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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Önomaos - Onslow.

Önomaos, im griech. Mythus König von Pisa in Elis, Vater der Hippodameia, suchte die Vermählung derselben zu verhindern, indem er jedem Freier die Bedingung stellte, mit ihm eine Wettfahrt nach dem Poseidonaltar auf dem Korinthischen Isthmus zu unternehmen; wenn er ihn dann mit seinen windesschnellen Rossen einholte, durchbohrte er ihn von hinten mit dem Speer. Dreizehn Freier hatte er so bereits besiegt, als Pelops (s. d.) ankam und zum Sieger über Ö. wurde. Letzterer gab sich selbst den Tod.

Onomastikon (griech.), eigentlich jedes Namen- oder Wortverzeichnis, insbesondere ein in systematischer Aufeinanderfolge nach Materien geordnetes Wörterbuch, in welchem die sachliche Erläuterung und, mit Rücksicht auf diese, vorzüglich die Synonymik einen Hauptgesichtspunkt bildet, während die sprachliche Erläuterung nur da herbeigezogen wird, wo sie zum Verständnis jener notwendig ist. Aus dem Altertum ist nur das O. des Julius Pollux (s. d.) erhalten. Später bezeichnete man mit O. ein meist kürzeres Gedicht auf den Geburtstag einer Person.

Onomatologie (griech.), die Lehre von der Bildung und Bedeutung der Eigennamen, eine erst in der neuern Zeit aus dem historischen und vergleichenden Studium der Sprachen entstandene sprachwissenschaftliche Disziplin. Über das Wesen der Personennamen vgl. Name; die Grundzüge zu einer geographischen O. versuchte J. J. ^[Johann Jakob] Egli (s. d.) in seinem Werk "Nomina geographica" (Leipz. 1872) zu legen, dem er auch eine "Geschichte der geographischen Namenkunde" (das. 1886) folgen ließ.

Onomatopöie (griech., Tonmalerei), die Bildung eines Wortes nach dem Klang oder dem Laute des Dinges, welches das Wort bezeichnet, z. B. blöken, miauen, Kuckuck; dem entsprechend in der Poetik eine phonetische Figur, bestehend in der Bildung ganzer Sätze nach der Lautähnlichkeit des zu beschreibenden Gegenstandes, wie bei Bürger: "Hurre, Hurre, Hurre, schnurre, Rädchen, schnurre" (vom Spinnrad), bei Ovid: "Quamvis sint sub aqua, sub aqua maledicere tentant", um das Quaken der Frösche zu bezeichnen. Onomatopoetisch, tonnachahmend.

Önometer (griech.), Instrument zur Bestimmung des Alkoholgehalts der Weine.

Onondaga, kleiner See im nordwestlichen Teil des nordamerikan. Staats New York, mit gleichnamigem Abfluß nach dem Senecafluß. An seinem Südende liegt Syracuse (s. d.).

Önone, im griech. Mythus eine der Weissagung kundige Nymphe, Tochter des Flußgottes Kebron und erste Gemahlin des Paris, den sie vor der Fahrt nach Griechenland vergeblich warnte. Als er von Philoktet mit den Pfeilen des Herakles verwundet zu ihr zurückkehrt, schlug sie es ab, ihn zu heilen, veranlaßte dadurch seinen Tod und nahm sich im Gram das Leben. Die erstere Szene der Warnung ist auf Reliefs, mehrfach auch das Liebesleben beider auf antiken Kunstwerken behandelt.

Ononis L. (Hauhechel), Gattung aus der Familie der Papilionaceen, kahle, behaarte oder drüsige, oft dornige Kräuter, Halbsträucher und Sträucher mit abwechselnden, meist fiederig dreizähligen Blättern, rosenroten oder gelben, einzeln oder gebüschelt achselständigen, oft zu ährigen Trauben zusammengedrängten Blüten und eiförmiger oder linealer, oft gedunsener Hülse. Etwa 60 Arten in den Mittelmeerländern bis zu den Kanaren. O. spinosa L. (Harnkraut), 30-90 cm hoch, mit in Dornen auslaufenden Ästen und Zweigen, unten drei, oben einzähligen Blättern, meist einzeln stehenden, rosenroten oder weißen Blüten, fast in ganz Europa, liefert die offizinelle Radix Ononidis, welche bitter adstringierend schmeckt und diuretisch wirkt.

