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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Öderan - Odessa.

Düsseldorf, wo er seinen Wohnsitz nahm, zu Landschaften ausbildete, denen meist Frühlings- und Herbstmotive, zum Teil mit starker Betonung melancholischer Stimmung, aber mit seiner Naturbeobachtung, zu Grunde liegen. Seine Hauptbilder sind: Waldlandschaft mit Rehen (1874), der Holzschlag (1876), Spätherbststimmung (1879), Novembertag (1880, Berliner Nationalgalerie), ein Herbstmorgen (1883), Waldinneres (1884) und Motiv von der holländischen Küste (1886).

Öderan, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, Amtshauptmannschaft Flöha, an der Linie Dresden-Chemnitz der Sächsischen Staatsbahn, 404 m ü. M., hat ein altes Rathaus, ein Amtsgericht, eine Webschule, Zigarren-, Teppich-, Chenille-, Flanell- und Buckskinfabrikation und (1885) 5686 fast nur evang. Einwohner.

Oderberg, 1) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Angermünde, an der Alten Oder und der Linie Angermünde-Freienwalde der Preußischen Staatsbahn, 6 m ü. M., hat ein Schloß aus dem 14. Jahrh., die nach Stülers Plan erbaute gotische Nikolaikirche, ein Amtsgericht, große Dampfschneidemühlen, eine Dampfziegelei, Bierbrauerei, Fischerei, Schiffahrt, Holzhandel und (1885) 3908 meist evang. Einwohner. -

2) (slaw. Bogumin) Stadt in Österreichisch-Schlesien, Bezirkshauptmannschaft Freistadt, an der Oder und der preußischen Grenze, wichtige Station der Nordbahn, von welcher hier die Linie nach Ratibor und Oppeln, dann die Eisenbahn durch den Jablunkapaß nach Kaschau abzweigen, mir Bezirksgericht, Zolloberamt und (1880) 1260 Einw.

Oderbruch, s. Oder 1).

Odergebirge, Zweig der Sudeten (s. d.).

Oderhaut, s. Oedogonium.

Oderint dum metuant (lat.), "Mögen sie hassen, wenn sie nur fürchten", angeblich Wahlspruch des Kaisers Caligula.

Odermennig, Pflanzengattung, s. Agrimonia.

Odernheim, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Pfalz, Bezirksamt Kirchheimbolanden, an der Glan, hat 2 Kunst- und eine Ölmühle, Gerberei, Sand- und Pflastersteinbrüche, Bierbrauerei, Wein- und Tabaksbau u. (1885) 1390 evang. Einwohner. Dabei die umfangreiches aussichtsreichen Ruinen des Klosters Disibodenberg, welches um 675 vom irischen Bischof Disibod für Benediktinermönche gestiftet, 1259 in ein Cistercienserkloster umgewandelt und 1768 säkularisiert wurde.

Oder-Spreekanal (Fürstenberger Kanal), Schiffahrtskanal, welcher außer dem Friedrich Wilhelms- (Müllroser) Kanal Oder u. Spree miteinander verbindet, bei Fürstenberg die Oder verläßt, nach dem Kersdorfer See führt und von Müllrose ab unter teilweiser Benutzung des Friedrich Wilhelms-Kanals und der Spree, welche zu diesem Zweck verbreitet und vertieft werden, über Fürstenwalde, Braunsdorf und Spreenhagen den Wernsdorfer und Seddiner See erreicht, bei Köpenick die Dahme durchschneidet und dann in die Spree mündet. Die Breite der Sohle beträgt 14 m, die Tiefe bei niedrigstem Wasserstand, welche aber durch Schleusen bedeutend gehoben werden kann, 2 m. Die Kosten des 1887 begonnenen Baues sind auf 12 Mill. Mk. veranschlagt, die Fertigstellung für Herbst 1888 in Aussicht genommen.

