Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Opĭum

406

Opitz - Opium.

haben seine Poesien im Ansehen unübertrefflicher Mustergültigkeit gestanden. Unter seinen theoretischen Schriften nimmt das Buch "Von der teutschen Poeterei" (Brieg 1624 u. öfter; Neudruck, Halle 1876) den ersten Rang ein, und die im 17. Jahrh. geltenden schiefen und nüchternen Ansichten über Aufgabe und Wesen der Poesie basieren fast ausschließlich auf diesem Werk, das sich seinerseits wieder eng an die lateinische Poetik des Franzosen Scaliger anschließt. Die Dichtkunst ist nach dem Dogma der "Poeterei" ursprünglich eine "verborgene Theologie" gewesen; ihr Zweck darf nicht in der "Ergötzung" allein gesucht werden, sondern sie soll auch "nützen", nämlich belehren. Ein Haupterfordernis derselben sei ein reicher Vorrat von malenden und schmückenden Beiwörtern, und das Ansehen und die Dignität der dichterischen Rede bestehe in den Tropen und Schematen, "wenn ein Wort von seiner eigentlichen Bedeutung auf eine andre gezogen werde". Eine unglaubliche Dürftigkeit ästhetischer Einsicht verrät namentlich der Abschnitt, in welchem O. die einzelnen dichterischen Gattungen charakterisiert, wie er denn das Wesen der Tragödie darin sieht, daß sie nur von königlichem Willen, von Totschlägen, Verzweiflungen, Kinder- und Vatermorden, Brand, Blutschande, Kriegen und Aufruhr, Klagen, Seufzen u. dgl. handle. Erfreulicher als diese Anschauungen waren O.' Bestrebungen für das Ansehen der deutschen Sprache und sein Einfluß auf die metrische Entwickelung der deutschen Poesie. Schon in seiner oben erwähnten Jugendschrift "Aristarchus" hatte er die Geringschätzung, mit welcher der Gelehrtendünkel die deutsche Sprache ungepflegt ließ, wirksam bekämpft. In metrischer Hinsicht verhalf er den Anschauungen, die einige poetische Vorgänger bereits gehegt hatten, zum Sieg. Im 7. Kapitel der "Poeterei" ward zum erstenmal bestimmt ausgesprochen, daß wir Deutschen nicht nach Art der Alten "eine gewisse Größe der Silben in acht zu nehmen, sondern aus den Accenten und dem Ton zu erkennen" hätten, welche Silben "hoch und welche niedrig gesetzt werden sollen". Zugleich verlangte er Reinheit des Reims und stellte den Alexandriner als deutschen Mustervers auf, der seitdem über ein Jahrhundert lang herrschend blieb. O.' eigne Dichtungen wurden zwar seiner Zeit und bis ins vorige Jahrhundert hinein überschwenglich gepriesen und der Dichter als der unsterbliche "Boberschwan" unzähligemal gefeiert; gleichwohl mag selten eine gemütsärmere und phantasielosere Natur als gerade O. zu Dichterruhm gelangt sein. Am meisten sagte seiner nüchternen Verständigkeit das Lehrgedicht zu, das er denn auch mit Vorliebe pflegte (außer den schon genannten Werken dieser Art sind anzuführen: "Das Lob des Feldlebens", "Vesuvius", "Vielgut", "Das Lob des Kriegsgottes"). Diesen hausbackenen Produkten schließen sich Übertragungen der Psalmen, der Sophokleischen "Antigone" und der "Trojanerinnen" des Seneca an. Das nach dem Italienischen bearbeitete Singspiel "Daphne" (1627, von Schütz in Musik gesetzt, zu Torgau aufgeführt) gilt in gewissem Sinn als erste deutsche Oper; durch seine "Hercynia" führte O. die Schäferpoesie ein. Auch in Bezug auf persönliche Eigenschaften: Liebedienerei und Schmeichelsucht, Schmiegsamkeit gegen Große und Gier nach äußerlichen Ehren, ward O. das unrühmliche Vorbild der deutschen Dichter des 17. Jahrh. Seine Werke erschienen gesammelt noch bei seinen Lebzeiten Breslau 1625, 1629 und 1637; eine vierte, von ihm noch selbst geordnete Sammlung Danzig 1641. Die 1690 zu Breslau erschienene Ausgabe ist nicht vollständig und sehr fehlerhaft. Eine kritische Ausgabe, von Bodmer und Breitinger unternommen, kam nur bis zum zweiten Teil (der erste erschien Zürich 1745), da sie die Konkurrenz der schlechtern, von Triller besorgten (Frankf. 1746, 4 Bde.) nicht bestand. Ausgewählte Dichtungen von O. gab neuerdings Tittmann (Leipz. 1869) heraus. Ein Denkmal des Dichters (Marmorbüste von Michaelis) wurde 1877 in Bunzlau enthüllt. Vgl. Gottsched, Lobrede aus O. (Leipz. 1739); Strehlke, Martin O. (das. 1856); Weinhold, Martin O. (Kiel 1862); Palm, Martin O. (Bresl. 1862); Borinski, Die Kunstlehre der Renaissance in Opitzens Buch von der deutschen Poeterei (Münch. 1883), weitere Schriften darüber von Fritsch (Halle 1884) und Berghöffer (Frankf. a. M. 1888).

