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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nymphäen; Nymphagētes; Nymphe; Nymphen; Nymphenburg; Nymphomanīe

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Nymphäen - Nymphomanie.

letztern antherenlos sind. Dieselben haben nämlich breite, blumenblattartige Filamente und tragen an beiden Seitenrändern die parallel stehenden Antheren. Der Fruchtknoten wird von mehreren quirlständigen, miteinander und mit dem Blütenboden verwachsenen Karpellen gebildet und ist daher vielfächerig; jedes Fach enthält zahlreiche anatrope Samenknospen auf den Scheidewänden. Bei den Unterfamilien der Cabombeae und Nelumboneae sind die Karpiden dagegen nicht verwachsen. Die letztgenannten haben einen kreiselförmigen Blütenboden, auf dessen Oberfläche die Fruchtblätter in Gruben eingesenkt sind. Auf dem Scheitel des Fruchtknotens befindet sich eine sitzende oder etwas gestielte, strahlig gestreifte, schildförmige Narbe. Die Frucht ist bei den einheimischen N. weich, beerenartig, von der stehen bleibenden Narbe gekrönt und zerfällt erst allmählich durch Fäulnis. Die zahlreichen kugeligen oder eiförmigen Samen liegen in einem Fruchtbrei und enthalten ein stärkehaltiges Perisperm, in welches der von dem Embryosack umgebene, gerade Keimling eingesetzt ist. Den Samen von Nelumbium fehlt das Eiweiß. (Vgl. Caspary, Nymphaeaceae in "Annales Musei Lugduno-Batavi", Bd. 2.) Die Familie zählt ungefähr 35 Arten, von denen die meisten in den gemäßigten Zonen, wenige in den Tropen vorkommen; zu den erstern gehören unsre Teich- und Seerosen (Nuphar und Nymphaea), zu den letztern die Victoria regia des Amazonenstroms. Fossil sind mehrere Arten von Nymphaea, Nymphaeites Sternbg., Nelumbium L. u. a., aus Tertiärschichten bekannt.

Nymphäen (griech.), bei den Alten diejenigen Bauwerke, welche die Quellenbehälter enthielten und unter den Schutz der Nymphen gestellt waren. Sie hatten teils eine grottenartige Anlage, teils die Form eines säulengetragenen, gekuppelten Rundbaues und dienten sowohl dem allgemeinen Wasserbedürfnis als auch dem bei Hochzeitsfeierlichkeiten eingeführten Gebrauch der Abwaschung mit heiligem Quellwasser.

Nymphagētes, Beiname des Poseidon.

Nymphe, Vogel, s. Papageien.

Nymphen, in der griech. Mythologie weibliche Gottheiten niedern Ranges, welche als Personifikationen der Kräfte der Natur in allen Kreisen derselben teils als Begleiterinnen höherer Gottheiten (des Dionysos, der Artemis, Aphrodite etc.), teils als selbständig wirkend gedacht wurden. Sie galten als die wohlthätigen Geister der Orte, der Berge, Bäume, Wiesen, Grotten etc., sind aber nicht immer an dieselben gebunden, schweifen vielmehr frei umher, führen Tänze auf, jagen das Wild, weben in kühlen Grotten, pflanzen Bäume und sind auf verschiedene Weise den Menschen hilfreich, deren geräuschvolle Thätigkeit sie aber meiden. Im übrigen sind die N. sterblich wie die Menschen, nur daß ihre Lebensdauer ungleich länger währt. Es gab zahlreiche Arten von N.: Najaden, Krenäen, Limnaden (Wassernymphen), Dryaden, Hamadryaden (Baumnymphen), Oreaden (Bergnymphen), Leimoniaden (Wiesennymphen), Napäen (Thalnymphen), Nereiden und Okeaniden (Meernymphen) etc. Als Lokalgöttinnen gewisser Gegenden wurden sie auch nach diesen benannt, z. B. die Peliaden, die N. des Pelion. Wegen der befruchtenden Kraft des Wassers galten die N. als Erzieherinnen des Zeus und Bakchos und, da manchen Quellen begeisternde Kraft beigelegt wurde, auch als Erzieherinnen des Apollon und Verleiherinnen der Dicht- und Wahrsagekunst. Von der Kunst wurden sie als liebliche Mädchengestalten dargestellt, gewöhnlich ziemlich leicht bekleidet, Blumen und Kränze tragend, oft in Gesellschaft von Faunen; die Wassernymphen insbesondere pflegte man mit Wasserkrügen und Urnen auf den Köpfen darzustellen. Man kannte im Altertum Statuen des Praxiteles, eine Gruppe des Arkesilaos und Reliefs von verschiedenen Meistern. Vgl. Krause, Die Musen, Grazien, Horen und N. (Halle 1871); Lehrs, Populäre Aufsätze (2. Aufl., Leipz. 1876).

