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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Oldenburg

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Oldenburg (Großherzogtum: Areal, Bevölkerung, Landwirtschaft etc.).

im Gefolge. In der Stadt O. war die Temperatur im kältesten Monat im Mittel -3,24°, im wärmsten +18,9°, in Jever -2,1° und +19,66° C. Der Boden zerfällt seiner Beschaffenheit nach in Geest und Marsch. Die höher gelegene sandige, heidereiche Geest ist im südlichen Teil des Landes am ausgedehntesten und erhebt sich zuweilen nicht unbedeutend über die nahen Flüsse. Der Hümling, eine bis zu 63 m ansteigende, mit Heidekraut bewachsene Sandfläche, zieht sich vom Hannöverschen ins Oldenburgische herein. Geest und Marsch sind von großen Mooren und moorigen Landstrichen mannigfach durchzogen. Fette Marschgegenden sind besonders das Jeverland, westlich vom Jadebusen, und das Butjadingerland, östlich von demselben. Mineralquellen besitzt das Land nicht, dagegen auf Wangeroog ein Seebad.

[Areal und Bevölkerung.] Das Areal des Großherzogtums O. und seiner Teile beträgt:

^[Liste]

Herzogtum Oldenburg 5378 QKilom.

Fürstentum Lübeck 541 "

Fürstentum Birkenfeld 503 "

Großherzogtum Oldenburg: 6422 QKilom. (114 QM.).

Die Bevölkerung des Großherzogtums betrug 1837: 262,171, Ende 1885 dagegen 341,525 Seelen, was in diesen 50 Jahren eine Zunahme von 79,354 Köpfen oder jährlich 0,60 Proz. ergibt. Es ist dies eine außerordentlich schwache Vermehrung, die teils in den regelmäßigen Abflüssen der ländlichen Bevölkerung in die benachbarten größern Städte (Bremen, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Hamburg, Lübeck), teils in einer lebhaften überseeischen Auswanderung, die besonders aus dem südlichen Teil des Herzogtums O., dem oldenburgischen (kathol.) Münsterland, stattfand, seinen Grund hat. Bei obiger Zunahme ist noch zu berücksichtigen, daß seit 1855 die Bevölkerung des Staats durch die Erwerbung der einstigen Herrschaft Kniphausen am Jadebusen und des vormaligen holsteinischen Amtes Ahrensböck eine Erweiterung, hingegen durch die Abtretung des heutigen preußischen Jadegebiets einen freilich sehr bescheidenen Abbruch erfahren hat. Von der Gesamtbevölkerung kommen auf den Hauptbestandteil des Staats, das Herzogtum O., 267,111 oder 78,2 Proz., auf das Fürstentum Lübeck 34,721 oder 10,2 Proz. u. auf das Fürstentum Birkenfeld 11,6 Proz. Die Dichtigkeit der Bevölkerung beträgt nur 53 Einw. auf 1 qkm. Dies rührt besonders von dem überwiegend agrarischen, sehr lose besiedelten und mit wenig Städten besetzten Herzogtum O. her, wo nur 50 Einw. auf 1 qkm kommen. Innerhalb des Herzogtums ist die durchweg in Kultur genommene Marsch weit dichter als die vielfach sterile, von großen unkultivierten Flächen noch durchzogene Geest bevölkert; namentlich die Münstersche Geest erweist sich mit nur 30 Einw. auf 1 qkm sehr menschenarm. Von den beiden Fürstentümern fallen in Lübeck auf 1 qkm 64 und in dem vorherrschend industriellen Birkenfeld 79 Köpfe. Die Bevölkerung lebt in 2841 einzelnen Wohnplätzen, d. h. außerordentlich zerstreut. Städte, d. h. dichtere geschlossene Wohnplätze von mindestens 2000 Einw., gibt es im ganzen nur 15 mit einer Bevölkerung von 73,450 Köpfen. Das macht nur ein Fünftel der Gesamtheit oder 21,5 Proz. aus, so daß auf die ländliche Bevölkerung 78,5 Proz. entfallen. Die Einwohner sind Deutsche und zwar im Herzogtum O. auf der Geest vom niedersächsischen, in der Marsch vom friesischen, im Fürstentum Lübeck vom niedersächsischen, im Fürstentum Birkenfeld vom fränkischen Stamm. Am 1. Dez. 1885 waren im Herzogtum O. 198,659 Evangelische (meist Lutheraner), 66,463 Katholiken, 1043 andre Christen, 946 Israeliten; im Fürstentum Lübeck 34,517 Evangelische (Lutheraner), 161 Katholiken, 17 andre Christen, 26 Israeliten; im Fürstentum Birkenfeld 31,128 Evangel. (Unierte), 7739 Katholiken, 148 andre Christen, 678 Israeliten. Die katholische Kirche ist in den früher münsterschen Ämtern Vechta, Kloppenburg und Friesoythe die vorherrschende. Von christlichen Sekten sind in O. und zwar besonders im Herzogtum O. Baptisten, Mennoniten, Methodisten und im Fürstentum Birkenfeld Altkatholiken vertreten.

