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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ophiten - Opitz.

Ophīten (Ophiāner, v. griech. ophis, Schlange, oder Naassener, v. hebr. naas, Schlange, Schlangenbrüder), Namen verschiedener gnostischer Sekten des kirchlichen Altertums, welche darin übereinstimmten, daß sie im Anschluß an vorderasiatische und ägyptische Vorstellungen einen Schlangenkultus pflegten, wobei sie sich in verschiedener Weise an die alttestamentliche Paradiesschlange anlehnten. Während bei Irenäus die O. in dem "Schlangengestaltigen" (Ophiomorphos) das dämonische Abbild des Judengottes Jaldabaoth sahen, bildeten andre O., weil durch die Schlange Jaldabaoths Mutter dem Menschen Keime höherer Erkenntnis zugeführt habe, diese Idee dahin weiter, daß die Schlange zuletzt als höchster Gegenstand eines Mysterienkultus, als Symbol der durch alle Gegensätze des physischen und geistigen Lebens sich hindurchwindenden Weltseele erschien. Vgl. Lipsius in der "Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie" 1863; Gruber, Die O. (Würzb. 1864).

Ophiūchus (lat. Serpentarius, Anguifer, Schlangenträger), großes Sternbild zwischen 16° nördl. und 29° südl. Deklination und 240-280° Rektaszension, zwischen Herkules, Wage, Adler, Antinous und Skorpion, wird von der Milchstraße und dem Äquator durchschnitten und enthält einen Stern zweiter Größe (Ras Alhagua) am Kopf und 5 Sterne dritter Größe, in der Schlange einen Stern zweiter und 7 Sterne dritter Größe. Das Sternbild verherrlicht angeblich den Phorbas (s. d.), der Rhodos von Schlangen befreite, vielleicht auch den Asklepios oder Herakles.

Ophiurīde (griech., Schlangenschwanzlinie), eine ebene Kurve dritten Grades, welche ihr Erfinder Ulhorn zur Lösung des Delischen Problems, zur Trisektion des Winkels etc. benutzte. Vgl. Brandes, Lehrbuch der höhern Geometrie, Bd. 1 (Leipz. 1822).

Ophiurīden (Schlangensterne) s. Asteroideen.

Ophthalmiátrik (Ophthalmiatrie, griech.), s. v. w. Augenheilkunde.

Ophthalmīe (griech.), s. v. w. Augenentzündung.

Ophthalmīten (griech.), Steine vom Ansehen eines Auges, wie manche Achat- und Chalcedonarten.

Ophthalmobiōtik (griech.), Augenpflege.

Ophthalmologie (griech.), Lehre vom Auge.

Ophthalmomēter (griech.), von Helmholtz konstruiertes Instrument zum Ausmessen des vordern Abschnitts des Auges, z. B. der Größe der Hornhaut, der Krümmungshalbmesser der Hornhaut und der beiden Linsenflächen etc. Coccius, Mandelstamm u. a. haben ähnliche Instrumente angegeben.

Ophthalmophantōm (griech.), künstliches Auge zu demonstrativen Zwecken.

Ophthalmoskōp (griech.), s. Augenspiegel.

Ophthalmotherapie (griech.), Augenheilkunde.

Opiān, s. v. w. Narkotin.

Opiāte, pharmazeutische Präparate, welche Opium enthalten, wie Opiumextrakt, Opiumtinktur, Dowersches Pulver etc.

Opĭker, Volksstamm, s. Osker.

Opimĭus, Lucius, Römer aus plebejischem Geschlecht, eroberte 125 v. Chr. als Prätor die aufrührerische Stadt Fregellä, wurde 121 Konsul und leitete den Kampf des Adels gegen den Volkstribun Gajus Gracchus, in dem dieser mit einer großen Zahl seiner Anhänger erschlagen wurde. Nachdem er 120 Zensor gewesen, wurde er 115 als Gesandter an Jugurtha in Afrika geschickt, ließ sich von diesem bestechen und ward deshalb im J. 110 in der durch ein Gesetz des Tribuns Gajus Mamilius angeordneten Untersuchung angeklagt und verbannt.

Opiophāgen, Opiumesser, s. Opium.