Nymphen (Schamlippen), s. Scheide.

Nymphenburg, Dorf westlich bei München und mit diesem durch eine Dampfstraßenbahn verbunden, hat ein königliches Schloß (1663 erbaut) mit den Resten einer einst berühmten Gemäldegalerie, welche größtenteils in die Pinakothek nach München gekommen ist, 2 Kirchen, ein Erziehungsinstitut und (1885) mit der Garnison (eine Eskadron schwere Reiter Nr. 2) 2000 Einw. Dabei eine ehemals königliche Porzellanfabrik, welche 1758 dorthin von Naudeck überführt wurde, Rokokofiguren und Tafelgeschirr mit M. V. und dem bayrischen Rautenschild als Marke fabriziert und jetzt Privatunternehmen ist. Die Gartenanlagen, zum Teil noch im altfranzösischen Geschmack, enthalten schöne Wasserwerke und mehrere Lustschlösser: Amalienburg, Badenburg, Pagodenburg, die Magdalenenklause u. a. Der sogen. Nymphenburger Vertrag vom 18. Mai 1741, welchen der Kurfürst Karl Albert von Bayern bei Beginn des österreichischen Erbfolgekriegs mit Ludwig XV. über eine Teilung der österreichischen Lande und Abtretungen deutscher Territorien an Frankreich abgeschlossen haben soll, ist eine plumpe Fälschung, erfunden, um den Kurfürsten als Reichsverräter zu brandmarken. In Wirklichkeit hat der Kurfürst in N. nur einen Vertrag mit Spanien 28. Mai 1741 abgeschlossen, dessen Zweck war, dem Kurfürsten nebst der Kaiserkrone einen zu vereinbarenden Teil der deutschen Lande Österreichs, Spanien die italienischen Besitzungen desselben zu verschaffen. Vgl. Droysen, Der Nymphenburger Vertrag von 1741 (in den "Abhandlungen zur neuern Geschichte", Leipz. 1876), und Heigel, Der österreichische Erbfolgestreit und die Kaiserwahl Karls VII. (Nördling. 1877). Ein andrer Vertrag wurde in N. 5. Sept. 1766 zwischen Bayern, Kurpfalz und Zweibrücken über die Erbfolge des pfälzischen Hauses in Bayern abgeschlossen. Vgl. Remlein, Nymphenburgs Vergangenheit und Gegenwart (2. Aufl., Münch. 1885).

Nymphomanīe (griech., Mutterwut, Mannstollheit, Andromanie), eine durch vorherrschende erotische Delirien und Lascivität sich charakterisierende, durch ausartenden Geschlechtstrieb veranlaßte, vorzugsweise dem weiblichen Geschlecht eigentümliche Art der Manie (s. d.). Der analoge, übrigens weit seltenere Zustand beim Mann wird Satyriasis (s. d.) genannt. Beide unterscheiden sich von der Erotomanie (s. d.) dadurch, daß bei letzterer nur der geistige Organismus, das schwärmerische Phantasieleben, von einer Krankheit ergriffen wird, ohne Steigerung des körperlichen Geschlechtstriebs. Das erste Stadium der N. charakterisiert sich durch krankhaft gesteigerten und ungezügelten Geschlechtstrieb ohne Delirien, gleichzeitige Irritation der Genitalien und Erfüllung der Phantasie mit wollüstigen Ideen und Bildern. Der vergebliche Kampf mit dem übermächtigen Trieb, Scham und Reue in Verbindung mit der physischen Schwächung der Kräfte, erhöhte Reizbarkeit des Nervensystems sind die charakteristischen Eigentümlichkeiten dieser Geistesstörung. Unter den verschiedenen Lebensaltern begünstigt die Epoche der Pubertät ihr Entstehen am meisten. Sie entsteht aber auch nicht selten in der Epoche der aufhörenden Menstruation,