Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Odessa

326

Odessa (Kirchen etc., Bevölkerung, Gewerbe und Handel).

und die Sabanskibrücke bemerkenswert, von welchen erstere über eine der erwähnten Wasserrinnen führt. Seit 1873 wird O. durch großartige, von einer Londoner Aktiengesellschaft erbaute Wasserwerke am Ufer des Dnjestr bei Majaki (40 km westlich) mit gutem und reichlichem Wasser versorgt.

O. zählt 28 orthodoxe Kirchen, außerdem eine katholische, eine evangelische, eine reformierte, eine englisch-presbyterianische und eine armenische Kirche, ein Bethaus der Raskolniken, 2 Klöster, 2 israelitische Hauptsynagogen nebst vielen Betsälen und eine karaitische Synagoge. Sehenswert sind: der 5000 Menschen fassende Sobor (Kathedrale), 1802 gegründet, 1849 in jetziger Gestalt vollendet, mit schöner Kuppel und einer 364 metr. Ztr. schweren Glocke sowie dem Grabmal des Fürsten Woronzow; die Troizkikirche mit dem Grabstein des 1826 von den Türken ermordeten Patriarchen von Konstantinopel, Gregor V., und die im Innern mit großer Pracht ausgestattete katholische Kirche mit dem Grab des Grafen Langeron. Unter den öffentlichen Gebäuden sind hervorzuheben: die Börse mit schönem Saal und Säulenfassade, 1834 vollendet; die Universität mit Bibliothek, astronomischen Kabinett, chemischem Laboratorium, mineralogischer Sammlung, physikalisch-meteorologischem Kabinett, botanischer Sammlung (17,000 Nummern), zoologischem, technologischem und agronomischem Kabinett sowie einer Münzsammlung (2000 Nummern); das an Stelle des 1873 abgebrannten errichtete neue Stadttheater; das sogen. Palais Royal mit hübschen Anlagen und Springbrunnen; das historische und Altertumsmuseum mit zahlreichen Statuen, Geräten, Waffen und andern Antiquitäten, namentlich aus den hellenischen, genuesisch-venezianischen und mongolisch-tatarischen Epochen der südrussischen Küste; das Gebäude des Instituts der adligen Fräulein und die Sabanskikaserne. Die Bevölkerung betrug 1887: 251,400 Einw., so daß O. der Seelenzahl nach die vierte Stadt des Reichs bildet. Außer Russen finden sich unter der Bevölkerung Deutsche, Franzosen, Italiener, Engländer, Griechen, Arnauten, Rumänier, Ruthenen, Serben, Bulgaren, Polen, Tschechen, Armenier, Tataren, Juden und Karäer.

Die industrielle Thätigkeit Odessas hat sich erst in neuester Zeit gehoben und unterliegt jeweilig bedeutenden Schwankungen. Nach dem Bericht des Odessaer Komitees für Handel und Gewerbe belief sich der gesamte Produktionswert derselben im J. 1883 auf 25,8 Mill., im J. 1884 auf 27,3 Mill., im J. 1885 dagegen nur auf 22,9 Mill. Rubel. Die hauptsächlichsten Industriezweige sind: Getreidemüllerei (1885) in 15 Dampfmühlen 4,4 Mill. Rub., Zuckerraffinerie (eine im J. 1879 eröffnete Fabrik, die zu den größten im ganzen Reiche gehört) 7 Mill., Ölschlägerei (5 Fabriken) 1,4 Mill. Rub. Außerdem werden fabriziert: Leder, Bier, Zuckerwaren, Schreibpapier, Oleo-Margarin, Essig, Stärke, Maccaroni und Nudeln, Hüte, Korke, Chemikalien, Seifen und Lichte, Tabak u. a. m. Der Handel Odessas, meistens in griechischen, jüdischen und deutschen Händen, hat sich namentlich in den letzten drei Jahrzehnten stark entwickelt. Der Wert des gesamten Außenhandels bezifferte sich 1886 in der Ausfuhr auf 88,169,000, in der Einfuhr auf 66,107,000 Rub. Von Jahr zu Jahr wächst die Bedeutung Odessas. Der Wert seiner Ausfuhr betrug in Prozenten der ganzen russischen Ausfuhr über die europäische Grenze 1880: 8,9, 1881: 9,4, 1882: 10,5, 1883: 14,1, 1884: 16,4, 1885: 20, 1886: 20,1 und ebenso günstig gestaltete sich seine Einfuhr. Der Wert derselben betrug vom Werte der ganzen russischen Einfuhr über die europäische Grenze 1880: 8,3 Proz., 1881: 10,4, 1882: 10,4, 1883: 8,5, 1884: 9,5, 1885: 12,6, 1886: 17,2 Proz. Unter den Gegenständen der Ausfuhr spielt die größte Rolle Getreide. Von diesem sowie an Mehl, Grütze und Erbsen wurden ausgeführt 1886: 1,020,000 Ton., 1885: 1,239,000 T. (à 1000 kg) und zwar im einzelnen:

1886 1885

Weizen 345356 T. 741522 T.

Roggen 150942 - 127682 -

Gerste 204776 - 168796 -

Hafer 21670 - 45864 -

Mais 243259 - 89926 -

Erbsen 2719 T. 5323 T.

Grütze 540 - 295 -

Mehl 34774 - 48452 -

Übriges Getreide 16249 - 10745 -

Obwohl die Getreideausfuhr aus Rußland überhaupt und auch die aus O. im J. 1886 nachgelassen hat, so besitzt O. doch eine gewisse Suprematie unter allen Ausfuhrhäfen, weil es die Nähe der Getreide produzierenden Gouvernements Bessarabien, Cherson, Taurien, Poltawa, Kiew und Charkow, die Billigkeit der Seefracht und die Großartigkeit der Einrichtungen für sich hat. Neben Getreide kommen Ölsaaten, Leinsaat, Hanfsaat, Zucker (1885: 1 Mill. metr. Ztr.), Spiritus, Tabak, Wolle, Petroleum, Rohseide, Schlachtvieh, Knochen und Knochenmehl als Ausfuhrartikel vorzugsweise in Betracht. Unter den Einfuhrgegenständen ziehen besonders die Aufmerksamkeit auf sich Steinkohlen, Reis, Kaffee, Früchte und Beeren, Nüsse, Fische, Tabak, Thee, Baumwolle, Zement, Eisen, Blei, Olivenöl, Kokos- und Palmöl. Aus Deutschland werden insbesondere Chemikalien,

^[Abb.: Situationsplan von Odessa.]