Onopórdon L. (Krebsdistel, Eselsdistel), Gattung aus der Familie der Kompositen, große, zweijährige Disteln mit sehr großen, zackigen Blättern, von deren zwölf Arten besonders bekannt ist: O. Acanthium L. (Wolldistel, Krampfdistel), mit aufrechtem, ästigem, fast wollhaarigem Stengel, herablaufenden, elliptisch-länglichen, buchtigen, dornig gezahnten, spinnwebenartig-wolligen Blättern, in Europa. Wurzel und Kraut waren früher offizinell; die jungen Wurzeln und zarten Stengel werden in manchen Gegenden als Gemüse gegessen. Diese Distel ist die Wappenblume Schottlands.

Oenothera L. (Nachtkerze), Gattung aus der Familie der Onagraceen, ein- oder mehrjährige Kräuter mit einfachen, rosettenförmig gestellten Wurzelblättern, abwechselnden Stengelblättern, schönen, großen, meist gelben, einzeln in den Achseln stehenden Blumen, die aber im ganzen eine große Ähre, Traube oder einen Strauß bilden, und vierklappiger, vielsamiger Kapsel. Von den ca. 100 namentlich in Nordamerika heimischen Arten werden mehrere bei uns in Gärten kultiviert. O. biennis L. (Gartenrapunzel) stammt aus Virginia, ist jetzt aber in Europa einheimisch, wird im und darüber hoch und hat gestielte, verkehrt-eiförmige, buchtig gezahnte Wurzelblätter, lanzettförmige, fast ganzrandige Stengelblätter und große, gelbe, fast ährenständige Blumen, welche sich abends öffnen und nur einen Tag blühen. Man kultiviert sie als Salatpflanze, indem die lange, schmächtige Wurzel in humosem, nahrhaftem Boden fleischig möhrenartig wird und dann ein wohlschmeckende Gemüse (Rapontika) liefert. 1614 kam die Pflanze nach England und später zu uns.

Önothereen, s. v. w. Onagraceen.

Önotrer (auch Sikeler genannt), der Überlieferung nach die ältesten Bewohner des westlichen Teils von Mittel- und Unteritalien, ein Volk indogermanischen Ursprungs, wurden von den Latinern und den sabellischen Völkerschaften immer weiter herab nach der Südwestspitze von Italien gedrängt und von dadurch die Bruttier und durch die sich überall an der Südküste von Italien ansiedelnden Griechen nach der gegenüberliegenden Insel Sizilien vertrieben.

On parle français (franz., spr. ong parl frangssä), "man spricht französisch".

On revient toujours à ses premières amours (franz.), "man kehrt immer zu seiner ersten Liebe zurück", Citat aus Etiennes Operntext "Joconde".

Onsernone, Val, s. Maggia.

Onslow, Georg, Komponist, geb. 27. Juli 1784 zu Clermont in Frankreich (Auvergne) als Sohn englischer Eltern, studierte das Klavierspiel in London unter Leitung Cramers und Dusseks, ging behufs weiterer Ausbildung nach Wien, wo er sich mit den Instrumentalwerken Haydns, Mozarts und Beethovens vertraut machte, und lebte später abwechselnd auf seinem Landgut bei Clermont und in Paris. Zur künstlerischen Reife gelangt, entfaltete er eine überaus rege Thätigkeit als Instrumentalkomponist und erwarb sich durch zahlreiche Kammermusikwerke (Trios, Quartette, Quintette etc. für Klavier, Streich- und Blasinstrumente) einen solchen Ruf, daß er 1842 an Cherubinis Stelle zum Mitglied der französischen Akademie ernannt wurde. Er starb 3. Okt. 1852 in Clermont. Die Gelegenheit der Arbeit und Vornehmheit der Erfindung, welche Onslows Instrumentalwerke wie auch seine Opern, darunter "L'alcade de la