Oderwitz, Fabrikdorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Bautzen, an den Linien Eibau-O. und Löbau-Zittau der Sächsischen Staatsbahn, 315 m ü. M., hat eine evang. Kirche, starke Leinwandweberei, Kinderwagenfabrikation, Sägemühlen, Bierbrauerei und Branntweinbrennerei und besteht aus den drei Gemeinden: Oberoderwitz in der Amtshauptmannschaft Löbau mit (1885) 3707 und Mittel- und Niederoderwitz in der Amtshauptmannschaft Zittau mit 916 und 2643 Einw.

Oderzo, Distriktshauptstadt in der ital. Provinz Treviso, am Monticano, mit einer Kirche aus dem 14. Jahrh., technischer Schule, lebhaftem Handel und (1881) 2385 Einw.

Odessa, Kreisstadt im russ. Gouvernement Cherson, wichtigster Hafen- und Handelsplatz des Schwarzen Meers, liegt 40 km nördlich von der Mündung des Dnjestrlimans und steht durch die Russische Südwestbahn mit Jassy, Lemberg, Brest-Litowsk, Kiew u. Charkow in Eisenbahnverbindung. Die Stadt breitet sich an der Südwestseite der Bai von O. aus, auf einer nach W. zu unmittelbar in die kahle Steppe übergehenden Hochfläche, die, mehrfach von tiefen Wasserrinnen (Balki) durchschnitten, im Bereich der Stadt und südlich von ihr steil zum Meer abfällt. O. besteht aus der innern Stadt, den Vorstädten Peressyp, Nowaja Slobodka, Moldawanka und den außerhalb des ehemaligen Freihafengebiets gelegenen Vororten Mühlenviertel u. Woronzowka. Außerdem umschließt die Bannmeile der Stadt 13 dorfartige Wohnplätze, welche einen besondern Stadtteil bilden.

O. ist sehr regelmäßig angelegt, die meisten Straßen kreuzen sich rechtwinkelig und sind von großer Breite und Länge. Als die schönsten und als Mittelpunkte des Verkehrs sind zu nennen: die De Ribas-, die Katharinen-, die Griechische, die Richelieu-, die Italienische, die Chersoner, die Preobraschenskaja-, die Sophienstraße und der Primorski-Boulevard. Letzterer ist zugleich die besuchteste Promenade der Stadt; er führt am obern Rande der Seeküste entlang, wird nach der Stadtseite von einer asphaltierten Fahrstraße und stattlichen Bauten begrenzt und bildet bei der prachtvollen Aussicht, die er gewährt, vom Frühling bis in den Spätherbst hinein den Hauptvereinigungspunkt der fashionabeln Welt Odessas. Inmitten des Boulevards erhebt sich die Bildsäule des Herzogs von Richelieu (errichtet 1827); ihr gegenüber führt eine 200 Stufen zählende, 10 m breite Freitreppe zum Meer hinab. Im Winter tritt der Boulevard seinen Rang an die Straße De Ribas ab, wo sich dann ein förmlicher Korso entwickelt. Als Vergnügungsort ist auch der Gorodskoi Sad (städtischer Garten) zu nennen und außerhalb der Stadt die kurzweg "Langeron" genannte Villa des Grafen Grocholski (Bellevue) am Meeresufer, die der reinen Seeluft, der malerischen Lage und der Bäder halber viel besucht wird. Weiter entfernt liegen am Meeresufer: Groß- und Kleinfontan (bei ersterm Orte der Odessaer Leuchtturm mit elektrischem Lichte); die deutschen Kolonien Großliebenthal, Lustdorf und Kleinliebenthal (mit Kaltwasserheilanstalt und Seebädern); endlich der Kujalnikliman (mit warmen und kalten Bädern, Sand- und Schlammbädern). Die schönsten freien Plätze der Stadt sind: der Soborplatz mit der Bildsäule des Fürsten Woronzow (errichtet 1863), der Katharinenplatz, der Alexanderprospekt, sämtlich mit Anlagen und Springbrunnen geschmückt, sowie der Theaterplatz. Ferner sind noch die Strogonow-^[ERGÄNZUNGSSTRICH!]

^[Abb.: Wappen von Odessa]