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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Opferpfennig - Ophit.

wurden mit Menschen angefüllt und verbrannt. Man schlachtete Verbrecher, in deren Ermangelung aber auch Knechte, Kriegsgefangene, selbst Weiber und Kinder. Mit den Gestorbenen ward als Totenopfer alles verbrannt, was ihnen teuer war, auch die Sklaven und Schutzgenossen. Im allgemeinen fast dieselben Gebräuche fanden sich bei den Finnen, Esthen, Liven, Preußen, Letten, Slawen, wenn auch nach Örtlichkeit, Glauben etc. verschieden. - Bei den Negern, Indianern, den Völkern der Südsee waren und sind Menschenopfer sehr häufig; die Mexikaner opferten oft an einem Tag an 20,000 Menschen, und ähnliche Menschenschlächtereien dauern z. B. in Dahomé noch heute fort.

Die bereits von den Propheten des Alten Testaments erkannte Wahrheit, daß der Mensch der Gottheit nichts anbieten könne, was nicht an und für sich schon ihr Eigentum und ihre Gabe sei, machte das Christentum dadurch geltend, daß es den jüdischen und heidnischen Opferdienst gänzlich beseitigte und den Tod Jesu als die ein für allemal und immer gültige Genugthuung für die Sünden der Menschen und als die letzte Erfüllung der alten Opferidee darstellte. Es ist dies übrigens eine Vorstellung, die auch dem Heidentum nicht völlig fremd geblieben war und sich in dem Somadienst der Inder, dem Mithrasdienst der Perser sowie in dem Osiris-, Dionysos- und Balderkultus ausprägte. Um diese Selbstopferungsidee symbolisch festzustellen, feierte man Liebesmahle und führte das Meßopfer ein, welches von der Kirche noch jetzt das unblutige O. genannt wird, weil nach dem katholischen Lehrbegriff der Meßpriester durch Weihung des Brotes und Weins den Leib und das Blut Christi im Sinn der jüdischen Sühnopfer gleichsam aufs neue opfert. Ferner sind die Oblationen der Christen, das Räuchern in den katholischen Kirchen, die Vermächtnisse an Kirchen, Klöster, Wallfahrtsorte überhaupt fromme Gaben für den religiösen Dienst (Opferpfennige, Kerzen, Votivbilder) Nachklänge und Übergänge aus den heidnischen Opfern.

Opferpfennig, s. Beichtgeld.

Opferstock (Gotteskasten, Cippus), schon im Tempel zu Jerusalem und in allen christlichen Kirchen, in denen nicht der Zimbel (Klingelbeutel) umhergetragen wird, an den Thüren, ursprünglich in Form eines Baumstocks, angebrachter Behälter, in welche die Herausgehenden freiwillige Gaben, meist zur Bestreitung der kirchlichen Bedürfnisse, einlegen.

Ophéltes, Sohn des Königs Lykurgos von Nemea, wurde bei dem Zug der Sieben gegen Theben infolge der Unachtsamkeit seiner Wärterin Hypsipyle (s. d.), die den Knaben in das Gras legte, um den dürstenden Helden eine Quelle zu zeigen, von einer Schlange getötet. Zu seinem Andenken wurden ursprünglich die Nemeischen Spiele gefeiert, bei denen er unter dem ihm von dem Seher Amphiaraos beigelegten Namen Archemoros verehrt wurde.

Ophicalcit, s. Marmor, S. 271.

Ophidia (lat.), Ordnung der Reptilien, s. Schlangen.

Ophikleide (griech.), das Baßinstrument der Familie der Klappenhörner (Buglehorn mit Klappen), 1806 von Prospero Guivier erfunden, jetzt fast außer Gebrauch, wurde in verschiedenen Größen und Stimmungen gebaut: 1) als Baßophikleide in C, B und As (Umfang drei Oktaven und ein Halbton chromatisch); 2) als Altophikleide in F und Es (Umfang derselbe); 3) als Kontrabaßophikleide in F und Es (Umfang nur 2½ Oktaven, eine volle Oktave tiefer stehend als die Altophikleide). Nur die Baßophikleide war zeitweilig in allgemeinem Gebrauch.