Was die geistige Kultur betrifft, so bestehen im Großherzogtum gegenwärtig ca. 550 Volks- oder Elementarschulen, 2 Schullehrerseminar (ein evangelisches zu Oldenburg, ein katholisches zu Vechta), 14 höhere Volks- oder Bürgerschulen, 5 Gymnasien (zu Oldenburg, Jever, Eutin, Vechta [katholisch] und Birkenfeld), 3 Realschulen (zu Oldenburg, Oberstein-Idar und Varel), eine höhere Töchterschule (Cäcilienschule zu Oldenburg), eine Taubstummenanstalt zu Wildeshausen, 2 landwirtschaftliche Schulen zu Neuenburg und Kloppenburg, eine Navigationsschule zu Elsfleth. In Oldenburg sind auch eine öffentliche Bibliothek (als Staatsanstalt), ein Naturalienkabinett, eine Münz- und Antiquitätensammlung, eine Bildergalerie und ein Theater (als großherzogliche Anstalten).

[Erwerbszweige.] Haupterwerbsquelle der Bevölkerung ist im Herzogtum O. und im Fürstentum Lübeck die Landwirtschaft und die Viehzucht, für deren Hebung neuerdings sowohl von seiten des Staats durch Förderung des Berieselungs- und des Kanalisationswesens, durch Körungsgesetze, durch Aufforstung der Heiden als durch die Thätigkeit der landwirtschaftlichen Vereine viel geschehen ist. Im Herzogtum O. kommen auf die Marsch etwa 1100 qkm, auf die Geest 4200 qkm; ferner auf die wirklich in Kultur genommene Fläche 55,36, auf das noch unkultivierte Areal 41,21 Proz. der Gesamtfläche. Am ergiebigen ist der Ackerbau in der Marsch, zumal an Weizen; außerdem werden gebaut: Roggen, Gerste, Hafer, Bohnen, Erbsen, Raps (besonders in der Marsch), Hanf (im Stedingerland), Flachs und Hopfen (in der Geest), Zichorien (im südlichen Teil des Herzogtums O.), Kartoffeln und Buchweizen (besonders in den Moorgegenden), wo das Land dazu, wie zum Roggenbau, durch Brennen vorbereitet wird, woher der unter dem Namen "Herauch" weit in Deutschland bekannte Moorrauch stammt. Der Obstbau ist im Herzogtum O. und Fürstentum Lübeck von geringer Bedeutung. Etwas Wein wird im Fürstentum Birkenfeld gebaut. Von großer Bedeutung im ganzen Großherzogtum ist die Viehzucht. Die Pferde, besonders der Marsch, sind durch ihre Stärke ausgezeichnet (vgl. Hofmeister, Die Pferdezucht des Großherzogtums O., Oldenb. 1885). Die Rindviehzucht ist ebenfalls und in erster Linie in den mit fetten Weiden und Wiesen ausgestatteten Marschen und im Fürstentum Birkenfeld von Bedeutung, die Schafzucht in den früher münsterschen Landesteilen, namentlich in den Ämtern Kloppenburg, Friesoythe und Wildeshausen, wegen der ausgedehnten Heiden stark verbreitet; doch wird nur die unveredelte sogen. Heidschnucke gezüchtet; ebenso findet Bienenzucht vornehmlich in den Heidegegenden statt. Einigen Ertrag gewährt die Fischerei, von geringem Belang dagegen ist die Jagd. Das Herzogtum O. ist sehr holzarm; sein Forstboden beträgt 320 qkm (5,7 QM.), d. h. nicht mehr als 5,9 Proz. der Gesamtfläche, wogegen im Fürstentum Birkenfeld der Waldbestand 199 qkm (3,5 QM.) oder bereits 39,5 Proz.