Opisthodōm (griech., "Hinterhaus"), der in einigen griech. Tempeln, z. B. in dem Parthenon, befindliche, durch eine Querwand von dem das Bildnis der Gottheit enthaltenden Hauptraum (Cella) geschiedene Hinterraum, welcher zur Aufbewahrung des Staatsschatzes diente.

Opisthotōnus, s. Nackenstarre.

Opitz, Martin, einflußreicher deutscher Dichter und Kunsttheoretiker des 17. Jahrh., geb. 23. Dez. 1597 zu Bunzlau, besuchte die dortige Schule, dann das Magdalenäum zu Breslau und 1617 das akademische Gymnasium zu Beuthen, bekleidete darauf in der Familie des Tobias Scultetus eine Hauslehrerstelle und veröffentlichte 1618 sein erstes ins Gewicht fallendes Werk, die lateinisch abgefaßte, gegen die Vernachlässigt der deutschen Sprache gerichtete Schrift "Aristarchus". Nachdem er in demselben Jahr noch eine Zeitlang die Universität zu Frankfurt a. O. besucht hatte, wurde er 1619 Lehrer der Söhne des kurpfälzischen Geheimrats v. Lingelsheim zu Heidelberg und schloß mit einem Kreis junger Talente, unter denen Zinkgref später am bekanntesten geworden ist, Freundschaft. Von Heidelberg flüchtete er 1620 nach Holland, wo er sich die Gunst Daniel Heinsius' durch Übersetzung von dessen Lobgesängen auf Bacchus und den Heiland erwarb, ging 1621 nach Jütland, wo sein erst 13. Jahre später veröffentlichtes "Trostgedicht in Widerwärtigkeit des Kriegs" entstand, und folgte ein Jahr später dem Ruf des Fürsten von Siebenbürgen, Bethlen Gabor, zur Übernahme einer Lehrerstelle der Philosophie und schönen Wissenschaften an der hohen Schule zu Weißenburg. Er verfaßte hier sein Gedicht "Zlatna, oder von Ruhe des Gemüts" und begann ein nie vollendetes großes Werk über die Altertümer Daciens ("Dacia antiqua"). Von Heimweh getrieben, kehrte er schon 1623 nach Schlesien zurück und wurde im folgenden Jahr Rat beim Herzog von Liegnitz und Brieg. Bei einem Besuch in Wien 1625 wurde er für ein Trauergedicht auf den Tod des Erzherzogs Karl vom Kaiser Ferdinand II. eigenhändig gekrönt und später (1628) als "O. von Boberfeld" in den Adelstand erhoben. Bereits 1626 war er als Sekretär in den Dienst des durch seine grausame Protestantenverfolgung berüchtigten Grafen Karl Hannibal von Dohna getreten, der ihn 1630 mit geheimen Aufträgen nach Paris schickte, wo O. mit Hugo Grotius bekannt wurde, dessen Schrift "Über die Wahrheit der christlichen Religion" er in Versen ins Deutsche übertrug. Nach dem Tode Dohnas (1633) folgte O. 1634 einem ältern Gönner, dem Herzog Johann Christian von Brieg, auf dessen Flucht nach Preußen und erwählte Danzig zum Wohnort, wo er nach kurzer Zeit vom König Wladislaw IV. von Polen, den er mit einem Lobgedicht angesungen hatte, zum Sekretär und polnischen Hofhistoriographen ernannt wurde. In dieser Eigenschaft begann O. das Studium der sarmatischen Altertümer, beschäftigte sich daneben viel mit altdeutscher Poesie und gab das "Annolied" mit lateinischen Anmerkungen (Danz. 1639) heraus, dessen Handschrift seitdem verloren ist. Während einer in Danzig wütenden Pestseuche durch einen Bettler, dem er ein Almosen reichte, angesteckt, starb er 20. Aug. 1639. O.' große litterarhistorische Bedeutung beruht nicht sowohl auf seinen Dichtungen als solchen, sondern auf den in diesen praktisch bethätigten und in theoretischen Werken von ihm verkündigten ästhetischen und technischen Grundsätzen. Sein Einfluß auf den Bildungsgang des 17. Jahrh. ist unberechenbar groß gewesen, und fast volle 100 Jahre hindurch