Ophiodónten (griech.), fossile Schlangenzähne.

Ophioglosseen (Natterzungen), kryptogamische Pflanzengruppe unter den Gefäßkryptogamen, welche mit den Farnkräutern am nächsten verwandt ist. Es sind perennierende Kräuter mit einem kurzen und dünnen unterirdischen Stamm und einem aufrechten Blatte, das sich alljährlich erneuert, und dessen oberer, besonders gestalteter Teil die Sporangien trägt, während der untere Abschnitt steril und blattartig ist. Der Hauptunterschied von den Farnen liegt erstens darin, daß die Sporangien nicht mehr, wie bei diesen, bloße Erzeugnisse der Epidermis sind, sondern daß sie durch Umwandlung von Blattzipfeln entstehen, und zweitens in dem knollenförmigen, unterirdischen, chlorophylllosen Vorkeim. Durch beide Merkmale nähern sich die O. bereits der nächsten Klasse, den Lykopodiaceen. Die Klasse begreift nur eine gleichnamige Familie, welche aus ungefähr 30 Arten in den drei Gattungen Ophioglossum L., Botrychium Lw. und Helminthostachys Wlf. besteht und in der gemäßigten, kalten und heißen Zone vertreten ist.

Ophioglossum L. (Natterzunge), Pflanzengattung aus der Familie der Ophioglosseen, perennierende Kräuter mit einem einzigen Blatte, das aus einem obern fruchtbaren und einem untern sterilen Abschnitt besteht; der erstere stellt eine gestielte Ähre dar, welche aus zwei Reihen kugeliger, von der Blattmasse umschlossener Sporangien besteht, der letztere ist blattförmig, ungeteilt. Von den 15 Arten gehören die meisten der heißen Zone an; in Deutschland findet sich nur O. vulgatum L. (gemeine Natterzunge), mit 5-30 cm hohem Wedel, der in der Mitte den länglich eiförmigen, blattartigen Teil trägt, und dessen Stiel sich in die langgestielte, zusammengedrückte, linealische Ähre fortsetzt; auf Wiesen, Triften, an Waldrändern in ganz Europa und Asien. Früher wurde sie als Heilmittel benutzt.

Ophiolatrie (griech.), Schlangendienst (s. d.); vgl. Ophiten.

Ophiolith, s. v. w. Gabbro oder Serpentin.

Ophionidae, s. Schlupfwespen.

Ophir, eine im Alten Testament genannte Gegend, aus welcher Salomo auf Schiffen, die in den edomitischen Häfen ausgerüstet wurden, große Mengen Gold, Sandelholz, Elfenbein etc. holen ließ, um seine Prachtbauten in Jerusalem auszuführen, wurde von den Gelehrten bald nach Ländern Vorderasiens, bald nach Indien verlegt, dann, seit Kolumbus 1492 auf Hispaniola gelandet war, in Amerika, später an der Ostküste von Asien gesucht. Unter den neuern Forschern sucht v. Baer O. auf der Halbinsel Malakka, Mauch an der Ostküste von Afrika, westlich von Sofala, Lassen an der Nordwestküste von Ostindien, nahe der Mündung des Indusflusses. Trotz der Einwendungen Röslers ("Ausland" 1872) ist die Ansicht Lassens die am besten begründete und der Name vom Volksstamm Abhira abgeleitet, der noch heute im nördlichen Indien als Hirtenvolk zahlreich ist.

Ophit, dunkelgrünes, körniges bis dichtes Gestein aus Plagioklas und uralithischer Hornblende mit hellem Augit, primärer Hornblende, Titaneisen und bisweilen Diallag, auf den Klüften mit gelbgrünem Epidot und Eisenglanz, äußerlich dem Serpentin ähnlich, findet sich, einzelne Kuppen bildend, in den Pyrenäen, auch in Spanien und Portugal, meist begleitet von grauem und ziegelrotem Gips, eisenschüssigen, bunten Thonen und violetten, roten, grünen oder grauen Mergeln.