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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ohnvogel; Ohoban; Ohr

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Ohnvogel - Ohr.

niedergesunken, so bringt man ihn in reine, kühle Luft und lockert die eng anliegenden Kleider. Zeigen die Kranken die Symptome der Blutwallung nach den Organen des Kopfes und der Brust, so muß man sie mit dem Kopf und dem Oberleib hoch legen. Diejenigen aber, deren Gesicht und Lippen bei der O. bleich aussehen, und die aus Ermattung und Säfteverlust ohnmächtig werden, müssen mit dem ganzen Körper horizontal gelagert werden, ohne Unterstützung des Kopfes durch Kissen u. dgl. Die Anwendung stark riechender Substanzen und flüchtiger Reizmittel vermeide man bei solchen, welche vollblütig sind und ein heißes, rotes Gesicht haben; man besprenge hier vielmehr Gesicht und Herzgegend mit kaltem Wasser und gebe kalte Überschläge und Begießungen auf den Kopf. Hat sich ein Kranker den Magen überladen und sich dadurch eine O. zugezogen, so gebe man ihm reichlich laues Wasser zu trinken, damit Erbrechen eintritt. Bei schwereren Ohnmachten und da, wo die angegebenen Hilfsmittel nicht ausreichen, muß der Arzt so schnell wie möglich herbeigerufen werden.

Ohnvogel, s. v. w. Pelikan.

Ohoban, japan. Goldmünze, s. Oban.

Ohr (Auris; hierzu Tafel "Ohr des Menschen"), das Gehörwerkzeug, fehlt manchen wirbellosen Tieren und besteht in seiner einfachsten Form aus einem mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen, an dessen Wandung ein Nerv herantritt, um die Schwingungen der Flüssigkeit im Zentralorgan des Nervensystems zur Wahrnehmung zu bringen. Zur Verstärkung derselben befinden sich in der Flüssigkeit meist ein oder mehrere feste Körperchen, Otolithen oder Hörsteine, aus Kalk, Kiesel etc.; auch ragen häufig von den Zellen der Wandung des Hörbläschens Haare, Hörhaare, bis an die Hörsteine heran. Das so gestaltete O. liegt durchaus nicht immer am Kopf der Tiere, falls ein solcher überhaupt vorhanden ist, vielmehr in einzelnen Fällen in den Beinen (gewisse Heuschrecken) oder im Schwanz (einige Krebse); auch haben wohl Tiere außer diesen Ohrbläschen noch besondere Hörhaare, d. h. für Schwingungen empfängliche und mit einem Nerv versehene Haare an andern Körperstellen. Die Hörsteine werden bei einer Gruppe der höhern Krebse von den Tieren selbst mittels ihrer Scherenfüße in die mit einer feinen Öffnung versehenen Ohrblasen befördert, gewöhnlich jedoch bilden sie sich im Innern der geschlossenen Blasen als Niederschläge aus den Körpersäften. Wie das Nervensystem (s. d.) allgemein aus der äußern Haut hervorgeht, so ist auch das O. ursprünglich ein Teil derselben, welcher gleich allen andern Sinnesorganen (s. d.) für die spezielle Wirksamkeit umgewandelt ist. Auch bei den Wirbeltieren (nur die Leptokardier besitzen kein O.) liegt zwar das O., wenigstens soweit es das eigentliche Hörbläschen betrifft, tief im Innern des Kopfes; jedoch entsteht es im Embryo derselben als ein einfaches Grübchen in der äußern Kopfhaut; das allmählich tiefer in den Schädelknochen hineinwächst, die Kommunikation mit der Außenwelt einbüßt und so das rings geschlossene, mit Flüssigkeit erfüllte sogen. häutige Labyrinth darstellt, in dessen Innern sich wie bei den Hörbläschen der niedern Tiere der Hörnerv verbreitet. Die knorpelige oder knöcherne Umgebung desselben wird das knöcherne Labyrinth genannt und ist oft viel geräumiger als das häutige. Im übrigen sondert sich das letztgenannte, indem es die einfache Bläschenform aufgibt, in mehrere Abschnitte. Gewöhnlich sind drei, nur selten ein oder zwei bogig gekrümmte Kanäle, die sogen. halbkreisförmigen Kanäle oder Bogengänge, vorhanden; der mit ihnen unmittelbar in Verbindung stehende Abschnitt des Labyrinths wird Vorhof genannt. Der Rest bildet ein besonderes Bläschen, an dem sich eine bei den niedern Wirbeltieren sehr kleine, bei den höhern ansehnliche Ausbuchtung befindet, die wegen ihrer Gestalt die Schnecke heißt und namentlich bei den Säugetieren stark entwickelt ist (s. unten). Zu diesen wesentlichen Teilen des Ohrs treten nun verschiedene schallleitende Apparate hinzu, die zum Teil auf der Außenfläche des Kopfes beginnen, samt und sonders aber den Fischen noch fehlen. In der Wand des knöchernen Labyrinths bleibt eine kleine Stelle (das sogen. ovale Fenster) unverknöchert und gestattet dort ein leichteres Eindringen der Schallwellen. Daran schließt sich nach außen zu meist ein Hohlraum, die Paukenhöhle, der mit dem hintersten Teil der Mundhöhle, dem Rachen, durch die Ohrtrompete oder Eustachische Röhre in offener Verbindung steht, nach der Kopfhaut hingegen mittels des dicht unter dieser gelegenen Trommelfells geschlossen ist. (Eine Paukenhöhle fehlt z. B. den Schlangen und den geschwänzten Amphibien.) Von letzterm aus zum ovalen Fenster spannt sich quer durch die Paukenhöhle ein einziges oder eine Kette von Knöchelchen, die Gehörknöchelchen. Endlich tritt bei den Säugetieren und ganz vereinzelt auch bei andern Wirbeltieren ein äußeres O. auf, d. h. eine Öffnung in der Haut, umgeben von einer durch Knorpel gestützten und durch Muskeln beweglichen Hautfalte. Die Öffnung führt durch einen Kanal von verschiedener Länge, den äußern Gehörgang, zum Trommelfell, das bei den Säugetieren gewöhnlich tief im Kopf liegt; die Hautfalte oder Ohrmuschel fehlt bei den im Wasser lebenden Säugern nahezu oder vollkommen.