Opĭum (Laudanum, Meconium), aus angeritzten unreifen Kapseln des Mohns (Papaver somniferum) ausfließender und eingetrockneter Milchsaft, eine der wichtigsten Droguen und ein im Orient sehr beliebtes narkotisches Genußmittel. Die Opiumgewinnung ist in allen mildern und subtropischen Klimaten mit nicht zu starkem Regenfall möglich; aber der Wert des Bodens und der Arbeit machen sie an vielen Orten nicht lohnend, und gegenwärtig liefern nur Kleinasien, Persien, Indien und China, in geringerm Maß auch Ägypten das O. des Handels. Das an vielen Orten in Europa (auch in Deutschland), in Algerien, Nordamerika und Australien gewonnene O. hat für den Handel geringe Bedeutung. In Kleinasien wird der Mohn (P. somniferum, var. β glabrum Boiss.) besonders von kleinen Bauern kultiviert. Wenige Tage nach dem Abfallen der Blütenblätter macht man oberflächliche Einschnitte in die Kapseln, aus denen sich nun über Nacht der Milchsaft ergießt. Man nimmt diesen am Morgen mit einem Messer ab, sammelt ihn auf einem Mohnblatt und knetet ihn zu größern oder kleinern Kuchen zusammen. Eine Kapsel liefert etwa 0,02 g O. Das kleinasiatische O. (jährlich 4-7000 Körbe zu etwa 75 kg) kommt über Smyrna oder Konstantinopel in den Handel und ist die vorzüglichste Sorte. Das Smyrnaer ist bei uns offizinell und bildet meist etwas zusammengedrückte oder fast kugelförmige, bis 0,75 kg schwere Kuchen, seltener Brote von 1 bis 3 kg, eingehüllt in Mohnblätter oder bestreut mit Ampferfrüchten. Frisch sind sie etwas weich, innen blaßbraun und bestehen aus kleinen, auf dem Durchschnitt der Kuchen sichtbaren Körnchen; getrocknet sind sie dunkler, auf dem Bruch glänzend und rotbraun. O. riecht eigentümlich narkotisch, schmeckt scharf bitter, brennend, aber nicht kratzend, löst sich nur zum Teil in Wasser und Alkohol, enthält 9-14, im Innern oft 24 Proz. Wasser, Gummi, Albumin, Zucker (bis 8 Proz.), eine kautschuk-, harz- oder wachsartige Substanz, sehr kleine Mengen eines flüchtigen, pfefferartig riechenden Körpers, Mineralstoffe (3-5 Proz. Asche) und folgende Alkaloide:

^[Liste]

Hydrokotarnin C12H15NO3^[C_{12}H_{15}N_O_{3}] Mekonidin C21H23NO4^[C_{21}H_{23}N_O_{4}]

Morphin C17H19NO3^[C_{17}H_{19}N_O_{3}] Laudanosin C21H27NO4^[C_{21}H_{27}N_O_{4}]

Kodein C18H21NO3^[C_{18}H_{21}N_O_{3}] Lanthopin C23H25NO4^[C_{23}H_{25}N_O_{4}]

Thebain C19H21NO3^[C_{19}H_{21}N_O_{3}] Protopin. C20H19NO5^[C_{20}H_{19}N_O_{5}]

Pseudomorphin C17H19NO4^[C_{17}H_{19}N_O_{4}] Kryptopin C21H23NO5^[C_{21}H_{23}N_O_{5}]

Kodamin C20H25NO4^[C_{20}H_{25}N_O_{4}] Rhöadin C21H21NO6^[C_{21}H_{21}N_O_{6}]

Laudanin C20H25NO4^[C_{20}H_{25}N_O_{4}] Narkotin C22H23NO7^[C_{22}H_{23}N_O_{7}]

Papaverin C21H21NO4^[C_{21}H_{21}N_O_{4}] Narcein C23H29NO9^[C_{23}H_{29}N_O_{9}]

Außerdem finden sich im O. Mekonin C10H10O4^[C_{10}H_{10}O_{4}] und Mekonsäure C7H4O7^[C_{7}H_{4}O_{7}]. Der Morphiumgehalt beträgt im Smyrnaer O. durchschnittlich 10-12 Proz. und erreicht 21, im nordfranzösischen O. 22,8 Proz. Der