampatar der schönste, der von Juan Griego mit der Zollstätte der belebteste. Die Ausfuhr besteht besonders aus gesalzenen Fischen; sie betrug 1882-83: 221,733 Bolivares