Man unterscheidet dieser Darlegung zufolge am O. der Säugetiere (s. Tafel "Ohr", Fig. 1) drei Abschnitte: das äußere O. mit der Ohrmuschel und dem äußern Gehörgang, das mittlere O. mit der Paukenhöhle und ihren Anhängen (Eustachische Röhre, Gehörknöchelchen) und das innere O. mit dem Labyrinth (Schnecke, Bogengänge etc.). Beim Menschen speziell stellen sich diese Einrichtungen folgendermaßen dar. Das äußere O. (Fig. 1), an welchem verschiedene Leisten und Falten (Anthelix, Helix, Antitragus etc.) vorhanden sind, verdankt seine Gestalt dem in ihm gelegenen Ohrknorpel. Die Haut, welche ihn überzieht, verlängert sich nach unten in das knorpelfreie Ohrläppchen. Dieses schmerzt und blutet beim Durchstechen (zum Zweck der Einbringung von Ohrringen) nur sehr wenig und kann übrigens durch den Zug, welchen schwere Schmuckgegenstände an ihm ausüben, stark ausgedehnt werden (s. Botokuden). Von vorn, oben und unten her setzen sich an den Ohrknorpel kleine Muskeln an, welche das äußere O. bewegen können, bei den meisten Menschen jedoch zeitlebens unthätig bleiben, während sie bei den übrigen Säugetieren stets ihre Dienste verrichten. An das äußere O. schließt sich nach innen der äußere Gehörgang (meatus auditorius externus) an, der in der äußern Hälfte knorpelig, in der innern knöchern ist und von einer Fortsetzung der äußern Haut ausgekleidet wird. In dieser liegen zahlreiche kleine, den Schweißdrüsen ähnliche Drüsen, die Ohrenschmalzdrüsen (glandulae ceruminosae), welchen die Absonderung des Ohrenschmalzes obliegt. Das Ohrenschmalz (cerumen auris) ist eine bräunliche oder gelbe, klebrige, weiche Masse, welche aus Fett, Pigmentkörnchen und Über-^[folgende Seite]